Haus mit Hut
Einfamilienhaus in Tirol von ao architekten
Ein bisschen wirkt es, als ob die Architekten unbedingt einen formalen Clou gesucht hätten, denn das Dach von Haus Welser in Tirol ist zweifelsfrei auffällig. Die Architekten setzten auf den Kontrast von Sichtbeton und Holz, wobei Kontrast fast schon untertrieben ist, denn das massive Dach aus Weißtanne liegt beinahe comichaft überzeichnet wie ein Hut mit überbreiter Krempe auf den Wänden aus Sichtbeton auf. Halb in einen Hang eingefügt, zeigt sich das von ao architekten (Innsbruck) entworfene Haus in der österreichischen Gemeinde Mutters irgendwo zwischen schickem Pavillon und zweigeschossigem Einfamilienhaus.
Überzeugend ist die Grundrissorganisation der beiden Geschosse. Immerhin mussten vier Kinderzimmer untergebracht werden, die alle im Sockelgeschoss des Hauses liegen. Wie so oft bei zeitgenössischen Einfamilienhäusern, sind auch hier die Kinderzimmer nicht viel größer als in einem besseren Sozialwohnungsbau. Es bleibt wohl das Geheimnis von Bauherren und Architekten, warum Kindern selbst in einer mittelgroßen Villa wie hier nur kompakte „Wohnzellen“ zugestanden bekommen. Doch die Anordnung der vier Zimmer stimmt, denn diese sind um eine großzügige Diele gruppiert, die als Spiel- und Aufenthaltsraum genutzt werden kann.
Weiträumig wird es dann im oberen Geschoss, wo das elterliche Schlafzimmer, der Koch- und Essbereich sowie das Wohnzimmer mit offenem Kamin liegen. Eine umlaufende Terrasse rahmt den Wohnbereich im Westen und Süden. Ein nach Süden orientierter, der Küche zugeordneter Außensitzplatz ist in den Baukörper geradezu eingeschnitten und bringt zusätzlich Licht ins Haus.
Am überzeugendsten ist aber vielleicht die Materialisierung im Inneren, vor allem der wohnlich wirkende, grobporige und geschliffene Sichtbeton, der mit gediegenem Eichenholz und tiefschwarz lackiertem Stahl kombiniert wurde. Was außen wie ein Hut dominiert, zeigt sich im Inneren als Deckenuntersicht aus Holzlatten. Das sieht ein wenig nach Siebzigerjahren aus und ist sicherlich nicht jedermanns Sache, aber in architektonischer Hinsicht natürlich konsequent. (gh)
Fotos: Günter Richard Wett
Tolle Räume, Atmosphären und Materialien, die in Würde altern können.
Unverständlich ist leider der eher negative touch im Artikel des Baunetzpraktikanten.
Oder wars doch ein Kollege, womöglich?
Nein, oder...?
Wer ein Einfamilienhaus geplant hat, sollte es besser nicht im baunetz veröffentlichen, da kann man nur verlieren.
Der Entwurf weist eine hohe Eigenständigkeit auf, schöne Materialien, und auch formal bleibt das Haus trotz des "Hutes" unaufgeregt. Der Grundriss ist gut, die Zimmer sind auch nicht wirklich zu klein.
Schade auch, dass nicht darauf eingegangen wird, ob dieser Hut denn noch irgendeinen Zweck erfüllt, oder tatsächlich nur eine formale Geste ist. Dann wäre die Kritik wohl angebracht.
Wenn das Holz vergraut, tritt der Hut optisch zurück und das Haus wird mit Patina immer schöner. Die geschützten und behüteten Bereiche sind toll.
Klar, die Latten und das Dach sind Geschmackssache, aber die mittelgrosse Villa? Das Haus sieht auf den Grundrissen nicht viel grösser aus als andere Einfamilienhäuser (vor allem wenn man bedenkt, dass hier doch 6 Menschen wohnen) und die Schlafzimmer im EG mit geschätzten 16-20qm nicht besonders klein...
Man wünscht sich hier auf baunetz einmal mehr eine etwas objektivere Berichterstattung.
Im Übrigen: Auch mir ist der Kontrast aus Haus und "Hut" etwas zu krass - aber der Grundriss ist wunderschön: Toll, was da für Räume zwischen den Kammern entstehen!