Monolith statt Solitär
Kulturzentrum auf Korsika von A Fabrica Architettura
Wie baut man ein Kulturzentrum direkt neben einer Barockkirche, ohne mit ihr in Konkurrenz zu treten? In Corbara, im Norden Korsikas antwortet das Büro A Fabrica Architettura (E Ville di Pietrabugnu/Marseille/Nizza) mit monolithischer Zurückhaltung. Anstatt eines spektakulären Solitärs entwickelten die Architekt*innen ein Gebäude, das sich in die Topografie einschreibt und diese zugleich fortführt.
Der Name des Projekts Spaziu Davia Franceschini verweist auf eine historische Persönlichkeit der Insel. Seine eigentliche Referenz findet der Neubau jedoch weniger in der Geschichte als in der Landschaft Korsikas. Die Architekt*innen vergleichen das Kulturzentrum mit den landwirtschaftlichen Terrassen, die vielerorts die steilen Hänge der Insel prägen. Eine Analogie, die oft bemüht wirkt, hier jedoch durchaus nachvollziehbar erscheint. Das Projekt vermittelt zwischen den Höhenniveaus des Ortes, wobei die Tribüne der Freilichtbühne Hauptakteurin dieser topografischen Inszenierung wird.
Die Lage direkt neben der Kirche könnte prominenter kaum sein. Ein geknickter, L-förmiger Baukörper fasst die nordöstliche Seite des Areals. Sein begehbares Dach wird Teil der öffentlichen Wegeführung und verbindet die Ebenen des Geländes miteinander. Von hier führen Wege weiter zur Kirche oder hinunter zur Freilichtbühne.
Auf rund 450 Quadratmetern organisiert das eingeschossige Gebäude einen Mehrzwecksaal für Ausstellungen, Seminare und Veranstaltungen sowie zugehörige Nebenräume. Die Freianlagen mit Bühne und Zuschauerbereich nehmen weitere 3.500 Quadratmeter ein.
Materialprägend ist der Ortbeton, der dem Projekt eine beinahe archaische Präsenz verleiht. Je nach Situation erscheint er als Stützmauer, Einfriedung oder Gebäudewand. Die massiven Fassaden werden von tief eingeschnittenen Öffnungen durchbrochen, die gezielt Ausblicke auf Dorf, Kirche und Landschaft rahmen sollen. In ihrer Materialität und Farbigkeit erinnern die Betonflächen an die steinernen Terrassenmauern und Wirtschaftsgebäude der Region. Das wirkt stellenweise etwas didaktisch, verleiht dem Haus jedoch eine ruhige Selbstverständlichkeit. (gk)
- Fertigstellung:
- 2026
- Architektur:
- A Fabrica Architettura
- Mitwirkung Architektur:
- CGZ architectes
- Ingenieurbüros:
- Domene, Ekium Ingenia, STD Paysage, Atelier Rouch
- Bauherrschaft:
- Stadt Corbara
- Fläche:
- 3.950 m²
- Baukosten:
- 2.300.000 €





Dimensionen, Farbigkeit und „Anpassung“ im positivsten Sinn, eine absolute Bereicherung.
Und endlich mal die Darstellung eines Lageplans mit Schattenwurf, der das Ganze schon auf der Zeichnung erlebbar macht, klasse, gefällt mir.