Stampflehm für die Windkraft
Firmenerweiterung in Ernstbrunn von juri troy architects
Windräder sind hässlich? In Ernstbrunn, etwa 40 Kilometer nördlich von Wien, sieht man das jedenfalls anders. Die dortige Adresse der Windkraft Simonsfeld AG lautet dementsprechend programmatisch Energiewendeplatz 1. Die Gesellschaft zählt zu den größten Windstromproduzenten Österreichs und erzeugt jährlich eine Strommenge, die dem Jahresverbrauch von etwa 185.000 Haushalten entspricht. In den letzten Jahren wuchs die Gesellschaft erheblich. Mittlerweile arbeiten hier rund 140 Menschen. Mehr Platz musste her. 2022 lobte der Konzern daher einen Wettbewerb für die Erweiterung der Firmenzentrale aus, den das Wiener Büro juri troy architects für sich entschied.
Der bestehende Sitz wurde erst 2014 nach Plänen des Wiener Architekturbüros Reinberg fertiggestellt. Die zwei Baukörper – eine mit Holz verkleidete Lagerhalle und ein Bürotrakt mit charakteristisch gewölbter, verglaster Südseite – stießen nun an ihre Kapazitätsgrenzen. Der Neubau verdichtet das Ensemble mit einem zweigeschossigen, U-förmigen Volumen, das an den Bestand anschließt und einen Innenhof rahmt. Sitzgelegenheiten und Pflanzen sollen hier Begegnungen fördern. Im an drei Seiten zurückgesetzten Erdgeschoss befinden sich neben dem Empfang auch Besprechungsräume, eine Mensa und ein Veranstaltungsraum. Das Obergeschoss beherbergt weitere Büros, die sich entlang der östlichen und westlichen Fassaden aufreihen. Südlich gibt es noch eine breite Loggia.
Konstruktiv ist das Gebäude als Holzskelett mit Brettsperrholzdecken ausgeführt, rund 590 Kubikmeter des Materials wurden verbaut. Die offene, flexible Struktur erlaube zukünftige Anpassungen, so die Architekt*innen. Ein massiver Stampflehmkern mit Bauteilaktivierung nimmt die Erschließung und Servicebereiche auf. Der Neubau weise in der Errichtungsphase bereits eine positive CO2-Bilanz auf, schreiben juri troy. Zudem wurde er mit dem Klimaaktiv-Gold-Standard der österreichischen Bundesinitiative klimaaktiv zertifiziert. Für eine Bruttogrundfläche von knapp 2.100 Quadratmetern investierte das Unternehmen rund 10 Millionen Euro. (gk)
Fotos: Patrick Johannsen
- Fläche:
- 2.100 m²
- Baukosten:
- 10.000.000 €
Mehr Fachwissen zum Baustoff Lehm gibt es im Themenportal „Nachhaltig Bauen“ bei BauNetz Wissen.
vorsichtig Spekulation: - mein heißer Tipp, jedes Teil ringsum in Opferbrettchen einkleiden. Man meint fasst auf einigen Fotos die Stoßfugen zu erkennen
Hier nicht der Fall da das Holzskelett nicht verkleidet ist oder durch Dachüberstände (60° Linie) geschützt ist. Die geforderten DIN Eindringtiefen von chemischem Holzschutz sind im gängigen Fichte BSH z.B. technisch nicht realisierbar. Mich würde als ernsthaft interessieren, wie bei diesem Projekt das sichtbare BSH-Tragwerk im Freien technisch einwandfrei und vor allem nachhaltig ausgeführt werden konnte.
Vom schwarzen Rauchmelder bis zum "Lüftungsblech" aus Holzlamellen durchgedacht und auch umgesetzt. Ich bin etwas neidisch, dass unser Büro selten bis nie Bauherren betreuen kann, die die finanziellen Mittel für diesen Materialmix aufbringen können und auch wollen. Andererorts scheitert es meist schon am Standard 9010er Lichtschalter aus dem Baumarkt. Also chapeau an die Bauherren und die Planer!
Schade...