16 Cluster am Ammersee
Schule in Herrsching von schürmann dettinger architekten
In Bayern gibt es keine gesetzliche Regelung über Hitzefrei. Falls die Leitung dieser Schule am südlichen Rand von Herrsching durchziehen will, kann man sich nach dem Unterricht aber immerhin im nahe gelegen Ammersee abkühlen. Zumal ein waschechtes Wettrennen entstehen dürfte. Denn das Gymnasium besucht eine beachtliche Zahl von bis zu 1.100 Schüler*innen. Wie ein erschlagender Bildungsapparat wirkt der Neubau nach Plänen von schürmann dettinger Architekten (München) aber bei weitem nicht.
Trotz einer Bruttogrundfläche von rund 23.500 Quadratmetern wirkt der Komplex maßstäblich. Das liegt zum einen an seiner konsequenten Höhenbegrenzung auf maximal drei oberirdische Geschosse. Zum anderen gliedern umlaufende Fluchtbalkone aus filigranen Stahlkonstruktionen die Baukörper und schaffen so eine Tiefenstaffelung. Die Holzfassade aus horizontalen Latten verstärkt diesen Eindruck zusätzlich.
Der Bau organisiert sich über ein weit ausgreifendes Erdgeschoss, das sich der Hangtopografie folgend teilweise in das Gelände schiebt. Hier liegen die gemeinschaftlichen Nutzungen – Aula, Mensa, Bibliothek und Verwaltung ebenso wie Musik- und Werkräume. Darüber sitzen vier zweigeschossige Einzelhäuser, die sich paarweise leicht versetzt gegenüberstehen. Zwischen ihnen wird das Dach des Sockelgeschosses zum Pausenhof.
Diese Aufteilung folgt nicht allein einer gestalterischen Idee, sondern soll das pädagogische Konzept der Schule in Architektur übersetzen. Insgesamt 16 Cluster organisieren die Obergeschosse, zwei teilen sich je ein Geschoss. Die Jahrgangsstufen fünf bis sieben lernen in sogenannten Jahrgangsclustern mit Unterrichtsräumen und offenen Lernlandschaften rund um eine gemeinsame Mitte. Ab der achten Klasse wechselt das Prinzip: Statt Klassengliederung prägen Fachcluster für Sprachen, Natur- und Gesellschaftswissenschaften den Schulalltag.
Konstruktiv ist das Gymnasium ein Hybrid: Während Erd- und Untergeschoss in Stahlbeton ausgeführt sind, besteht der Rest aus einer sichtbaren Holzskelettkonstruktion im Raster von 8,5 mal 8,5 Metern mit Holz-Beton-Verbunddecken. Das Untergeschoss nimmt neben Technik und 80 Pkw- sowie 230 Fahrradstellplätzen auch die Verbindung zur vorgelagerten Dreifachsporthalle auf. Gemeinsam mit dem Sportplatz bildet sie einen Puffer zur Straße und sorgt dafür, dass das eigentliche Schulgebäude etwas ruhiger im Landschaftsraum liegt. (gk)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- schürmann dettinger architekten
- Ausschreibung, Vergabe und Objektüberwachung:
- Leitwerk AG
- Beratung und Forschung Pädagogik:
- Institut für Schulentwicklung
- Team:
- Ellen Dettinger, Felix Schürmann (Architektur); Tobias Pretscher (Projektleitung), Anna Schulte (stellv. Projektleitung), Paula Koepsell, Jennifer Pietsch, Niusha Blookbashi, Matthias Rückert
- Freiflächenplanung:
- ver.de Landschaftsarchitekten Stadtplaner
- Tragwerksplanung:
- merz kley partner
- Projektsteuerung:
- Drees & Sommer
- Bauherrschaft:
- Landkreis Starnberg
- Fläche:
- 23.500 m² Bruttogrundfläche
- Baukosten:
- 110.000.000 € brutto (Gesamtkosten)



