Vorbild Scheune
Doppelhaus in Düsseldorf von Nidus
Ein Haus aus den 1920er Jahren und ein Neubau im Garten: Nidus haben im Düsseldorfer Stadtteil Kaiserswerth eine kleine Wohnanlage mit drei großen Einheiten umgesetzt. Der straßenseitige Backsteinbau blieb erhalten. Rückwärtig hat das Team hingegen mit Holz gearbeitet. Das Düsseldorfer Büro verantwortete nicht nur die Architektur, sondern auch die Projektentwicklung des sogenannten Kreuzberghofs.
Kaiserswerth gilt heute als ältester Stadtteil von Düsseldorf. Das mag zwar mit Blick auf seine lange Geschichte formal richtig sein, verschweigt aber, dass die offizielle Eingemeindung erst 1929 erfolgte. Bis dahin galt Kaiserswerth als dörflich geprägter, eigenständiger Vorort im Nordwesten der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt. Das Stichwort „dörflich“ ist insofern relevant, als Nidus bei ihrem Entwurf für das Gartenhaus Bezug auf alte Scheunenbauten nehmen. In der auch heute noch vergleichsweise ländlichen Umgebung von Kaiserswerth sind diese hier und da noch zu finden.
Realisiert wurde hinter dem bestehenden Wohnhaus schließlich ein doppelgeschossiger Holzbau mit reichlich Raum im steilen Dach. Zwei gespiegelte Einheiten von rund 230 Quadratmetern bilden die beiden Hälften des Volumens. Der Außenraum ist jeweils einer Einheit zugeordnet, aber durchgehend gärtnerisch gestaltet. Die Erdgeschosse mit Küche sind weitestgehend offen gehalten. Darüber folgen ein großes Schlafzimmer mit Bad und zusätzlicher Wohn- oder auch Arbeitsfläche, im Dach noch weitere Schlafräume. Die beiden unteren Stockwerke sind durch einen Luftraum miteinander verbunden, wodurch sich ein hallenartiges Entrée ergibt.
Das dunkel gestrichene Holz der Fassade lässt tatsächlich an alte Scheunen denken, auch die Klappläden vor den Eingangstüren an beiden Stirnseiten. Die hellen Fensterrahmen deuten aber ebenso die lichte Stimmung des Inneren an. Dort ist die Konstruktion dank vieler holzsichtiger Elemente gut ablesbar. Darüber hinaus führt im Erdgeschoss ein rustikaler Tonziegelboden die Scheunenmetapher weiter aus. Auch an einen alten Stall mag man sich im positiven Sinne erinnert fühlen. (sb)
Fotos: Volker Conradus
- Fertigstellung:
- 2024
- Architekur + Entwicklung:
- Nidus
Es hat Charme und der durchgängige Außen-Innen-Boden erinnert mich ein wenig an 1970er Architektur, hier mit zeitgemäßem Wohnen modern umgesetzt. Ob es dann in der Alltagsgebräuchlichkeit den Bauherren irgendwann nicht mehr gefällt, ist Geschmacksfrage und hängt vom Lebensstil ab. Mir gefallen Fensteraufteilung und Materialien der Fassade, Türläden und Farbgebung in der Außenhülle, die Proportionen der zwei Häuser mit unterschiedlicher Dachkubatur und Außenraumgestaltung. Die klassischen Grundrisse mit der sichtbaren Holzstruktur im Innern, mit feinen Details der Einbauten runden es ab, überbrücken die Härte des Bodenbelags im EG. Solche andersartigen Doppelhäuser trotz der normalen Wohnform, die nicht aufdringlich und marktschreierisch sind, zeigen gerade die architektonische Begabung für das alltägliche und räumliches Verständnis für die Umgebung.
ansonsten mag ich das duo wirklich sehr.
@Hausfrau: So ein Quatsch mit dem Windfang, das ist doch kein Einkaufszentrum. Es soll auch Wohnungen ohne Lobby geben. Man darf auch ruhig jenseits der Norm denken. @AuchArchitekt: Ihre Aussage ist falsch. Sie erwähnen Kreislauffähigkeit, das Holz hat aber, auch wenn es durch Verleimung weniger Kreislauffähig ist, nachhaltig wegen der guten Ökobilanz. Dh. Holz emmitiert vieeeel weniger Co2 als konventionelle Alternativen, auch wenn man es für alle Zeiten verklebt. Und sowieso, die Kreislaufbilanzen beziehen sich auf die ganz ferne Zukunft und ist eher weniger relevant. Weil: Nachhaltigkeit muss im Jetzt passieren. Ich finde es spitze das diese beiden Architektinnen aus Düsseldorf so ein gutes Gebäude-Ensemble erstellt haben und gratuliere Ihnen dazu.
HAUSFRAU.... da ist wenig "nachhaltig" nur weils nach Holz aussieht. Verleimte Träger und Stützen, verklebte Möbel, aussen beschichtete oder imprögnierte Latten.... also JA NICHT recyceln oder gar verbrennen, das ist chemie in Holzoptik