Von der Spinnerei zum Inklusionszentrum
Umbau in Terrassa von Harquitectes
Terrassa, in den Bergen westlich von Barcelona gelegen, blickt auf eine reiche Industriegeschichte zurück. Alte Textilfabriken prägen mit ihren typischen Ziegelfassaden und Sheddächern das Stadtbild. Ein solcher Komplex wurde nun von der ortsansässigen gemeinnützigen Organisation Prodis, die sich für die Unterstützung von Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung und psychischen Erkrankungen einsetzt, zum Inklusionszentrum umgenutzt. Den dafür notwendigen Umbau der ehemaligen Spinnereigebäude planten Harquitectes. Das Büro mit Sitz im benachbarten Sabadell hatte 2021 den Berliner Kunstpreis der Akademie der Künste erhalten.
El Vapor de Prodis heißt der neue öffentliche Begegnungs- und Projektort, der auf rund 3.842 Quadratmetern Fläche unter anderem ein Berufszentrum mit Werkstätten, Markt- und Ladenbereiche, ein inklusives Restaurant – das zugleich als Schulungseinrichtung dient – sowie Kultur- und Gemeinschaftsräume unterbringt. Der Name spielt dabei auf den katalanische Begriff für Dampf („Vapor“) an, mit dem früher die durch Dampfmaschinen betriebenen Fabriken bezeichnet wurden.
Harquitectes sanierten die zwei Hallen umfassend, wobei Spuren der Zeit nach Möglichkeit bewahrt wurden. Bedingt durch die abschüssige Topografie verfügen die beiden einen ganzen Straßenblock durchziehenden Baukörper auf einer Seite über ein, auf der anderen über zwei Geschosse. Charakteristisch sind ihre Keramikziegelfassaden, die durch einen regelmäßigen Rhythmus von Pilastern und Öffnungen im Abstand von drei Metern strukturiert sind. Ihm folgt auch die Dachstruktur aus Holzfachwerk mit 12 Metern Spannweite und einer Deckung aus sogenannten arabischen Fliesen. Um sie zu erhalten, wurde sie mit neuen Querbalken, Säulen und strukturellen Holzboxen verstärkt. Sie verkleinern die Spannweiten und verwandeln das „ursprüngliche unidirektionale System in eine bidirektionale Struktur“, so die Architekt*innen.
Im Zentrum des Projekts stand die Reaktivierung einer ursprünglichen Versorgungsstraße zwischen beiden Gebäuden, die im Laufe der Zeit mit Hybridkonstruktionen aus Metall und Ziegeln überbaut worden war. Harquitectes legten sie frei und gestalteten sie zur Passage um, die während der Betriebszeiten des Zentrums als öffentlicher Durchgang fungiert. Dabei wurden das Dach des Mittelbaus und die Geschossdecken entfernt, nur Fassaden und Balken blieben als skelettartige Struktur erhalten. Um den Höhenunterschied auszugleichen, entstand im hinteren Teil der Straße eine Treppe. Mit breiten Sitzstufen kann sie auch als sozialer Treffpunkt dienen.
Von der internen Straße aus werden die in den beiden Hallenschiffen hintereinander angeordneten Funktionen erschlossen, die darüber hinaus auch im Innenraum miteinander verbunden sind. Die für die Verstärkung des Dachstuhls eingefügte Holzstruktur unterteilt die riesigen Räume dabei in offenere und geschlossenere Bereiche, neue Oberlichter verbessern die Versorgung mit Tageslicht. (da)
- Fertigstellung:
- 2024
- Architektur:
- Harquitectes
- Team Architektur:
- David Lorente, Josep Ricart, Xavier Ros, Roger Tudó
- Mitarbeit:
- Maya Torres, Miquel Arias, Itziar González, Albert Ferraz, Andrea Arasa, Sara Ferran, Mariona Dalmau, Maria Azcárate
- Planung:
- Territoris XLM
- Statik:
- DSM architectes
- Haustechnik:
- M7 Enginyers
- Bauherrschaft:
- Prodis (Prodiscapacitats Fundació Privada Terrassenca)
- Fläche:
- 3.842 m² BGF
- Auszeichnungen:
- ‚XVII BEAU‘ Award 2025, Bonaplata Award 2024, Casa de la Arquitectura Award 2025
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