Licht in die Amtsstuben
Sanierung in Paris von L’Atelier Senzu
Das am Place du Châtelet im Zentrum von Paris gelegene Gebäude der Chambre des Notaires, der berufsständischen Vertretung der Notare, stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Nach Plänen von L’Atelier Senzu (Paris), die sich im Wettbewerb 2019 durchgesetzt hatten, wurde der repräsentative Verwaltungsbau umfassend saniert und umgebaut. Unterstützung erhielten sie dabei vom auf Denkmalschutz spezialisierten Büro Lagneau Architectes (Paris). Bearbeitet wurde eine Fläche von 2.868 Quadratmetern, die Nettokosten geben L’Atelier Senzu auf ihrer Website mit 14,2 Millionen Euro an.
Der prominent eine Straßenecke füllende Baukörper ist zweigeteilt: Im vorderen Bereich mit drei hohen Geschossen liegen öffentliche Empfangsräume, die restauriert und teils neu organisiert wurden. Im hinteren Flügel, der vom Haupttrakt durch einen halbkreisförmigen Innenhof getrennt ist, befindet sich auf sieben niedrigen Geschossen sozusagen der interne Büro-Maschinenraum der Kammer. Er wurde vollständig saniert und mit einer Wellen schlagenden Glasfassade zum Hof geöffnet.
Das Transformationsprojekt zielte nicht nur auf eine bessere Energieeffizienz und flexible Raumstrukturen ab, sondern soll laut Architekt*innen auch eine „Modernisierung“ des Notarberufs symbolisieren. Mit der inneren Zweiteilung in öffentliche und private Bereiche werde der Bau zum räumlichen Spiegel für die Rolle des Notars an der Schnittstelle zwischen privater Diskretion und öffentlichem Dienst. Um zeitgemäße räumliche Anforderungen in das historische Bauerbe zu implementieren, habe sich der Entwurf an einer „archäologischen“ Analyse des Bestands orientiert und auf behutsame Ergänzungen gesetzt, erklären die Architekt*innen weiter.
Bestimmendes Thema bei der Umgestaltung im Erdgeschoss war die Öffnung zum Straßenraum. Die Eingangshalle erhielt eine Auffrischung, außerdem wurden Zwischenetagen entfernt, um großzügige Räume mit doppelter Deckenhöhe zu schaffen. Eine Wiederverwendung vorhandener Materialien stand dabei im Mittelpunkt. Beispielsweise löste man zu entfernende Steine von Hand mit Diamantsägen heraus, um sie erneut nutzen zu können.
Im Innenhof ging es darum, Transparenz zu schaffen, ohne zu viel preiszugeben. Die gläserne Hoffassade bringt viel mehr Licht in die Amtsstuben und wirkt durch ihre Struktur wie ein Filter. Der einst verborgene Bürotrakt ist von der großen öffentlichen Treppe, die den Hauptflügel erschließt, einsehbar und offenbart ein Stück weit seine räumliche Organisation. Auch der nun begrünte Hof wurde durch die Intervention aufgewertet. Zwischen Naturstein und Glasfassade wurde eloxiertes Aluminium eingefügt. Unauffällige mechanisch bedienbare Öffnungen ermöglichen eine natürliche Belüftung der Arbeitsräume.
Im ersten Obergeschoss liegt ein bekannter Auktionssaal. Hier sollte die Kapazität erhöht und Nutzungsvielfalt geschaffen werden. Dafür wurde eine akustisch wirksame mobile Trennwand aus Metall eingefügt, um die Räume je nach Bedarf zu teilen oder zu vergrößern. Sichtbare technische Installationen wurden entfernt und sind jetzt in einem Doppelboden integriert, die Wände erhielten dadurch mehr Klarheit. Das neu gestaltete Dachgeschoss des vorderen Gebäudeteils ist nun auch für Besucher*innen zugänglich und bietet Raum für Besprechungen und fachübergreifenden Austausch. (da)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- L’Atelier Senzu mit Lagneau Architectes (Denkmalschutz)
- Mitarbeitende:
- Victor Duffau, Léa Noguès, Gabriel Chatel, Jules Zaffran, Racha Hassan, Cecile Da Silva, Audrey Arigon
- Bauherrschaft:
- La Chambre des Notaires de Paris
- Fläche:
- 2.868 m² Bruttogrundflache
- Baukosten:
- 14.200.000 € Nettokosten
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