Das bisschen Wohnen
Wochenendhaus von Didier Fiúza Faustino in Portugal
Grenzverschiebung par excellence oder einfach ein gebauter Scherz? Dieses Wohnexperiment im Herzen Portugals dürfte niemanden kaltlassen. Bereits frühere Projekte des Architekten Didier Fiúza Faustino zeugen von seinem Ansatz, Architektur als physische und mentale Erfahrung zu begreifen. Entsprechend realisierte er mit seinem Bureau des Mésarchitectures (Lissabon/Paris) die Casa Sem Pele (Haus ohne Haut) mehr als gebautes Manifest denn als Wochenendhäuschen. Inmitten der karstigen Landschaft um Torres Novas entstand eine Unterkunft, die Schutz verspricht und ihn zugleich infrage stellt.
Boden, Schatten, Wasser, Feuer und Schlaf – die elementarsten Aspekte des Wohnens sollen zwischen Betonsockel und dem von einem Edelstahlgerüst getragenen Dach aus Streckmetall ausgelotet und neu verhandelt werden. Klassische Wände gibt es keine. Das „Haus“ wird performt: als Dreiklang aus Rückzug, Gemeinschaft und Fürsorge, denen jeweils eine eigene Zone im Kiesbett der Plattform zugewiesen ist.
Ein zylindrischer Aufbau aus rotem Beton dient als beheizbarer und abschließbarer Ruheraum. Zugleich fungiert die von einem plakativen Flammenkranz gekrönte Struktur als Sichtschutz zur Straße, von der aus man das zum See orientierte Gebäude über ein paar Abwärtsstufen erreicht. Der anschließende Bereich des Teilens ist durch eine erhöhte, quadratische Holzkonstruktion markiert. Tisch und Bühne zugleich, soll sie zur Improvisation und zum Erfinden neuer Nutzungen einladen.
Zwei sich diagonal zur Gebäuderichtung kreuzende Ortbetonwände definieren schließlich die Koordinaten der (Körper-)Pflege. Jedem der resultierenden Winkel ist eine Funktion zugeordnet, symbolisiert durch je ein Objekt: Grill, Waschtisch, Dusche und Toilette. Ein Mindestmaß an Privatsphäre entsteht dabei durch die auf die jeweilige Handlung abgestimmte Positionierung.
Durch ihre Exponiertheit und die auf dem grünlichen Beton verlegten Leitungen wirkt gerade die Toilette wie das Requisit eines Horrorfilms – ein Unbehagen, das durchaus Teil des architektonischen Konzepts sein dürfte. (kms)
- Fertigstellung:
- 2026
- Architektur:
- Bureau des Mésarchitectures
- Leitender Architekt:
- Didier Fiúza Faustino
- Projektteam:
- André Antunes, Sérgio Brito, Pascal Mazoyer, Sónia Sousa
- Berater Tragwerksplanung:
- Clanet & Brito
- Ingenieure:
- Logaritmica, Serviços de Engenharia
- Bauausführung:
- João Paulo Moleiro Felício
- Bauherrschaft:
- privat
- Fläche:
- 160 m² Intervention



