Burger in Batumi
Fast-Food-Restaurant und Tankstelle in Georgien
Immer wieder erreichen uns Beispiele ambitioniert innovativer Architektur aus dem kleinen Kaukasus-Republik Georgien. Waren es bisher jedoch vor allem Projekte, die aus der Feder westlicher, bereits arrivierter Büros stammen, sind es nun vermehrt auch kleine georgische Büros, die mit spektakulären Projekten zu punkten versuchen.
Ein Beispiel dafür steht in der Schwarzmeer-Stadt Batumi. Hier hat das Büro Khmaladze Architects aus Tiflis eine Tankstelle mit angeschlossenem McDonald's-Restaurant realisieren können.
Die Architekten beschreiben ihren Entwurf als Versuch, zwei unterschiedliche Funktionen auf möglichst wenig bebautem Raum zu kombinieren und gleichzeitig weitestgehend autark voneinander funktionieren zu lassen.
Während sich der Tankstellenbereich mit seiner großflächigen, von einer Wand- in eine Dachstruktur übergehenden Konstruktion zur Straße hin öffnet, befindet sich auf der Rückseite die verglaste Fassade der McDonald's-Filiale. Auf mehreren Ebenen, um einen Funktionskern herum, sind hier Sitz- und Essbereiche verteilt, die den Besucher bis in die obere Etage geleiten, wo der Weg in einer halbrunden Terrasse kulminiert. Von den außenliegenden Sitzbereichen geht hier der Blick auf die ansteigende, begrünte Oberseite des Tankstellendaches oder direkt in den Himmel.
Lesen Sie zur Architetur in Georgien auch unsere BauNetzWOCHE#295: Georgische Träume
Hier wurde Architektur gemacht für eine Aufgabe, bei der hierzulande niemand an Architektur zu denken wagen würde. Ich kann mich an keine halbwegs ansehnliche Tankstelle erinnern, die in letzter Zeit in Deutschland entstanden wäre.
Man kann hier siche über Angemessenheit streiten und so weiter, aber hier ist ein echter gestalterischer Wille an einem Zweckbau zu erkennen, den wir in unserem weitaus reicheren Mitteleuropa längst für unmöglich halten. Bei uns erscheint ein Denkmalschutz-Fotobuch, z.B. über Tankstellen, nach dem anderen, aber heute gebaute Tankstellen sehen fett und klobig und nichtssagend aus.
Wir leben in dieser Hinsicht in der Vergangenheit, Georgien lebt im Jetzt und schaut in die Zukunft. Wir sehen vor allem Bedenken, sie machen.
Ich wünsche mir, dass wir endlich aufwachen und nicht nur jammern, sondern als Architekten unsere Umwelt aktiv gestalten - so wie z.B. in Batumi.
Aber mal ehrlich wie cool ist das den. Was die Funktion angeht werden hier doch die Vorstellungen der 40er/60er Jahre aufgenommen: Alles für die Automobile Stadt zu bauen. Diesmal das ganze aber in einem Future-Style. Da frag ich mich doch: Kommt das wieder? Und: Wer braucht dann noch Tankstellen?
Aber egal. Für die Gegenwart ist das ganze erstmal ein cooles Statement!