Ibrahim Rugovas Schal
Pläne für Bibliothek und Gedenkpark in Pristina
Von Niederbayern nach Kosovo: ALN | Architekturbüro Leinhäupl + Neuber aus Landshut können sich zusammen mit LSN Partner aus Pristina über den 1. Preis im internationalen Wettbewerb für ein Projekt zu Ehren des ersten Präsidenten des Kosovo, Ibrahim Rugova, freuen. Im Zentrum der kosovarischen Hauptstadt soll ein Erinnerungsort in Form einer Bibliothek, umgeben von einem großzügigen öffentlichen Park, entstehen. ALN und LSN überzeugten mit einem Entwurf, in dem der Schal, den Rugova oft trug, eine maßgebliche Rolle spielt.
Während seiner Präsidentschaft 2002 bis 2006 setzte sich Rugova, der auch Schriftsteller war, für die Unabhängigkeit Kosovos ein, das damals noch unter Verwaltung der Vereinten Nationen (UNMIK) stand. Er propagierte dabei friedliche Lösungen und den Dialog. Vielen galt er als diplomatischer Wegbereiter der 2008 gegründeten Republik. Nun möchte ihm Pristina mit der geplanten Ibrahim-Rugova-Präsidentenbibliothek ein Denkmal setzen. Der vorgesehene Standort schließt unmittelbar an den Märtyrerfriedhof im Stadtteil Velania an, auf dem Rugova beigesetzt ist.
Auf dem dreieckigen Grundstück soll unter Einbezug des Baumbestands ein öffentlicher Park angelegt werden – mit der Bibliothek als integraler Teil der Landschaft. Die beiden Architekturbüros projektieren den Baukörper als Rotunde, deren Fassade von einer spiralförmigen begehbaren Rampe gebildet wird, die Besucher*innen bis aufs Dach führt. Wie ALN erklären, ließen sie sich von Rugovas Schal inspirieren – für die Architekt*innen ein „Symbol seiner kultivierten Haltung, intellektuellen Eleganz und stillen Resistenz“. Ein weicher Faltenwurf und eine feine Perforierung der Gebäudehülle sollen eine textile Anmutung vermitteln.
Auf rund 4.300 Quadratmetern sind in dem zweigeschossigen Neubau Flächen für Ausstellungen, eine Bibliothek, Konferenzräume und ein Open-Air-Auditorium auf dem Dach geplant. Das Bild des umgelegten Schals setzt sich dabei im Gebäudeinneren fort, dessen Mittelpunkt ein lichtdurchflutetes Atrium samt Lichtkuppel bildet. Umlaufende Rampen und Balkone erschließen das Raumprogramm. Die Eingangshalle wollen die Architekt*innen als „offenes Wohnzimmer der Zivilgesellschaft“ gestalten – als Ort für Begegnung, Debatte und Orientierung.
Wie ALN mitteilen, wurden sie bereits von der Stadt mit der weiteren Planung und Realisierung des Projekts beauftragt. Ein Termin für die Fertigstellung ist derzeit noch nicht bekannt. (da)
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