Kaufhausumbau in Hannover
Herzog & de Meuron planen neue Fassade
Was tun mit dem Leerstand im Einzelhandel? Aus Hannover kommt dieser Tage eine Botschaft, die Hoffnung machen dürfte. Das einstige Horten- und spätere Kaufhof-Gebäude zwischen Oster-, Seilwinder- und Schmiedestraße bleibt erhalten. Bis Ende 2027 soll es für gemischte Nutzungen umgebaut sein. Der Entwurf für die neue Fassade stammt von Herzog & de Meuron Basel (Berlin/München).
Noch 2023 wollte die Signa-Gruppe den Kaufhausklopper aus den 1970er Jahren für kleinteilige Neubauten abreißen, doch mit ihrer Insolvenz wurde dieser verkauft. Der aktuelle Eigentümer Oliver Blume und seine THE BOX Projektentwicklungsgesellschaft wollen ihn nun zu einer Berufsschule, Laden- und Gastronomieflächen, einer Sporthalle und Wohnungen umbauen. Als Testballon dürfte die von der Stadt und der Hochschule Hannover organisierte „Auhof“-Zwischennutzung geholfen haben.
Damit sich die hermetische Eiermann-Vorhangfassade samt der bekannten Horten-Kacheln künftig ansprechend zur Stadt hin öffnet, ließen die Eigentümer eine Mehrfachbeauftragung mit sechs eingeladenen Architekturbüros durchführen. Das Gremium unter Vorsitz von Tatjana Sabljo empfahl einstimmig, den erstplatzierten Vorschlag von Herzog & de Meuron Basel zu realisieren. Das Ergebnis im Überblick:
- 1. Preis: Herzog & de Meuron Basel (Berlin/München)
- 2. Preis: CBA | Christian Bergmann Architecture (Hamburg)
- 3. Preis: GRAFT (Berlin)
Mit einem „Klinkerkleid“ aus rötlichen Riemchen beziehen sich Herzog & de Meuron auf die Backsteintradition der Stadt. Die Zweiteilung zwischen Hortenfassade und traditionellem Ziegelwalmdach wollen sie in eine Gesamtform überführen und die Blockhaftigkeit mit plastischen Akzenten auflösen. Ein Hof wird Tageslicht bis ins Erdgeschoss bringen, große Fassadenöffnungen und flexible Fassadenelemente den Austausch zwischen innen und außen befördern.
Ein eigener Eingang und eine Stadtloggia im ersten Obergeschoss soll die Adressbildung der Berufsbildenden Schule stärken. Auf dem Dach sind Apartments, eine Sporthalle und ein Garten geplant. Der Turm an der Osterstraße wird zur digitalen Leinwand der Kunst- und Kulturszene. Die maximal verglaste thermische Hülle optimiere den Tageslichteintrag während Überhitzung durch textile Rollos minimiert werde, heißt es von Seiten des Büros.
Das zweitplatzierte Büro Christian Bergmann Architecture schlägt eine mäandrierende Fassade aus Glas und Aluminium vor, die Innen- und Außenräume als räumliche Erweiterungen der Nutzung ablesbar machen. Pflanztröge in den Loggien sollen die Fassade begrünen. Am drittplatzierten Entwurf von GRAFT lobte die Jury die stadtbaugeschichtliche Herleitung. Das Büro bezieht sich auf das Farbspiel der Umgebung, zeigt historische Aufnahmen am Medienturm und zitiert Gedichte des Avantgardisten Kurt-Schwitters auf LED-Bändern. Die durch eine Pfosten-Riegel-Konstruktion ersetzte alte Hortenfassade bezeichnete die Jury als „sehr effektvoll“ aber auch „überzeichnet“.
Auffällig ist, dass keiner der Entwürfe eine Verwendung für die über 10.000 Horten-Kacheln präsentiert. Dennoch steht eine Idee im Raum. Sie könnten zu Möbeln weiterverarbeitet werden, heißt es in einem Beitrag des NDR, der weitere Projekte des Unternehmers Oliver Blume in Hannover vorstellt. Dieser hat den Fernsehturm gekauft und auch Pläne für das Ihme-Zentrum auf den Tisch gelegt. (fm)





weil man sagen kann "das sind die von der elbphilharmonie," oder?
das projekt macht was es will und ist wirklich nicht gut, der ursprüngliche "klopper" (wie er treffend im text genannt wird) hatte immerhin charakter und der geht jetzt flöten.