Vier auf den Azoren
Servicegebäude von Pedro Maurício Borges und Paulo Lopes Vaz
Im Osten der Azoreninsel São Miguel liegt mit dem Parque Terra Nostra ein Ort, an dem sich Landschaftsinszenierung, Tourismus und botanische Exotik seit Jahrhunderten aufeinander treffen. Der Park im Ort Furnas entstand Ende des 18. Jahrhunderts und wurde seither kontinuierlich erweitert. Heute umfasst die Anlage rund 12,5 Hektar mit Pflanzen aus aller Welt. Hauptattraktion bleibt jedoch ein eisenhaltiges Thermalbecken mit konstanten 38 Grad Wassertemperatur, in dem sich täglich Hunderte Besucher*innen drängen.
2019 beauftragte die Betreibergesellschaft die Architekten Pedro Maurício Borges und Paulo Lopes Vaz aus Lissabon mit mehreren Ergänzungsbauten im Park. Entstanden sind vier kleine Architekturen, die weniger als Solitäre auftreten, sondern eher als infrastrukturelle Einschlüsse innerhalb der Gartenanlage. Statt ikonischer Gesten setzen die Architekten auf kontrollierte Zurückhaltung. Formal orientieren sich die Neubauten an klassischen Gartenstrukturen wie Gewächshäuser oder Pavillons: leichte Stahlkonstruktionen, transluzente Hüllen, viel Grün.
Das Eingangsgebäude beschreibt eine geschwungene Figur, eingefasst von einem feinen grünen Metallgitter, das sich stellenweise öffnet und Zugänge wie Durchblicke freigibt. Unter dem leicht gewölbten Dach stehen ein Ticketschalter und ein kleiner Ausstellungsraum. Filigrane Stützen und die durchlässige Konstruktion verleihen dem Bau eine angenehm unprätentiöse Wirkung. Ähnlich funktioniert der benachbarte Shop: Ein runder Grundriss umschließt einen offenen Innenhof, die Verkaufsflächen organisieren sich ringförmig. Auch hier dominieren Glas und grün lackierter Stahl.
Deutlich massiver tritt dagegen die neue Umkleideanlage am Thermalbecken auf. Anders als die pavillonartigen Eingangsbauten verschwindet sie weitgehend im Gelände. Sichtbar bleiben lediglich Ausläufer einer begrünten Betonstruktur mit konkaven und konvexen Wandverläufen, die sich wie topografische Einschnitte aus dem Hang schieben. Im Inneren entstehen überraschend ruhige Räume für Umkleiden und Sanitäranlagen. Die von den Architekten bemühte Referenz einer „Grotte“ ist dabei nicht unpassend: Gedämpftes Licht, gekrümmte Wandscheiben und eine stark reduzierte Materialpalette verleihen den Räumen etwas Höhlenartiges. Vereinzelt taucht das charakteristische Grün noch bei Türen, Fliesen und Einbauten auf. Als vierter Neuzugang ergänzt ein weiteres, deutlich kleineres Kassengebäude die Anlage am östlichen Rand. (gk)
- Kollaborator*innen:
- Tiago Farinha, Arthur Gouvêa, Carlos Pedro Brito, Diogo Jácome Correia




