Es gab Reis, Baby
Wohnhaus von Summary bei Porto
Sieht nach rauem Beton aus, besteht aber zu einem guten Teil aus den Hülsen von Nutzpflanzen: In der Kleinstadt Esmoriz, rund 25 Kilometer südlich von Porto, haben Summary (Porto) ein experimentelles Wohnhaus mit einer ungewöhnlichen Dämmschicht fertiggestellt. Gebildet wird diese aus einem Zement-Komposit, das mit Abfällen aus der Reisverarbeitung angereichert wurde. Eine sinnige Lösung, weil die Gegend um Esmoriz an die Region Baixo Mondego angrenzt, die wiederum als Reiskammer Portugals gilt.
Architektonisch handelt es sich bei dem Projekt um eine relativ einfache Setzung. Ein Bungalow mit L-förmigen Grundriss ist zu sehen, wobei der eine Trakt Küche sowie Wohnbereich und der andere ein Schlafzimmer sowie einen weiteren Raum enthält. Mit einem Fußabdruck von 145 Quadratmetern sitzt das Volumen mittig auf dem fast quadratischen Grundstück. Im Schnittpunkt der beiden Trakte befinden sich Eingang und Garage. Rückwärtig sorgt eine hohe Mauer für Privatsphäre, was dem Setting einen introvertierten Charakter verleiht. Auch zur Straße hin, wo etwas mehr Haus zu sehen ist, gibt es nur wenige Öffnungen.
Konstruktiv bestimmend sind Betonfertigteilen, die schon im Werk zu größeren Elementen addiert wurden, schreiben die Planer*innen. Jeweils zwei Außenwände und ein Stück Bodenplatte bilden ein Segment, von denen wiederum mehrere aneinander gereiht wurden. Die betont dicke Deckenplatte und die weiteren Innenwände bestehen ebenfalls aus Beton. Auch die eingangs erwähnte Dämmung wurde bereits im Werk aufgebracht. Deren isolierende Qualität ergibt sich durch die Reishülsen, die als Leichtzuschlag fungieren und über einen hohen Siliziumgehalt verfügen. Aufgrund des Siliziumanteils können sie trotz ihres organischen Ursprungs direkt mit dem Zement reagieren.
In gestalterischer Hinsicht verschleiert das Haus nichts. Im Gegenteil, seine Herkunft aus der Fertigteilfabrik wird fast schon zelebriert. Helle Fugen akzentuieren beispielsweise die Bauweise aus einzelnen Segmenten. Und die breite Attika des Daches unterstreicht den wuchtigen Ausdruck der Architektur noch zusätzlich. In der Nahsicht haben die Reishülsen der Oberfläche aber einen ganz eigenen, fast schon natürlichen Charme. (sb)
- Fertigstellung:
- 2024
- Architektur:
- Summary
- Team:
- Samuel Goncalves (Projektleiter), Pedro Penalva
- Vorfarbikation:
- Arouconstroi
- Ingenieurleistungen:
- FTS, Technical Solutions
- Fläche:
- 146 m² Bruttogrundfläche
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