Schienen in der Steppe
Bahnhof in Georgien von J. Mayer H.
Bei seinem Amtsantritt als Gouverneur in Odessa 2015 setzte der mittlerweile wieder abgesetzte, frühere georgische Präsident Micheil Saakaschwili den Ausbau der Infrastruktur ganz oben auf die Agenda. Mit der radikalen Modernisierung von Straßen, Flugstrecken oder Zuglinien hatte Saakaschwili schließlich auch während seiner Regierungszeit in Tiflis (2004 bis 2013) viel Popularität erlangt. Und mit ihm J. Mayer H. , der während dieser Zeit mit mal tänzelnden, mal sich verkantenden Formen georgische Autobahnraststätten, Grenzstationen, Flughäfen oder Bahnhöfe gestaltete.
Jetzt – sechs Jahre nach Saakaschwilis letzter Amtszeit als Präsident – ist ein weiteres Infrastrukturprojekt des Berliner Architekten vorläufig fertiggestellt worden: der Bahnhof Akhalkalaki. Er ist die erste Station nach der türkischen Grenze auf einer neuen transkaukasischen Zugstrecke mit europäischer Spurbreite, die in Zukunft das türkische Kars mit dem aserbaidschanischen Baku verbinden soll.
Mit seinem verzahnten, rückspringenden Dach ist der Bau schon jetzt ein Symbol für die neue Verbindung. Auf der georgischen Webseite der Iron Silk Road, wie das Bahnprojekt einen zukünftigen Ausbau nach Istanbul und Zentralasien vorwegnehmend heisst, ist der Bahnhof von Jürgen Mayer H. jedenfalls schon zum Logo für das ganze Infrastrukturvorhaben geworden. Das liegt nahe, spiegelt seine Architektur doch abstrakt die Physis von Gleisen wider: Das längliche Gebäude könnte drei ineinander verschränkte Schienenstränge darstellen, die sich jeweils mit einer weißen bis hellgrau getönten Metallfassade voneinander absetzen.
An Kopf und Fuß des Gebäudes legt Jürgen Mayer H. die drei gleisartigen Querschnitte versetzt an, in den Fugen dazwischen platziert er die Fenster. Wohl der Einheitlichkeit wegen sind entlang der Schauseiten an Straße und Schienen die Fensteröffnungen mit einer vergitterten Fassade verhangen. Nur einzelne kantige Kerben für die Zugänge öffnen die Hülle. Auch diese Schlitze lassen sich vielleicht symbolisch lesen, kommen einem doch Begriffe wie „Geschwindigkeit“ oder „Progressivität“ in den Sinn. Ob es dann im Innenraum ähnlich dynamisch weitergeht, ist bislang jedoch nicht bekannt – die Teilstrecke nach Kars ist zwar formal schon im letzten Herbst eröffnet worden, aber noch gibt es hier offensichtlich einiges zu tun. (sj)
Fotos: Dimitri Kavtaradze
Wohl kein Land hat sich in den letzten Jahren so radikal verändert wie Georgien, berichtet die Baunetzwoche#295
Nur eine Inszenierung des Architekten....
Schlimmer geht es nach meinem Geschmack nicht mehr.
Ich schreibe, urteile auch nur über die veröffentlichen Fotos - aber das was man sieht überzeugt mich leider zu 0,00.
Hätte man so etwas im Studium entworfen wäre man aus meiner Sicht zu 1000% durchgefallen - ein Name bürgt nicht für Qualität - sorry
Details und Haltbarkeit kann sicher kritisiert werden aber mit unseren Normen baut man dort (zum Glück?) nicht. Auf der symbolischen Ebene funktionieren sie aber alle sehr gut. Man spürt das etwas gewollt und geändert wird im Land. Das eine neue, wohl erstaunlich wenig korrupte, Polizei in transparenten Gebäuden sitzt, dass an der Infrastruktur gearbeitet wird etc.
Das wellenförmige Grenzgebäude ist, nach den letzten Kilometern und Tunneln in der Türkei, wirklich ein freundlicher Empfang. Der Bahnhof hier ist schon sehr geschlossen, steht aber auch in einer harten Umgebung. Wichtig finde ich dass hier Unikate entstanden sind mit denen man sich identifizieren kann.
Ich denke ich fahre da mal hin.... schau es mir mal an. Wäre doch ein guter Grund!
@Bücherwurm:
Ein funktionaler Bau in der Steppe, wie soll denn da bitteschön ein städtebaulicher Kontext hergestellt werden, wenn keine umgebende Bebauung vorhanden ist? Am besten verschafft man sich einen Überblick bevor man Kritik übt, z.B.: auch über Google Maps.
solange der BER nicht in Betrieb ist, ist seine Architektur schlichtweg egal.
In Georgien wurde ein schöner Bahnhof gebaut und in Betrieb genommen. Gratulation !