Kunstpavillon für Doha
Pläne von Gerhard Richter und Selldorf Architects vorgestellt
„Gerhard Richter ist der größte deutsche Künstler der Gegenwart.“ Mit diesen Worten antwortete die katarische Prinzessin und Vorsitzende von Qatar Museums Sheikha Al Mayassa gestern auf einer Pressekonferenz in der Neuen Nationalgalerie in Berlin auf die Frage, warum sie mit ihm zusammenarbeite.
Anlass war die Vorstellung eines Projekts, das ein neues Must-See der Architektur- und Kunstwelt werden dürfte: Im Park des Museums für Islamische Kunst in Doha wird derzeit ein Pavillon nach einem Entwurf eben jenes großen Gerhard Richter gebaut. Der sechseckige Bau entsteht in Zusammenarbeit mit Selldorf Architects (New York) und soll am 20. November 2026 zur ersten Rubaiya Qatar Quadriennale eröffnen.
Als begehbares Kunstwerk auf sechseckigem Grundriss bewegt sich der Bau an der Grenze zwischen Architektur, Installation und Ausstellungsraum. Er wird Richters Arbeiten aus der Werkgruppe Strip Raum bieten. Über Spiegel sollen die großformatigen Bilder an den Wänden für Besucher*innen in immer neuen Perspektiven erscheinen. Die sechs Außenwände werden mit bedruckten Paneelen verkleidet.
Ihre Muster entstanden durch einen streng berechneten Prozess, heißt es in der Presseerklärung. Richter habe sein Gemälde Abstraktes Bild (724-4) aus dem Jahr 1990 in 8192 Streifen geteilt, diese gespiegelt und zu einem symmetrischen Muster ergänzt. Wer eine von Richters Moving-Pictures-Installationen gesehen hat, wird dies als geniale zeitgenössische Interpretation islamischer Kunst nachvollziehen können.
Eine bautechnische Herausforderung für Kunst und Farben seien freilich das Wüstenklima und die Sonneneinstrahlung in Doha, sagte Architektin Annabelle Selldorf. Sie sei zwar in Richters Wohnort Köln aufgewachsen, habe ihn aber erst später kennengelernt.
Mit dem Projekt setzt Katar eine Reihe fort, die 2008 mit dem von I.M. Pei geplanten Museum of Islamic Art begonnen hatte. Seitdem haben weitere bekannte Namen das Emirat auf der internationalen Architekturlandkarte eingeschrieben: Jean Nouvels Sandrose für das 2019 eröffnete National Museum of Qatar, OMAs Marmorregale für die Qatar National Library 2017 und jüngst auch die gewaltige Lichtdachplatte von Diller Scofidio + Renfro für das Al-Mujadilah Center und die Frauenmoschee.
Mehr ist bereits in Planung. Auf Al Maha Island planen etwa Herzog & de Meuron das Lusail Museum, und Elemental arbeiten am Art Mill Museum, für das bis 2030 eine ehemalige Getreidemühle an der Corniche samt Silos in einen Campus für moderne und zeitgenössische Kunst transformiert werden soll. UNStudio sind mit dem Kindermuseum Dadu beauftragt, während OMA am Qatar Auto Museum in einem ehemaligen Ausstellungskomplex arbeiten.
Kritische Fragen pariert Sheikha Al Mayassa souverän: Menschen seien Katars wichtigste Investition. Kunst und Kultur eine Möglichkeit, sie live zusammenzubringen. Mit Ausstellungen wolle Qatar Museums keine Events veranstalten, sondern Anlässe zum Wissensaustausch schaffen. (fm)
Die Rubaiya Qatar Quadriennale findet vom 21. November bis 30. April 2027 an verschiedenen Orten in Doha und Katar statt.






