Aufgeständert über Reben
Weinausschank bei Heilbronn von Mattes Riglewski Wahl Architekten
Weinarchitektur boomt. In den klassischen Anbaugebieten – hierzulande vor allem im Süden – wächst mit dem Weintourismus auch der Bedarf an räumlichen Inszenierungen des Produkts. Neben Weingütern rückt eine kleinere, fast beiläufige Typologie in den Fokus: der Ausschank. Ein solcher entstand mit dem von Mattes Riglewski Wahl Architekten (Heilbronn) geplanten Christophsblick am Michaelsberg oberhalb von Cleebronn. Die Lage ist – wenig überraschend – spektakulär. Der Blick reicht über das Zabergäu bis ins Neckartal, Weinberge, Waldsäume und vereinzelte Burgen inklusive.
Formal lehnt sich der Bau an landwirtschaftliche Zweckarchitekturen an. Eine repetitive Holzstruktur spannt sich über den rechteckigen Grundriss, gegliedert durch Dreigelenkrahmen mit aufgelöster Rahmenecke aus Sparren, Zugstreben als Zangen und Stützen auf Fundamentbalken. Auf den Sparren bilden Brettsperrholzplatten die Dachscheibe, auf den Zangen liegt der Rohboden für Ausschank und Terrasse. Das auskragende Satteldach umläuft den Baukörper vollständig.
Der Bau mit 440 Quadratmetern Bruttogrundfläche ist aufgeständert und schiebt sich leicht über das Gelände, ohne es vollständig zu besetzen. Im Bereich des Küchentrakts, der etwa die Hälfte des Volumens einnimmt, ist das Gebäude unterkellert. Hier befinden sich Technik und Lager, ergänzt durch einen separaten Zugang in Richtung Weinberg.
Von der westlich verlaufenden Straße führen Treppen auf die leicht angehobene, nach Norden orientierte Terrasse. Hier betreten die vom gegenüberliegenden Wanderparkplatz kommenden Besucher*innen den Ausschank. Der Gastraum fasst bis zu 80 Personen und öffnet sich mit bodentiefen Verglasungen zu drei Seiten. Im Kontrast dazu steht der geschlossene Küchentrakt, dessen mit Dreischichtplatten verkleidete Wände nicht nur abschirmen, sondern zugleich aussteifend wirken.
Im Inneren setzt sich die Materialität fort: Holz dominiert, konstruktiv wie atmosphärisch. Ergänzt wird das Low-Tech-Vokabular durch einen Kachelofen, der an kühleren Tagen für Wärme sorgt. Der Ausschank ist nur am Wochenende für die Öffentlichkeit zugänglich, montags bis freitags dient er als Station für Führungen. Die Bauherrschaft bleibt privat, genutzt wird er jedoch von vier lokalen Weingütern, die sich hier eine gemeinsame Bühne schaffen. (gk)
- Architektur:
- Mattes Riglewski Wahl Architekten
- Mitarbeit Architektur:
- Marie Müller, Lena Schrade, Johanna Hüfner
- Tragwerksplanung:
- Helber + Ruff Tragwerksplanung
- Nutzer:
- Winzergenossenschaft Cleebronn-Güglingen, STORZ Weinkellerei, Weingut Holzwarth Cleebronn, Weingut Ranspacher Hof
- Bauherrschaft:
- privat
- Fläche:
- 440 m² Bruttogrundfläche









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