House with a View
Umbau in Stuttgart von Behnisch Architekten
Die Hanglage war perfekt, der Ausblick leider nicht: Die Besitzer eines Hauses am Waldrand im Stuttgarter Süden wünschten sich etwas mehr Platz und vor allem etwas modernere Raumformate, die das Haus aus den dreißiger Jahren nicht bieten konnte. Behnisch Architekten (Stuttgart) haben das alte Satteldach durch eine gläserne Box ersetzt.
Die architektonische Idee sah vor, das neue Geschoss als ein „schlichtes, zurückhaltendes Element zu konzipieren“, das sich deutlich vom Bestand abhebt. Mit großen Scheiben und dunklen Paneelen verkleidet, schwebt die Erweiterung über dem hellen Erdgeschoss. Deutlich auskragend positioniert, entstehen so zugleich geschützte Außenräume. Ein bestehender asymmetrisch platzierter Risalit sorgt für eine optische Verklammerung der beiden Geschosse.
Im Inneren ist die Erweiterung mit ihren 150 Quadratmetern als offener Grundriss konzipiert, der mittels eingestellter Boxen gegliedert wird. In diesen befinden sich dienende Funktionen wie Bad und Ankleideraum, während der Schlaf- vom Wohnbereich durch eine raumhohe Schiebetür zu trennen ist. Eine Außentreppe führt schließlich auf die Dachterrasse, von der aus die herrliche Aussicht besonders schön erlebt werden kann.
Strukturell besteht das obere Geschoss aus einer vorgefertigten Brettschichtholz-Konstruktion. Diese wurde mit Blick auf ihr leichtes Gewicht gewählt, da die Tragfähigkeit der bestehenden Mauern nur ungenau bestimmt werden konnte. Heiz- und Kühldecken sowie -böden regulieren das Raumklima und sorgen im Sommer wie im Winter für ein angenehmes Leben in der neuen Box. (sb)
Fotos: David Matthiessen
neues Schächtelchen aufgepropft, so ähnlich(?) züchtet man wohl Rosen, aber wird daraus Architektur ?
Man stelle sich einen Oldtimer vor, dessen Karosserie man bis zur mittleren Zierleiste, sagen wir 2/3 Türhöhe, köpft.
Dann wird ein modernes Auto-Oberteil aufgesetzt, aber von einem ganz anderen Hersteller .
Wie würden wir das finden ?
Entgegen meiner sonstigen Überzeugung finde ich es hier allerdings noch relativ gelungen, für einen Behnisch auch vergleichsweise harmlos, fast schon "nett"
Um einen geschossübergreifenden internen Raumzusammenhang hat man sich anscheinend nicht bemüht. Ich fände es als Bewohner seltsam, unten im alten "konventionellen" Teil meine Hauptwohnfläche zu haben und über mir diese grössere luftige Schlafetage schweben zu lassen wie eine komplett andere Welt. Hätte mir eine Galerie o.ä. gewünscht
Find diese Kiste hier aber gut. Das wirkt doch! Ein bisschen Haus Schminke, ein bisschen Mies.
Eins finde ich dann aber doch echt nicht gelungen: Mit der verbliebenen Bestandsfassade wurde genauso krude umgegangen wie mit dem ursprünglichen Dach: da ist nichts vom Altbaucharme übrig! Ich dachte vor dem Lesen des Textes erst, da hätte man ein 90er-Jahre-Fertighaus aufgestockt. Mit einer detailgetreuen Renovierung der Altbaufassade (statt klinisch steriler Totsanierung) wäre dieser Umbau deutlich schöner geworden.
Sicherlich hätte man auch mit dem kompletten Bestand und dem Satteldach arbeiten können, ich kann mir aber auch vorstellen, dass seitens der Bauherren etwas "moderneres" gewünscht wurde.