15 Jahre nach dem Terror
Erste Bauten im neuen Regierungsviertel Oslos
15 Jahre nach dem Terror
Erste Bauten im neuen Regierungsviertel Oslos
Am 22. Juli 2011 wurde Norwegen durch die Anschläge eines Rechtsradikalen erschüttert. Auf der Insel Utøya tötete er 69 Menschen. Bei der Explosion einer Autobombe vor dem Regierungsviertel in Oslo starben acht Menschen. Mehrere Bauten wurden schwer beschädigt und später abgerissen. Kürzlich wurde der erste Abschnitt der Neubauplanungen abgeschlossen.
Lange wurde in Norwegen darüber gestritten, wie man mit den teilweise schwer beschädigten Gebäude umgehen sollte. Schließlich entschied man, mehrere Gebäude abzureißen. Eine markante Hochhausscheibe wurde erhalten, ebenso das älteste Regierungsgebäude aus dem Jahr 1905, in dem heute das Finanzministerium untergebracht ist.
Den mehrstufigen Wettbewerb zur Neugestaltung des Regierungsviertels gewann 2017 ein Team um Nordic Office of Architecture (Oslo) mit Haptic Architects (London), den Ingenieur*innen von Rambøll (Oslo), den Landschaftsplaner*innen von SLA (Kopenhagen) undden Osloer Büros Bjørbekk & Lindheim, Scenario und i-d Interiørarkitektur.
Den mehrstufigen Wettbewerb zur Neugestaltung des Regierungsviertels gewann 2017 ein Team um Nordic Office of Architecture (Oslo) mit Haptic Architects (London), den Ingenieur*innen von Rambøll (Oslo), den Landschaftsplaner*innen von SLA (Kopenhagen) undden Osloer Büros Bjørbekk & Lindheim, Scenario und i-d Interiørarkitektur.
Ihren Entwurf beschreiben Nordic als „offene, aber sichere“ Landschaft, mit der Norwegens Regierung in Oslo verankert wird. Zwei Alt- und fünf Neubauten in zwei Reihen lassen ein Geflecht von Zwischenräumen entstehen, die das neue Regierungsviertel besser mit den Altstadtquartieren Oslos verbinden. Leitbild sei ein kompakter, innerstädtischer Regierungs-Campus mit Fuß- und Radwegen und möglichst unsichtbaren Sicherheitsvorkehrungen.
Der nun fertig gestellte erste Bauabschnitt umfasst die Sanierung des Hochhauses H-Blokken von 1958 und des Finanzministeriums im G-Blokken von 1905 sowie die Neubauten A-Blokken und D-Blokken an der Grubbegata. Das heterogene Ensemble soll verschiedene Phasen der norwegischen Demokratie symbolisieren, die am neu gestalteten Platz zusammen finden. Die aktuelle Planung sieht vor, in einem zweiten Bauabschnitt bis 2030 die Neubauten B-, C- und E-Blokken zu realisieren.
Der nun fertig gestellte erste Bauabschnitt umfasst die Sanierung des Hochhauses H-Blokken von 1958 und des Finanzministeriums im G-Blokken von 1905 sowie die Neubauten A-Blokken und D-Blokken an der Grubbegata. Das heterogene Ensemble soll verschiedene Phasen der norwegischen Demokratie symbolisieren, die am neu gestalteten Platz zusammen finden. Die aktuelle Planung sieht vor, in einem zweiten Bauabschnitt bis 2030 die Neubauten B-, C- und E-Blokken zu realisieren.
A-Blokken umfasst etwa 17.300 Quadratmeter Fläche auf elf Etagen. In den beiden unteren Etagen liegen öffentliche Bereiche sowie Seminar- und Konferenzräume, in den Obergeschossen sind die Ministerien für Wirtschaft und Fischerei sowie für Klima und Umwelt eingezogen. Das Baumaterial stammt fast ausschließlich aus Norwegen. Der silbrig-blaue Naturstein Narvikit an der Fassade wird bei Larvik abgebaut. Das Fichten- und Kiefernholz der Einbauten und Möbel kommt aus Nordmarka, einer Waldregion bei Oslo. Die doppelt gebogenen Holzverkleidungen in den Treppenhäusern wurden mithilfe der norwegischen Bootsbauindustrie verwirklicht.
Die Gebäude im Regierungsviertel sind unterirdisch miteinander verbunden. Im A-Blokken liegt zum Platz hin ein Haupteingang für die Mitarbeitenden. Er hat ein spektakuläres Foyer bekommen, das sich bis unters Dach vor einer schräg gestellten Wand öffnet. Auf dieser wird das über 50 Meter hohe Kunstwerk „AAhkA (Mother Earth)“ der samischen Künstlerin Outi Pieski gezeigt. Abends leuchtet es hinter der Glasfassade.
Ein delikates Thema war der Umgang mit der Kunst am Bau. Der abgerissene Y-Blokken, an dessen Stelle nun der A-Blokken steht, war ein fünfgeschossiges Gebäude von 1969 über Y-förmigem Grundriss mit sanft geschwungenen Fassaden. Der Entwurf stammte ebenso wie der Høyblokken von Erling Viksjø (1910–71). Nicht wenige hielten das Zusammenspiel von Hochhausscheibe und Y-förmigem Flachbau für ein Schlüsselwerk der norwegischen Nachkriegsmoderne.
Die Gebäude im Regierungsviertel sind unterirdisch miteinander verbunden. Im A-Blokken liegt zum Platz hin ein Haupteingang für die Mitarbeitenden. Er hat ein spektakuläres Foyer bekommen, das sich bis unters Dach vor einer schräg gestellten Wand öffnet. Auf dieser wird das über 50 Meter hohe Kunstwerk „AAhkA (Mother Earth)“ der samischen Künstlerin Outi Pieski gezeigt. Abends leuchtet es hinter der Glasfassade.
Ein delikates Thema war der Umgang mit der Kunst am Bau. Der abgerissene Y-Blokken, an dessen Stelle nun der A-Blokken steht, war ein fünfgeschossiges Gebäude von 1969 über Y-förmigem Grundriss mit sanft geschwungenen Fassaden. Der Entwurf stammte ebenso wie der Høyblokken von Erling Viksjø (1910–71). Nicht wenige hielten das Zusammenspiel von Hochhausscheibe und Y-förmigem Flachbau für ein Schlüsselwerk der norwegischen Nachkriegsmoderne.
Für den Y-Blokken hatten Viksjø und sein Team eine spezielle Betoniertechnik entwickelt – den „Naturbetong“. Mit den Möglichkeiten dieses Spezialbetons hatte Viksjø seinerzeit Pablo Picasso begeistern können, der dem Regierungsviertel fünf Wandbilder pro bono spendierte. Drei davon finden sich im Hochhaus, zwei waren im und am Y-Blokken zu sehen. „The Seagull“ befand sich an einer Wand der Lobby, das gewaltige „The Fishermen“ an der Stirnseite überblickte den Straßenraum.
Nach stürmischen Protesten wurden die beiden Picassos aufwändig ausgebaut und eingelagert. Jetzt sind sie Teil des Neubaus. „The Seagull“ ziert das Foyer, während „The Fishermen“ einen Platz an der Südwestfassade über einem der Eingänge erhalten hat. Dort wurde das Wandbild nicht bündig in, sondern mit etwas Abstand vor der neuen Fassade montiert, um auf die Geschichte seiner Translokation hinzuweisen. Die Spuren des Bombenanschlags von 2011 sind auf allen Kunstwerken nicht ausgebessert worden.
Nach stürmischen Protesten wurden die beiden Picassos aufwändig ausgebaut und eingelagert. Jetzt sind sie Teil des Neubaus. „The Seagull“ ziert das Foyer, während „The Fishermen“ einen Platz an der Südwestfassade über einem der Eingänge erhalten hat. Dort wurde das Wandbild nicht bündig in, sondern mit etwas Abstand vor der neuen Fassade montiert, um auf die Geschichte seiner Translokation hinzuweisen. Die Spuren des Bombenanschlags von 2011 sind auf allen Kunstwerken nicht ausgebessert worden.
Bautafel
- Fertigstellung:
- Februar 2026
- Architektur:
- Nordic Office of Architecture mit Haptic Architects
- Gestaltungskonsortium:
- Nordic Office of Architecture (Lead) mit COWI, Rambøll, Aas-Jakobsen und Asplan Viak
- Urban Design:
- Nordic Office of Architecture mit Aas-Jakobsen und Asplan Viak
- Landschaftsarchitektur:
- Bjørbekk & Lindheim und SLA
- Innenarchitektur:
- Scenario mit I-d Interiørarkitektur & design
- Tragwerk und Gebäudetechnik:
- COWI, Rambøll, Aas-Jakobsen und Asplan Viak
- Denkmalpflege:
- NIKU, Scenario und Per Rasmussen
- Bauherrschaft:
- Statsbygg
- Baukosten:
- 2.000.000.000 € Nettobaukosten
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