Neuer Raum für die Molitorgasse
Erweiterung einer Grundschule in Wien von Veit Aschenbrenner
Moderne, großzügige Schulen mit viel Grün rundherum sind eine wunderbare Sache. Doch bei älteren Bestandsbauten im innerstädtischen Kontext sieht die Situation meist ganz anders aus. So auch bei der Volksschule Molitorgasse in Wien-Simmering. Der historistische Bau aus dem Jahr 1888 von Johann Schneider und Anton Heindl ist hübsch anzusehen, in erster Linie aber eine pädagogische und architektonische Herausforderung.
Pädagogisch überholte Grundrisse, Platzmangel und wenig Freiraum charakterisierten die Schule. Deshalb wurde Anfang der 1990er Jahre eine Baracke in den Schulhof seitlich des Altbaus gestellt. 2014 erweiterten Maurer & Partner (Wien) den Bestand um einen kurzen Trakt mit Unterrichtsräumen.
Nachdem sich Veit Aschenbrenner Architekten dem Gebäude angenommen haben, hat sich die Situation ein gutes Stück weit geklärt. Im November konnte das Wiener Büro die denkmalgerechte Sanierung und Erweiterung des Hauses abschließen. Die Grundrissorganisation der Klassenräume blieb im Großen und Ganzen zwar bestehen, doch das Schulgebäude hat trotzdem mehr Raum und ist nun fit, um als Offene Volksschule (OVS) genutzt zu werden. Unter diesem Begriff fasst die Stadt Wien ihre Grundschulen mit Ganztagsbetreuung zusammen, die zwar nicht verpflichtend ist, aber von vielen Eltern sehr gerne in Anspruch genommen wird.
Die auffälligsten Eingriffe fanden im Schulhof statt. Hier realisierten die Architekt*innen einen Flachbau, der als barrierefreier Haupteingang fungiert und einen Garderobenbereich sowie den Bewegungsraum (mit Bodenniveau im Untergeschoss) umfasst. Vor dem Umbau war der Bewegungsraum im rechten Flügel des Bestands untergebracht gewesen – dort, wo nun eine Mensa zu finden ist, ohne die eine Ganztagsschule nicht funktioniert. Auf dem Flachbau liegt ein Teil des Pausenhofs. Ein weiterer Clou im Hof sind die großzügigen Loggias mit Rankgerüsten, die Veit Aschenbrenner an die Rückseite des Bestands setzten. Durch Erweiterung und Neuorganisation des Bestandes wurde außerdem genügend Raum geschaffen, so dass die kleine Baracke rückgebaut werden konnte und an ihrer Stelle ein Spielplatz entstand.
Brandschutztechnisch interessant ist das Haupttreppenhaus. Um auf sonst notwendige Abtrennung verzichten zu können, wurde eine Druckbelüftungsanlage eingebaut, die sich im Brandfall automatisch aktiviert und eine Verrauchung des Treppenhauses verhindert. Dies ermögliche nun auch Integrationsklassen im Haus, schreiben die Architekt*innen, schaffe also nicht nur ein besseres Raumgefühl – sondern auch einen sozialen Mehrwert, von dem die gesamte Schulgemeinschaft profitiert. (gh)
- Fertigstellung:
- November 2025
- Architektur:
- Veit Aschenbrenner Architekten
- Ausführung:
- Handler Bau
- Statik:
- Fröhlich & Locher und Partner
- Bauphysik:
- iC consulenten
- Brandschutz:
- B-LAB
- Bauherrschaft:
- WIP Wiener Infrastruktur Projekt GmbH
- Fläche:
- 3.929 m² Bruttogrundfläche
- Auszeichnungen:
- gebaut 2025 (Stadt Wien)




