Im Zeichen des Ziegelsteins
Serpentine Pavilion von LANZA Atelier
Am morgigen Samstag, 6. Juni 2026 eröffnet in den Kensington Gardens der Serpentine Pavilion mit dem – etwas selbstreferenziell wirkenden– Titel „a serpentine“. Der Entwurf stammt von LANZA Atelier aus Mexiko Stadt. Es ist die 25. Ausgabe des Pavillons, den die Londoner Serpentine Gallery im Jahr 2000 zum ersten Mal lancierte.
Bis auf zwei Aussetzer in den Jahren 2004 und 2020 locken die temporären Strukturen jährlich in den Sommermonaten Architekturinteressierte aus aller Welt in den Londoner Hyde Park. Den Auftakt machte ein Entwurf von Zaha Hadid. 25 Installationen später schließt sich gewissermaßen ein Kreis: Die diesjährige Jubiläumsausgabe entstand in Zusammenarbeit mit der Zaha Hadid Foundation und der Architectural Association.
Der Pavillon des von Isabel Abascal und Alessandro Arienzo gegründeteten Büros steht ganz im Zeichen des Ziegelsteins. „a serpentine“ ist inspiriert von der Crinkle-Crankle Wall – einem sinusförmig gewellten Mauerwerk, das aufgrund seiner ungewöhnlichen Form mit nur einer einzigen Ziegelschicht auskommt. LANZA nahm diese ursprünglich aus dem alten Ägypten stammende Backsteinmauer auf und kreierte einen durch zwei jener geschwungenen Mauern begrenzten Begegnungsraum.
Entstanden ist eine offene und durchlässige Architektur, die von einer transluzenten Dachstruktur verschattet wird. Die Ziegelsteine knüpfen zum einen an die britische Gartenkultur sowie den historischen Backsteinbau der Serpentine South Gallery an. Zum anderen wird durch den Pavillon traditionelle Handwerkskunst neu in Szene gesetzt. Der entstandene Zwischenraum ist von Ziegelsäulen durchsetzt. Diese sollen an einen Baumhain erinnern und die Vorstellung von Ziegel als klassisch tragendes Wandelement infrage stellen.
LANZA Atelier zeichnen auch für die Architektur des kosovarischen Pavillons bei der aktuellen Kunstbiennale in Venedig verantwortlich. Für den Serpentine Pavilion ließen sie sich nach eigener Angabe auch von Schlangen inspirieren: Diese seien Symbol einer schöpferischen und schützenden Kraft. Auch die englischen Obstgartenmauern böten Schutz und ermöglichten Wachstum, so die Architekt*innen. Ebenfalls von LANZA Atelier entworfen wurden die Stühle und Hocker aus Sapeli-Hartholz. Sie sollen die Logik des Pavillons „bis in den Maßstab der Objekte“ fortsetzen.
Text: Paula Feichter



