Aus informell wird formell
Gemeinschaftszentrum bei Kapstadt von Urban Think Tank Empower
Südafrika erlebt eine Wohnungskrise. Laut Amnesty International leben mehr als fünf Millionen Südafrikaner*innen in informellen Siedlungen. Oft entstehen diese innerhalb oder neben Townships – während der Apartheid angelegte und bis heute von staatlicher Seite größtenteils vernachlässigte Wohngebiete. Das 2025 fertiggestellte Soweto-Caracas Community Center (SCC) zeigt, wie durch gezielte bauliche Eingriffe soziale Infrastruktur in eben jenen benachteiligten Stadtquartieren entstehen kann.
Das Gebäude im Township Khayelitsha bei Kapstadt ist Teil der Maßnahme Empower Soweto Community Upgrade, eines knapp 5.000 Quadratmeter großen Pilotprojekts. Das internationale und interdisziplinäre Büro Urban-Think Tank (New York/Kapstadt) entwickelte dafür das sogenannte Empower Upgrade Model. Seit 2022 arbeitet UTT’s Non-Profit Ableger Urban Think Tank Empower (Kapstadt) in Zusammenarbeit mit der Stadt Kapstadt in 14 Quartieren an der Umsetzung dieses Modells, das Wohnhäuser, Gemeindezentren und dazugehörige öffentliche Plätze umfasst.
Voraussetzung für das Projekt war eine grundlegende Neuordnung des Areals. Zuvor lebten hier 72 Familien in informell errichteten Hütten. Durch eine Neubebauung mit zweigeschossigen Reihenhäusern konnte man mehr Raum auf weniger Grundfläche organisieren. So entstand im Zentrum ein öffentlicher Platz, gestaltet von OKRA Landscape Architects (Utrecht), während am östlichen Rand des Quartiers ein Bauplatz für das Gemeindezentrum freigemacht werden konnte.
Das Zentrum über 510 Quadratmeter Fläche präsentiert sich als farbenfroher, dreigeschossiger Baukörper und öffnet sich im Erdgeschoss mit breiten Schiebetüren zum Platz. Herzstück ist eine multifunktionale Halle, die sich über zwei Geschosse erstreckt und für Sport, Versammlungen und Veranstaltungen genutzt wird. Die Nebenräume – öffentliche Sanitäranlagen, Erschließung, Büros, Küche und eine Krippe – liegen kompakt im rückwärtigen Bereich.
Über eine außenliegende Treppe mit integrierten Sitzstufen sind die oberen Etagen erreichbar. Auf dem Dach befindet sich ein mit Polycarbonat verkleidetes Gewächshaus. Die Aqua- und Hydroponik-Farm dient der lokalen Lebensmittelversorgung, schafft Arbeitsplätze und trägt über den Verkauf der Erzeugnisse zur Finanzierung des Zentrums bei. Baulich hebt sich das leichte, transluzente Volumen mit seinem roten Stahlskelett vom massiveren Sockel ab, dessen sichtbares Betonskelett mit gelb gestrichenen Betonhohlsteinen ausgefacht ist.
Angesichts einer unzuverlässigen kommunalen Infrastruktur funktioniert das Zentrum autark, erklären UTTE. Photovoltaik-Paneele und Batteriespeicher mit einer Kapazität von bis zu drei Tagen sichern die Energieversorgung. Ergänzt wird das Konzept durch passive Heiz- und Kühlsysteme sowie ein geschlossenes Grauwassersystem. Verwendet wurden robuste, wartungsarme Materialien aus der Region. Sämtliche Baustoffe stammen laut Planungsteam aus einem Umkreis von zehn Kilometern. Sowohl das Zentrum als auch die Reihenhäuser wurden zu 50 Prozent mit Arbeitskräften aus der direkten Nachbarschaft realisiert, die das ortsansässige Bauunternehmen Bambana schulte.
Der Planungsprozess war von Beginn an partizipativ angelegt. UTTE betont, dass sie Raumprogramm sowie Fragen nach Layout, Oberflächen und Farbkonzepten gemeinsam mit Mitgliedern der Gemeinde entschieden haben. Zudem wurden im Zuge der Neubebauung Eigentumsurkunden an die Bewohner*innen der Reihenhäuser vergeben. Finanziert wurde das Pilotprojekt durch eine Mischung aus staatlichen Subventionen, Spenden und Eigenleistung der Community. UTTE gibt die Kosten des Gemeindezentrums mit 580.000 Euro an, die Reihenhäuser mit rund 2,6 Millionen.
Das Konzept scheint gut angenommen zu werden. Nur ein paar hundert Meter entfernt wird bereits ein weiteres Areal nach demselben Ansatz transformiert.
Text: Ella Einicke
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- Urban-Think Tank Group and Urban Think Tank Empower
- Konzept Design:
- Khristian Ceballos Ugarte
- Landschaftsarchitektur:
- OKRA Landscape Architects
- Community Partner:
- Ikhayalami, Sikhona Nathi
- Städtebau:
- Urban Dynamics
- Urban Farming:
- LUFN & Aztec Agri Systems
- Bauunternehmen:
- Bambana Management Consulting
- Bauherrschaft:
- Stadt Kapstadt
- Fläche:
- 510 m² Nutzfläche
- Baukosten:
- 580.000 € Gesamtkosten



