Vorarlberger am Neckar
Planung für Holzhaus im Tübinger Queck-Areal
Im Nordosten des Tübinger Wohnquartiers Queck-Areal, das auf der ehemaligen Industriebrache am Neckar entsteht, will die Mietwohnungsbaugesellschaft Volksbau gemeinsam mit der Stadt ein ökologisches Vorzeigeprojekt errichten. Dieses ist als sechs- bis achtgeschossiges Wohn- und Gewerbegebäude in Holzhybridbauweise an der Stelle geplant, wo der städtebauliche Entwurf von Eble Messerschmidt Partner (Tübingen) für das Queck-Areal einen identitätgebenden Solitär vorsieht. Im Haus sollen Wohn- und Gewerberäume sowie der Firmensitz der Volksbau GmbH & Co. KG unterkommen, die laut eigenen Angaben „Grundstücke und Quartiere mit dem Schwerpunkt auf ökologischem und preisgünstigem Mietwohnungsneubau entwickelt, den sie langfristig, preisgebunden und ohne spekulative Verwertung vermietet“. Finanzierungspartnerin der Volksbau ist die Nürnberger UmweltBank, die zur Eigennutzung gerade in Nürnberg ein Holzhochhaus plant.
Für die Planung hatte die Volksbau 2018 in Abstimmung mit der Stadt Tübingen eine anonyme Mehrfachbeauftragung mit sechs Teilnehmern ausgelobt. Die Wettbewerbsbetreuung übernahm kohler grohe architekten (Stuttgart). Für das 1.920 Quadratmeter große Grundstück sind circa 3.600 Quadratmeter Bruttogrundfläche auf maximal acht Geschossen vorgesehen. Während die Büroeinheiten – eine Mischung aus Kombi- und Gruppenbüro – nicht größer als 200 Quadratmeter sein sollten, waren Wohnungsgrößen zwischen zwei und fünf Zimmern gewünscht. Hinzu kommen außerdem eine Cafeteria und Umkleideräume für Fahrradfahrer. Gefordert war laut Auslobung ein maximaler Holz- und minimaler Betoneinsatz, schadstoffarme und recyclingfähige Baustoffe im Sinne des Cradle-to-cradle-Ansatzes, Energiestandard KfW-Effizienzhaus 40 sowie PV-Anlagen auf dem Dach und an der Fassade. Erwartungen gab es auch hinsichtlich einer konsequenten Kreislaufwirtschaft der zum Einsatz kommenden Baumaterialien. Raumhohe Vollverglasungen sollten vermieden werden.
Die Jury unter Vorsitz von Jörg Aldinger entschied sich für folgendes Ergebnis und beschloss einstimmig mit der Ausloberin, das erstplatzierte Team mit der Planung zu beauftragen.
- 1. Rang Bernardo Bader Architekten (Bregenz) mit merz kley partner (Dornbirn)
- 2. Rang a+r Architekten (Tübingen) mit Furche, Geiger Zimmermann Tragwerksplaner (Köngen)
Der Entwurf von Bernardo Bader Architekten mit merz kley partner überzeuge durch seine städtebaulichen, architektonischen, gestalterischen und konstruktiven Qualitäten, so die Jury, die allerdings die Funktion des Erschließungskerns als Sicherheitstreppenhaus kritisch hinterfagte. Im weiteren Planungsprozess sollen die Planer unter anderem die Gestaltung des Quartiersplatzes vertiefen, die Fassade zwischen Verwaltung und Wohnungsbau differenzieren, alle entsprechend Konzept und Stellplatzsatzung geforderten PKW- und Fahrradstellplätze sowie Wohnungsnebenräume nachweisen und die Gebäudehöhe überprüfen – auch im Hinblick auf brandschutztechnische Erleichterungen bei einer Reduktion auf sieben Geschosse, was dem Gebäude eine maximale Höhe von 22 Meter einbrächte. (fm)
Folgenden Aspekte aus dem Artikel sind aus nachhaltiger Sicht besonders begrüßenswert:
- Kompakte Kubatur -> A/V Verhältnis
- Nutzungsdurchmischung und Vielfalt der Wohnungen
- maximaler Holz- und minimaler Betoneinsatz, Cradle-to-Cradle
- Photovoltaik
- etc. etc.
DIESE ASPEKTE SIND WEIT VOR BEAUFTRAGUNGEN ZU KLÄREN UND FESTZULEGEN.
Das vorliegende Beispiel zeigt doch, dass im Anschluss trotzdem gute Architektur dabei rauskommen kann.
Das soll auch mal ein Wink mit dem Zaunpfahl für diejenigen Politiker*innen sein, die heute im Petitionsausschuss des Bundestages meinten mehr vom Bauen zu Verstehen als die Petenten der Bauwende-Petition. Bitte MEHR politische Rahmenbedingungen auf kommunaler, Landes- , Bundes- und Europaebene, die nachhaltigen Hoch- UND Städtebau nach vorne bringen.