Neuer eigener Standort
Bürogebäude in Basel von Herzog & de Meuron
Das 50 Hektar große Dreispitz-Areal liegt je zur Hälfte in Basel und der angrenzenden Gemeinde Münchenstein. Ursprünglich landwirtschaftlich genutzt, entwickelte es sich ab Anfang des 20. Jahrhunderts erst zum Lager- und Umschlagplatz, später zum Standort für Unternehmen aus Logistik, Produktion und Dienstleistung. Auf Grundlage einer Studie von Herzog & de Meuron (Basel) von 2002/03 wird das Areal schrittweise zum gemischten Stadtquartier transformiert.
Die Architekt*innen selbst sprechen von der „Vision Dreispitz“. Bereits seit 2014 ist HdM auf dem Areal selbst präsent. Der von ihnen entworfene, sogenannte Helsinki-Dreispitz vereint Büro- und Wohnnutzungen und beherbergt das Archiv des Architekturbüros.
Mit einem Neubau namens Nr. 510 Mailand-Strasse setzen HdM ihre Vision nun baulich weiter fort. Das Gebäude bietet neben dem traditionellen Hauptsitz des Büros an der Rheinschanze und den Räumen im Helsinki-Dreispitz einen weiteren Standort für rund 300 Mitarbeitende. Wie bereits beim Helsinki-Dreispitz liegt auch der Neubau an der Mailand-Strasse in eigener Hand. Als Entwicklerin und Bauherrin tritt die JP Mailand AG auf – die Immobiliengesellschaft von Jacques Herzog und Pierre de Meuron. Sie übernahm 2018 die Liegenschaft samt dem 1956 errichteten Bestandsgebäude einer ehemaligen Speditionsfirma, das für den Neubau weichen musste.
Mit seiner spitzen, fast dreieckigen Form erweist das Gebäude seiner Umgebung namentlich alle Ehre. Entlang der Gleise gelegen, folgt der Bau der Geometrie des ehemaligen Bahn- und Logistikareals mit spitz zulaufender Parzellenstruktur. Das Gebäude wurde als Holz-Hybridbau realisiert. Die tragende Struktur besteht überwiegend aus Holz, während Beton lediglich für Erschließungskerne, Brandwand und im Untergeschoss zum Einsatz kam. Die abgetreppte Baugrube verringerte den Betonbedarf zusätzlich, betonen HdM.
Das Heiz- und Kühlsystem ist in die Lehmplatten der Decken integriert und arbeitet zusammen mit natürlicher Belüftung sowie Photovoltaikpaneelen auf der Südfassade und dem Dach. Insgesamt sei ein modulares, kreislauffähiges Konzept umgesetzt worden, das eine spätere Demontage und Wiederverwendung von Bauteilen erlaube, sagen die Architekt*innen.
Die klar strukturierte Fassade mit horizontalen Fensterbändern und brüstungshohen Paneelen aus Wellblech zitiert die industriell geprägte Umgebung. Oberhalb der ersten fünf Geschosse entwickelt sich eine große Dachstruktur, die drei weitere Stockwerke aufnimmt. Laut Architekt*innen entstand die Kubatur unter anderem durch Vorgaben zum Schattenwurf. Aufgelockert wird die Form durch Balkone und Loggien. An der Spitze betonen die vorgelagerten Außenbereiche die Form des Volumens.
Im Inneren strukturieren drei miteinander verbundene Erschließungskerne den Grundriss. Die Architekt*innen sprechen von einem „Vertikalen Campus“, bei dem sich unterschiedliche Raumtypen – offene Arbeitsbereiche, Besprechungsräume, Rückzugszonen und kollaborative Bereiche – von Etage zu Etage abwechseln. Vertikale Verbindungen wie das Treppenhaus an der Nordspitze, ein zweigeschossiger Bibliotheksraum oder ein über zwei Ebenen offener, gemeinschaftlich nutzbarer Arbeitsbereich sollen den Austausch zwischen den Teams fördern. Im Untergeschoss befindet sich ein Fahrradkeller. Eine Cafeteria im Erdgeschoss sowie die Außenbereiche auf den einzelnen Geschossen und eine Dachterrasse ergänzen das Konzept. (dsm)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- Herzog & de Meuron
- Projektteam:
- Santiago Espitia Berndt (Partner in Charge), Alexander Stern (Project Director (Associate)), Lucas Podzuweit (Project Architect), Michael Bär (Associate), Daria Trovato, Francisco Jaramillo, Carlo Ben Kauffmann, João Pereira, Ilse Kempf, Giulia Gelmetti, Annabell Wolf, Samuel Rindlisbacher, Francisca Soares de Moura, Helen Winter, Kaleb Eggert, Isaac Martinez, Paula Ködding, Massimo Corradi, Aurel Hampe, Selina Merz, Laila Miarelli, Jonas Läufer
- Tragwerksplanung:
- Schnetzer Puskas International
- Ingenieur:
- Rapp Infra
- Gebeäudetechnik:
- Probst + Wieland AG
- Gebeäudetechnik:
- Waldhauser + Hermann
- Fassadenplanung:
- Christoph Etter Fassadenplanungen
- Bauphysik:
- brücker+ernst
- Bauherrschaft:
- JP Mailand
- Fläche:
- 7.259 m² Bruttogrundfläche
Weitere Beispiele für die Entwicklung hin zum gemischt genutzten Stadtteil im Dreispitz sind die Hochschule für Gestaltung und Kunst, das ebenfalls von Herzog & de Meuron entworfene Schaulager und das Kunsthaus Baselland.
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