Urbane Blickbeziehungen an der Eisi
Schwimmhalle in Leipzig von gmp
Der Leipziger Osten rührt sich. Die Nachbarschaft rund um die Neustädter Eisenbahnstraße wird zuweilen als Problemviertel wahrgenommen, doch die Stadt versucht schon seit Jahrzehnten mit gezielter Stadtentwicklung entgegenzuwirken. Für ein Stückchen mehr Zusammenkunft soll fortan etwa das neue Sportbad am Otto-Runki-Platz sorgen. Die Pläne stammen von gmp · Architekten von Gerkan, Marg und Partner aus Hamburg.
Das Grundstück liegt neben einer Tramstation direkt an der Eisenbahnstraße, die namensgetreu geradewegs zum Hauptbahnhof führt. Gründerzeitliche Blöcke prägen die nördliche Straßenseite der sogenannten Eisi, eine zerklüftete Stadtkante die südliche. Im Erdgeschoss finden sich Bäckereien, Barbiere und Bistros. Herz der Nachbarschaft ist der Stadtteilpark Rabet, der vor etwa 20 Jahren auf einer Brachfläche gestaltet wurde.
Mit den Jahren haben sich um den Rabet Bildungsstätten angesiedelt, am östlichen Ende des Parks errichtete man zudem Sporthallen. Der Neubau eines Schwimmbads steht seit 2017 im Raum und sollte „dringend benötigte Wasserflächen“ für den Schulbetrieb schaffen. Die Sportbäder Leipzig, die zum kommunalen Tochterunternehmen Leipziger Gruppe gehören, übernahmen die Bauherrschaft und investierten gemeinsam mit der Stadt rund 20 Millionen Euro Gesamtbaukosten. Der Entwurf von gmp hatte sich 2019 in einem nicht-offenen Wettbewerb durchgesetzt.
Das 2025 fertiggestellte Sportbad am Rabet stellt auf 4.800 Quadratmetern Bruttogrundfläche Sportbecken und Kursbereiche zur Verfügung. Den Baukörper bestimmt eine recht simple Kubatur, die vornehmlich vom umlaufenden Glassockel und dem Auf und Ab der Attikalinie geprägt wird. Das Motiv lässt dabei an das Freizeitbad von gmp in Potsdam denken. Allerdings sitzt das Haus in Leipzig, dessen massiven oberen Teil vorgefertigte Stahlbetonplatten bilden, etwas unaufdringlicher im Stadtraum.
Mit der Systembauweise habe man die Bauzeit erheblich verkürzt, so das Büro. Der transparente Sockel diene hingegen der „Verknüpfung mit dem urbanen Kontext“. Eine schöne Geste – zumindest in Richtung Park, wo sich der weite Blick ins Grüne genießen oder aber Blickkontakt zu Vorbeijoggenden suchen lässt. Bleibt die Frage, ob die Schwimmer*innen auch die Sichtbeziehung zur hochfrequentierten Tramstation werden zu schätzen wissen? (tg)
Fotos: Marcus Bredt
- Fertigstellung:
- 2025
- Wasserflächen:
- 600 m²
- Bauherrschaft:
- Sportbäder Leipzig
- Architektur:
- gmp Architekten
- Wettbewerbsteam:
- Dinah Borjans, David Ferreiro Centeno, Bojan Kocevski, Thilo Zehme, Zeng Yahan, Zhang Tianshuo
- Ausführungsteam:
- Miryam Aykurt, Dinah Borjans, Eva Chan, Christian Dorndorf, Regina Geier, Moritz Grabmayr, Jessica Neumann, Martin Muc, Abdurrahim Sariyildiz, Viktoria Schock, Michael Scholz, Philip Stillke, Zhang Tianshuo
- Objektüberwachung:
- dellori deda Architektur (Dresden)
- Landschaftsplanung:
- Einenkel Landschaftsarchitektur (Leipzig)
- Tragwerksplanung:
- Hartwich Bernhardt Ingenieure (Berlin)
- Brandschutz:
- imKONTEXT.berlin (Berlin)
- Bauphysik:
- vRP von Rekowski und Partner (Weinheim)
- TGA:
- Bauconzept Planungsgesellschaft (Lichtenstein/Sachsen)
- Fläche:
- 4.853 m² Bruttogrundfläche
- Baukosten:
- 20.000.000 € Gesamtkosten
Hier in Frankreich schon lange so. Die Bewertungskriterien und Excel haben die Auswahl der Architekten für unwissende Beamten der öffentlichen Verwaltung sorfältigt rationalisiert . Wenn man die Excel Hürde überschritten hat, geht es dann wie bei Tinder zu, um in die engere Auswahl zu kommen. Einer der Ursprünge von dieser Realität ist hier zu finden : directive 2006/123/CE du Parlement européen et du Conseil de l'Union européenne du 12 décembre 2006
Man sieht überall in Deutschland, dass nicht nur private Investoren, sondern auch Land und Bund die Vergaberichtlinien, den BIM-Fahrplan so ausgestalten, dass nur noch wenige Büros alle Aufträge auf sich vereinen können. Die Gemeinkosten, jährliche Investitionen und Punktevergabe für Mitarbeiter und ähnliches, lassen gar nichts anderes zu, als diese Art der Büroführung. Das war durch den Mangel an offenen Wettbewerben schon eine Tendenz seit der Wende, aber es ist schädigend für Beruf und Baukultur. Archi-tektur bedarf solcher Punktesysteme und Typisierung nicht. Gleichzeitig drückt sich der Bund um eine neue HOAI. Öffentliche Bauauftraggeber mindern selbst die Honorare, sooweit möglich gerne auch unter den Mindestsatz von 2013. Das geht an den Planern und angestellten Architekten nicht spurlos vorüber. Die Gehälter sind ein Witz, unterhalb dessen was mancher auf der Baustelle erhält. Ebenso wie die BAK und Länderkammern wohl nur wenige Architekten "vertreten" und sich für das Berufsbild engagieren, die Pfründe nicht loslassen. Wenn öffentliche Bauauftraggeber darauf bestehen, dass man x Schwimmbäder, x Schulen, x Museen, x Ministerien, x Bauten gebaut haben muss, in einem Zeitrahmen, der für die Planung und Errichtung eines Objektes benötigt wird, kommen nur noch Büros wie gmp zum Zug. Vielleicht sollte man den Architekturstudiengang anpassen. Man studiert Sportbauten/Schwimmbäder, Schulen, Bibliotheken oder Wohnungsbau. Macht eine staatliche Prüfung und darf sich dann aber auch Voll-Architekt nennen, ohne Kammer. Es ist alles absurd.
Der Blick der Nutzer auf das (nur sommerliche) Grün ist mir zu wenig.