Hackschnitzel für Bad Aibling
Heizwerk von ensømble studio architektur
Auf dem ehemaligen Kasernengelände der US-Armee in Bad Aibling entwickelt die B&O Gruppe seit vielen Jahren ein Quartier, das sich als Experimentierfeld für ressourcenschonendes Bauen versteht. Mit dem neuen Heizwerk erhält das B&O Bau ForschungsQuartier einen Infrastrukturbau, der den gestalterischen Anspruch weiter fortsetzt. Das von ensømble studio architektur aus Berlin entworfene Gebäude versorgt die umliegenden Wohn- und Forschungsbauten über eine Hackschnitzelheizanlage mit Wärme und steht neben dem ehemaligen Heizwerk aus der Zeit der militärischen Nutzung.
B&O kaufte das parkähnliche Areal 2005. Seitdem ist einiges passiert. Zu den bekanntesten Projekten des Quartiers zählen die Forschungshäuser von Florian Nagler Architekten. Als bauliches Labor des Forschungsprojekts „Einfach Bauen“ erlangten sie internationale Aufmerksamkeit. Ganz in der Nähe ergänzte das Büro inzwischen noch einen Wohnriegel aus Holz für die Wogeno. Auch andere Bauten knüpfen an die Erkenntnisse des engagierten Planens und Bauens an – etwa eine kleine Hotelsuite oder ein Parkhaus ganz aus Holz.
Als Bauherrschaft des neuen Heizwerks tritt die B&O Parkgelände GmBH auf. Der Bau ergänzt die 2011 fertiggestellte Heizikone von Matteo Thun, die als erstes Biomasseheizwerk des Quartiers bis heute das Nahwärmenetz mitversorgt. Thun lieferte auch das städtebauliche Gesamtkonzept für das Areal. Während seine kapellenartige Heizikone zwischen den Wohngebäuden im Norden der Anlage steht, markiert der Neubau von ensømble als markantes Gebäude an der Quartierseinfahrt den Auftakt zum B&O Bau ForschungsQuartier.
Im Gegensatz zur deutlich kleineren Heizikone trägt der Neubau den nüchternen Namen B&O Heizwerk. An gestalterischer Eigenständigkeit mangelt es ihm jedoch nicht. Das Rot der Holzfassade verweist sowohl auf das historische Heizwerk nebenan als auch auf das Feuer im Inneren, wo eine Biomasseanlage mit einer Leistung von 1.100 Kilowatt Holzhackschnitzel als Brennstoff nutzt. Die Dachform wirkt außergewöhnlich, folgt jedoch tatsächlich der Funktion des Gebäudes. Das asymmetrische Giebeldach nimmt die Höhe des darunterliegenden Pufferspeichers auf. Die flach geneigte Dachfläche orientiere sich am Materialfluss, so die Architekt*innen.
Trotz seiner Nutzung besteht das Heizwerk überwiegend aus Holz, der Hallenbau wurde aus Nadelholz, die Fachwerkbinder aus Brettschichtholz gefertigt. Lediglich Bodenplatte und Brennstoffbunker wurden in Stahlbeton ausgeführt. Vier Brettschichtholz-Fachwerkbinder mit 16 Metern Weite überspannen die stützenfreie Halle. So entstand ein flexibel nutzbarer Innenraum, der spätere Anpassungen der Anlagentechnik oder auch andere Nutzungen ermöglicht.
Den ressourcenschonenden Anspruch des Quartiers setzen die Architekt*innen vor allem in Form der Wiederverwendung fort. Bei der Entsiegelung des Geländes geborgene Natursteinbrocken wurden zu einem drei Meter hohen Bruchsteinsockel verarbeitet. Die großen Tore erhielten zudem eine Bekleidung aus wiederverwendeten Kupferregenrinnen. Auch die bestehende Betonmauer an der Grundstücksgrenze blieb erhalten. Auf halbe Höhe zurückgebaut, fasst sie heute den Raum zwischen historischem Heizwerk, Neubau und Straße.
Die Architekt*innen verschweigen den Mehraufwand nicht: Re-Use spare zwar Materialkosten, erhöhe jedoch die Arbeitskosten. Das Heizwerk verstehen sie deshalb insbesondere als Praxisversuch für das Bauen mit wiederverwendeten Bauteilen. Das Gebäude entstand gemeinsam mit lokalen Handwerksbetrieben innerhalb von 24 Monaten.
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- ensømble studio architektur
- Team:
- Amandus Samsøe Sattler, Mikala Holme Samsøe, Andrada Reeb
- Tragwerksplanung:
- Shortlist Ingenieur:innen
- Bauleitung:
- B&O Bau
- Bauherrschaft:
- B&O Parkgelände
- Fläche:
- 375 m² Bruttogrundfläche
In der BauNetz WOCHE #584 geht es neben weiteren Projekten auch um die drei ersten Forschungshäuser in Bad Aibling. Über die zweite Generation der Forschungshäuser berichten wir in Kürze. Haus 4 wurde 2024, Haus 5 2026 fertiggestellt.
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