Weiterbauen mit altem Kern
Schulerweiterung in Davos von CURA Architekten
Was von außen wie ein Neubau anmutet, birgt im Inneren einen alten Kern. Das Schulzentrum Davos Platz wurde im vergangenen Jahr durch eine Erweiterung ergänzt, die sich wie eine schützende Hülle um das Bestandsgebäude aus den 1960er Jahren legt. Ursprünglich war der Abriss des Stahlbetonbaus vorgesehen, doch CURA Architekten aus München überzeugten 2022 in einem offenen Wettbewerb mit ihrem Konzept, den Bestand zu erhalten, aufzustocken und weiterzubauen. Bemerkenswert ist, dass es sich um das Erstlingswerk des jungen Büros handelt, das sich erst mit dem Wettbewerbssieg offiziell gründete.
Durch die Einführung einer neuen Tagesstruktur war der bisher für die sogenannte Talentschule genutzte Zwischentrakt des Bestands an seine Kapazitätsgrenzen gelangt. Also musste zusätzlicher Raum geschaffen werden: 13 Unterrichtsräume für die Klassen 1 bis 10, eine Aula, eine Cafeteria und Büroräume. Die alte Bausubstanz macht dabei laut Architekt*innen 40 Prozent des Gesamtvolumens aus. Dass das Projekt beispielhaft für den verantwortungsvollen Umgang mit Bestandsbauten steht, würdigte die Jury des Polis Award 2025. CURA erhielten dort den 1. Preis in der Kategorie „Ökologische Wirklichkeit“.
Die im Oktober 2024 fertiggestellte Erweiterung zeigt sich nach außen hin in freundlichem Grün. Sie wurde in Holzbauweise errichtet und dockt an die bestehenden Treppenpodeste an, wodurch Alt und Neu jeweils um ein halbes Geschoss versetzt sind. Durch die neue, selbsttragende Holzskelettkonstruktion ist ein innenliegender Rundgang entstanden, der zwischen Bestand aus Beton und Erweiterung aus Holz vermittelt sowie alle Räume miteinander verbindet. Man habe bewusst zwischen alten und neuen Bauteilen differenziert, damit der Umbauprozess ablesbar bleibe, so CURA.
Im Erdgeschoss befindet sich der Essensraum, der sich unterteilen lässt und auch als Aula genutzt werden kann. Herzstück der Schule ist ein schmales, dreigeschossiges Atrium, das durch Galerien und vielfältige Ausblicke eine abwechslungsreiche Raumfolge schafft. Durch den hier entstehenden Kamineffekt lassen sich die darum gruppierten Büros und Klassenzimmer natürlich belüften.
Für gute Akustik sorgt Schafswolle in den Brettstapeldecken, wodurch auf abgehängte Decken verzichtet werden konnte. Alle Innenwände sind mit Dreischichtplatten aus Fichte verkleidet, in Büros und Klassenzimmern finden sich Kork- und Linoleumböden. Eine Photovoltaikanlage sowie Geothermie versorgen das Gebäude mit Energie. Die Gesamtkosten für die 3.700 Quadratmeter Bruttogrundfläche umfassende Erweiterung werden von den Architekt*innen mit umgerechnet rund 19 Millionen Euro angegeben. (dsm)
Fotos: Daisuke Hirabayashi
- Architektur:
- CURA Architekten
- Bauherrschaft:
- Stadt Davos
- Fläche:
- 3.725 m² Bruttogrundfläche
- Baukosten:
- 3.003.000 €
Wer sich zudem schon einmal in der Praxis mit einem Umbau und Sanierung eines öffentlichen Bauwerks auseinandersetzen durfte, weiß wie außerordentlich schwierig es ist, alle baulichen Anforderungen in einem Bestand umzusetzen. Brandschutz, Schallschutz, Bauphysik usw. All diese technischen Schwierigkeiten dann noch mit einer sehr guten Gestaltung in Einklang zu bringen, ist schon eine große Leistung. Die Fachwelt staunt, der Laie stört sich an schrägen Tragstäben ;-)
Die Materialwahl unterstreicht diese Haltung. Statt glatter, beliebiger Oberflächen kommen hier robuste, sinnliche Werkstoffe zum Einsatz, deren Textur unter Lichtspannung steht. Sichtbares Metall, bearbeiteter Beton, eventuell sogar feingliedrige Holzarbeiten setzen einen Kontrast zwischen Härte und Wärme. Das ist intelligenter Materialeinsatz: ehrlich, langlebig, gut alternd – und ökologisch vertretbar. Die Farbgestaltung, womöglich reduziert und in erdigen oder grafitnahen Tönen gehalten, tut ihr Übriges. Sie beruhigt, strukturiert und lässt Raum für das Wesentliche: Proportion und Licht. Statt beliebiger Farbigkeit wird hier mit Zurückhaltung gearbeitet – ein Zeichen von Reife, nicht von Dystopie. Die Fassade, so „passgenau im Trend“ sie wirken mag, verweist auf ein tieferes Verständnis zeitgenössischer Baukunst: Sie ist keine Kopie, sondern eine Interpretation. Die klare Gliederung, das Spiel mit Tiefenstaffelung, vielleicht subtil versetzte Öffnungen – das alles zeigt Maß, Haltung, eine Schulung am Kanon der klassischen Proportion, jedoch ohne historisierende Pose. Schönheit wird hier nicht gesucht, sondern geschaffen – durch Ausgewogenheit, Maßstäblichkeit und Ruhe im Detail. Was aber vor allem überzeugt: Das Projekt hat Sinn. Es denkt räumlich, atmosphärisch, sozial. Es stellt Fragen, statt nur Antworten zu liefern. Und: Es ist nachhaltig – nicht nur energetisch, sondern kulturell. Es schafft bleibende Identität, keine kurzlebige Instagram-Architektur. Es nimmt Haltung ein in einer Zeit der Austauschbarkeit. Es ist unbequem – und gerade deshalb notwendig.
PS: Zum ersten Kommentar fehlen mir wirklich die Worte. Ich fordere Sie auf uns ihren Gegenvorschlag zu nennen!
umso mehr fällt dann eben auf, dass wie auf bild 3 und 16, die geländer deswegen so stören weil sie so massiv wirken, eher die geometrie stören und damit den eh schon spärlichen zwischenraum kaputt"gestalten". und deswegen finde ich es innen eben nicht "schwierig" oder "habe etwas probleme damit" sondern ich finde es schlecht gemacht
Und ja, ich finde es ganz toll, vorbildlich und zolle den Erschaffenden meinen Respekt. Danke.