Platte in Holz-Hybrid
Wohnungsbau von roedig.schop und weberbrunner in Berlin
Der Wohnungsneubau in Berlin-Köpenick erinnert auf den ersten Blick an einen frisch sanierten Plattenbau. Dabei ist das von roedig.schop architekten + Partner (Berlin) und weberbrunner pischetsrieder architektur (Berlin) geplante Gebäude für die Auftraggeberin, die Berliner Wohnungsbaugesellschaft degewo, ein Pilotprojekt: Es entstand als Holz-Hybrid, den sie selbstbewusst als „Klimahaus“ bezeichnet.
In diesem Fall bedeutet das: in den sieben Regelgeschossen bestehen die tragenden Wände aus CLT-Massivholz. Decken, Brand- und Treppenhauswände sowie das erste Obergeschoss sind aus Beton. Die klare Materialtrennung unterstützt die Prinzipien des zirkulären Bauens. Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach erzeugt Strom für die Wärmepumpen und Allgemeinstrombereiche. Dachflächen und Teile der Fassade sind begrünt. Ein dezentrales Regenwassermanagement speichert Wasser in Zisternen zur Bewässerung der Außenanlagen. Soweit die Angaben.
In dem 92 Meter langen Riegel finden 112 Wohneinheiten mit 1 bis 5 Zimmern Platz. 50 Prozent davon sind geförderte Wohnungen, die Mietpreise beginnen bei 7 Euro pro Quadratmeter. Die sieben Wohngeschosse stehen auf einer Art Betontisch. Als flexibel nutzbares Sockelgeschoss steht er für einen Ansatz, den roedig schop bei ihren Wohnbauten bereits mehrfach umgesetzt haben: sich auf das Wesentliche beschränken, auf einen Keller verzichten und die Wände roh belassen. Hier gibt es Platz für Autos, Fahrräder, Kellerersatzräume, Gewerbeflächen. An der Ecke ist bereits ein Eisladen eingezogen.
Mit der Fassade gelang den Planer*innen ein Präzedenzfall für Berlin. Beim Einsatz von Sicherheitstreppenhäusern in Wohnbauten – die einen zweiten Fluchtweg umgehen – sind Holzwerkstoffe laut Berliner Bauordnung am gesamten Gebäude unzulässig. Dennoch konnte der Neubau in Köpenick mit drei Holzfassaden und einer verputzten Fassade am Sicherheitstreppenraum realisiert werden. Die Fassade ist demnach an drei Seiten als hinterlüftete Holzkonstruktion ausgeführt.
„Das Klimahaus als Pilotprojekt hat gezeigt, dass sich modernste nachhaltige Bauweisen im geförderten Wohnungssegment realisieren lassen. Mittlerweile gehört der Holzhybridbau mit Wärmepumpe bei degewo zu einer der üblich genutzten Bauweisen.“, sagt Kerstin Anke, die das Projekt zusammen mit Alesja Piela von Seiten der degewo als Projektleiterin betreut hat. Die BATEG GmbH tritt als Generalübernehmerin auf. Zur Zertifizierung werden folgende Angaben gemacht: Standard-Effizienzhaus 40 NH, Qualitätssiegel „Nachhaltiges Wohngebäude (QNG Plus)“ und Qualitätssiegel „Nachhaltiger Wohnungsbau (NaWoh)“. (fm)
- Architektur:
- roedig . schop architekten + partner (LP 2-4) und weberbrunner pischetsrieder architektur (LP 5)
- Tragwerksplanung:
- GRBV Ingenieure im Bauwesen
- Brand- und Schallschutz:
- ZRS Ingenieure, Berlin
- Freianlagenplanung:
- d30plus Ingenieurgesellschaft
- Holzbau + Fassade:
- Terhalle Holzbau
- Generalübernehmer Bauausführung:
- BATEC
- Bauherrschaft:
- degewo
- Fläche:
- 12.528 m² Bruttogrundfläche (R+S)
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Anmerkungen der Redaktion: Bei der Bezeichnung der beteiligten Planungsbüros hat es eine Namensänderung gegeben. Wir haben dies entsprechend aktualisiert.
Der Witterung ausgesetzes Holz, wie in den von Ihnen genannten Architekturbeispielen, wird immer verrotten. Entweder man erneuert es innerhalb weniger Jahre, was niemand bezahlen kann oder will, oder man muss das Holz mit Holzschutz behandeln, was eben auch nicht nachhaltig ist. Der Holzschutz muss regelmäßig erneuert werden und das Holz kann wegen des Holzschutzes nur noch thermisch verwertet werden.
Die einzige wirklich nachhaltige und als CO2-Senke funktionierende Verwendung von Holz ist es, dieses vor jeglicher Witterung zu verbergen und es damit dauerhaft zu erhalten, genau wie in dem Beispiel hier.
In der Ausführung nicht gerade schön, jedoch zumindest nachhaltig und keine Greenwashing-Holzfassade.
Nach und nach verstehe ich, warum immer häufiger konservative Gegenbewegungen in meinem Feed auftauchen. Im Spagat zwischen Klimazielen, Lieferketten, Recyclingfähigkeit, Brandschutz und Kosteneffizienz scheint irgendwo die Architektur selbst verloren gegangen zu sein. Entstanden ist das, was andernorts mühsam rückgebaut oder künstlich auf verspielt getrimmt wird.
Mutmaßlich sind an den Architekturschulen einige ganz grundlegende Fragen aus dem Blick geraten: Wie beginnt ein Gebäude? Wie endet es? Wie macht man einen Eingang selbstverständlich auffindbar? Wie kann selbst das Treppenhaus einer einfachen Mietskaserne – nichts anderes ist es – eine gewisse Grandezza ausstrahlen?
Meines Erachtens müsste die Auseinandersetzung mit der Architektur vor der Moderne des 20. Jahrhunderts wieder stärker in den Vordergrund rücken – durchaus mit traditionellen Methoden: Grundrisse analysieren, Fassaden und Ornamente nachzeichnen, Proportionen durch intensives Studium verinnerlichen. Das wäre kein nostalgischer Rückschritt, sondern eine Schulung des architektonischen Blicks.