Alternative zum Abriss
Zum Ringen um das SEZ in Berlin
Alternative zum Abriss
Zum Ringen um das SEZ in Berlin
Ursprünglich sollte gestern der Abriss des Sport- und Erholungszentrum (SEZ) in Berlin beginnen. Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte (WBM) möchte an Stelle des umkämpften DDR-Erbes Wohnungen bauen. Nun hat das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg einen Abrissstopp erwirkt und machte dem Abgeordnetenhaus einen Vorschlag zum Bestandserhalt. Ist am Ende beides möglich?
Wer seine Jugend im Ost-Berlin der Achtzigerjahre verbracht hat, kannte vermutlich das Sport- und Erholungszentrum (SEZ) an der Landsberger Allee. Tausende Besucher*innen trafen sich damals täglich in Schwimmhallen, beim Schachspielen oder auf Rollschuhbahnen. Fertiggestellt nach Entwürfen eines schwedischen Architektenteams und unter Leitung von Erhardt Gißkes vom Sondervorhaben Berlin, vereint die Architektur des SEZ Ökomoderne mit Brutalismus.
Nach der Wiedervereinigung verkaufte Berlin das Haus an einen privaten Investor. Obwohl dieser dem Erhalt vertraglich zugestimmt hatte, wollte er nach Jahren des Teilbetriebs dennoch abreißen und das Grundstück neu bebauen lassen. Daraufhin holte sich das Land Berlin das SEZ 2022 vor Gericht zurück. Nur um kurze Zeit später selbst den Abriss zugunsten von Wohnungsbau zu verkünden. Schon seit den ersten Abrissplänen sprechen sich Fachleute, Umweltverbände und Berliner Bürgerinitiativen für den Erhalt des DDR-Erbes aus. Petitionen forderten Denkmalstatus. Ein offener Brief der Architektenkammer Berlin verlangte 2024, „Wege der Bewahrung, Sanierung, nachhaltigen Ertüchtigung und behutsamen baulichen Ergänzung auf dem Grundstück zu suchen.“
Nach der Wiedervereinigung verkaufte Berlin das Haus an einen privaten Investor. Obwohl dieser dem Erhalt vertraglich zugestimmt hatte, wollte er nach Jahren des Teilbetriebs dennoch abreißen und das Grundstück neu bebauen lassen. Daraufhin holte sich das Land Berlin das SEZ 2022 vor Gericht zurück. Nur um kurze Zeit später selbst den Abriss zugunsten von Wohnungsbau zu verkünden. Schon seit den ersten Abrissplänen sprechen sich Fachleute, Umweltverbände und Berliner Bürgerinitiativen für den Erhalt des DDR-Erbes aus. Petitionen forderten Denkmalstatus. Ein offener Brief der Architektenkammer Berlin verlangte 2024, „Wege der Bewahrung, Sanierung, nachhaltigen Ertüchtigung und behutsamen baulichen Ergänzung auf dem Grundstück zu suchen.“
Zentrales Entwicklungsareal
Die Diskussion nahm Fahrt auf, als die WBM im Dezember 2025 das Ergebnis einer „Machbarkeitsstudie für zentrales Entwicklungsareal in Friedrichshain“ veröffentlichte. Fünf Büros waren mit Entwürfen beauftragt worden und sollten zeigen, wie rund 500 Wohnungen, eine Sporthalle und eine Schule auf das Grundstück passen. Im Rahmen eines laut WBM „qualitätsorientierten Auswahlverfahrens durch ein prominent besetztes Auswahlgremium“ wurde der Vorschlag von Stefan Forster Architekten (Frankfurt am Main) gekürt. Besetzt war das Gremium durch Maria Clarke (CKRS Architekten), Markus Penell (O&O Baukunst) und Carsten Maerz (Machleidt Städtebau und Stadtplanung) sowie Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt, Bezirksstadtrat Florian Schmidt (Bündnis 90/Die Grünen) und WBM-Geschäftsführer Lars Dormeyer.
Die Diskussion nahm Fahrt auf, als die WBM im Dezember 2025 das Ergebnis einer „Machbarkeitsstudie für zentrales Entwicklungsareal in Friedrichshain“ veröffentlichte. Fünf Büros waren mit Entwürfen beauftragt worden und sollten zeigen, wie rund 500 Wohnungen, eine Sporthalle und eine Schule auf das Grundstück passen. Im Rahmen eines laut WBM „qualitätsorientierten Auswahlverfahrens durch ein prominent besetztes Auswahlgremium“ wurde der Vorschlag von Stefan Forster Architekten (Frankfurt am Main) gekürt. Besetzt war das Gremium durch Maria Clarke (CKRS Architekten), Markus Penell (O&O Baukunst) und Carsten Maerz (Machleidt Städtebau und Stadtplanung) sowie Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt, Bezirksstadtrat Florian Schmidt (Bündnis 90/Die Grünen) und WBM-Geschäftsführer Lars Dormeyer.
Stefan Forster Architekten schlagen vor, das SEZ abzureißen und stattdessen überwiegend sechsgeschossigen Blockrand sowie einen zehngeschossigen Akzent an der Kreuzung zu bauen. Dahinter soll ein öffentlicher Grünbereich mit einem sogenannten Historien-Parcours entstehen. Die Visualisierung verspricht Rankhilfen aus den charakteristischen Fachwerkstützen des SEZ. Während auch drei andere Teilnehmer dem Abrissgedanken folgen, möchte 03 Arch. (München) die Wohnungen in Hochhäusern auf dem hinteren Teil des Grundstücks unterbringen, wodurch ein Großteil des SEZ erhalten bleiben könnte.
Mit dem von Stefan Forster Architekten überarbeiteten Entwurf kommuniziert die WBM den für 2028 geplanten Baubeginn auf ihrer Website. Das Architekturbüro präsentiert das Projekt auf seiner Website wiederum als „1. Preis beim Gutachterverfahren“. Einen Realisierungswettbewerb wird es demnach nicht geben. Gemessen an der Prominenz von Grundstück und Bestand lassen Transparenz und Ablauf des Verfahrens durchaus zu wünschen übrig.
Mit dem von Stefan Forster Architekten überarbeiteten Entwurf kommuniziert die WBM den für 2028 geplanten Baubeginn auf ihrer Website. Das Architekturbüro präsentiert das Projekt auf seiner Website wiederum als „1. Preis beim Gutachterverfahren“. Einen Realisierungswettbewerb wird es demnach nicht geben. Gemessen an der Prominenz von Grundstück und Bestand lassen Transparenz und Ablauf des Verfahrens durchaus zu wünschen übrig.
Bisher wurde im Verfahren nie geprüft, ob Bestandserhalt nicht vielleicht Vorteile hätte.Susanne Lorenz vom „Bündnis SEZ-Quartier neu denken“
Hochhäuser statt Abriss
Am 2. März 2026 sollte nun der Abriss des SEZ beginnen. Doch das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg mit Baustadtrat Florian Schmidt hat vergangene Woche einen Abrissstopp verhängt und begründete dies mit „artenschutzrechtlichen Bedenken“. Diverse Naturschutzverbände hatten den abrupten Abrissstart im Vorfeld kritisiert, weil im Gebäude Fledermäuse und Kleinvögel nisten.
Außerdem stellte Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann (Bündnis 90/Die Grünen) gestern eine Alternative zum Abriss im Abgeordnetenhaus vor. Die Grundlage bildet ein Entwurf des frisch gegründeten Bündnisses „SEZ-Quartier neu denken“, einer Gruppe von Fachleuten und Vertreter*innen der seit langem gegen den Abriss aktiven Bürgerinitiativen. Sie fordert eine Machbarkeitsstudie mit Fokus auf den Erhalt des SEZ. „Bisher wurde im Verfahren nie geprüft, ob Bestandserhalt nicht vielleicht Vorteile hätte“, sagt Susanne Lorenz vom Bündnis.
Am 2. März 2026 sollte nun der Abriss des SEZ beginnen. Doch das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg mit Baustadtrat Florian Schmidt hat vergangene Woche einen Abrissstopp verhängt und begründete dies mit „artenschutzrechtlichen Bedenken“. Diverse Naturschutzverbände hatten den abrupten Abrissstart im Vorfeld kritisiert, weil im Gebäude Fledermäuse und Kleinvögel nisten.
Außerdem stellte Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann (Bündnis 90/Die Grünen) gestern eine Alternative zum Abriss im Abgeordnetenhaus vor. Die Grundlage bildet ein Entwurf des frisch gegründeten Bündnisses „SEZ-Quartier neu denken“, einer Gruppe von Fachleuten und Vertreter*innen der seit langem gegen den Abriss aktiven Bürgerinitiativen. Sie fordert eine Machbarkeitsstudie mit Fokus auf den Erhalt des SEZ. „Bisher wurde im Verfahren nie geprüft, ob Bestandserhalt nicht vielleicht Vorteile hätte“, sagt Susanne Lorenz vom Bündnis.
Der Entwurf des Bündnisses erinnert mit seiner städtebaulichen Setzung an die von 03 Arch. vorgeschlagene Herangehensweise. Drei Hochhäuser im hinteren Bereich des Grundstücks und ein weiteres, auf dem Seitenflügel des Bestands „aufgesetztes“ bieten Platz für 500 Wohnungen. Im SEZ sollen öffentliche Funktionen und Veranstaltungsräume unterkommen. Neben Wohnungen fehle es dem Bezirk an Sport- und sozialen Angeboten, sagt Florian Schmidt gegenüber BauNetz. Er ist selbst im Bündnis aktiv.
In den nächsten Wochen will sich das Bezirksamt nun mit der Senatsverwaltung und der WBM einigen. Eine Frist zur Erfüllung der umweltrechtlichen Auflagen gebe es zwar nicht, doch rechnet der Bezirk damit, dass die Abrissarbeiten noch bis Oktober pausiert werden können. Sollte sich keine Einigung finden, sei bis zur Wiederaufnahme eine unabhängige Studie des Bezirks möglich, die der neuen Landesregierung als Entscheidungsvorlage dienen könnte. Im September wählt Berlin einen neuen Senat.
In den nächsten Wochen will sich das Bezirksamt nun mit der Senatsverwaltung und der WBM einigen. Eine Frist zur Erfüllung der umweltrechtlichen Auflagen gebe es zwar nicht, doch rechnet der Bezirk damit, dass die Abrissarbeiten noch bis Oktober pausiert werden können. Sollte sich keine Einigung finden, sei bis zur Wiederaufnahme eine unabhängige Studie des Bezirks möglich, die der neuen Landesregierung als Entscheidungsvorlage dienen könnte. Im September wählt Berlin einen neuen Senat.
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Zur Wahrheit gehört auch, dass bereits 2018, unter der damaligen Senatorin Frau Lombscher von der Linken, mit den Stimmen der Grünen und der Linken (beide Parteien votieren heute vehement gegen den Abriss) ein Bebauungsplan entwickelt wurde. Dieser Plan sieht den ersatzlosen Abriss des SEZ vor, er ist rechtsgültig. Auf Grundlage dieses Planes, der im übrigen einen Hochpunkt an der Ecke Landsbergerallee vorsieht, hat die WBM ein Architektenauswahlverfahren durchgeführt, mit dem Ziel mehr Wohnfläche zu generieren. Aus diesem Auswahlverfahren ist die vorliegende Machbarkeitsstudie von uns entstanden.
Es gibt das so Fachleute, die heißen Architekten, die kann mensch fragen.
Ich wundere mich immer wieder, mit welcher Unverfrorenheit die sogenannten Entscheider vorgehen. und das es dann noch Claqueure gibt, die die Aktivisten, die gegen einen solchen hochbezahlten Unsinn in ihrer unbezahlten Freizeit vorgehen, mit Häme und Spott überziehen.
Übrigens:
Ähnliche Vorgehensweise wie einst beim Ahornblatt.
Lösung - Hochhaus - lag vor, alle waren einverstanden, Bezirk, Investor, Verkäufer, Architekt. Der Senat hat es an sich gezogen und sabotiert. Mit voller Absicht.
Danke.