Römisches Atrium, französischer Naturstein
Kulturzentrum in Provence-Alpes-Côte d’Azur von Tectoniques
Dass sich Tectoniques (u. a. Lyon) bei ihrem kürzlich fertiggestellten Kulturzentrum in Vaison-la-Romaine auf das römische Atriumhaus beziehen, liegt nahe: Der Ort verfügt über eine bedeutende gallorömische Geschichte und zählt heute zu den größten archäologischen Ausgrabungsstätten Frankreichs.
Zuletzt erweiterte sich die in Provence-Alpes-Côte d’Azur gelegene Kleinstadt am Rand um eine kleine Einfamilienhaussiedlung. In deren Mitte beauftragte die Kommune das Kultur- und Sportzentrum. Umgeben von privaten Parzellen und ohne unmittelbar angrenzenden öffentlichen Raum suchten die Architekt*innen nach einer introvertierten Struktur.
Zwei parallele große Natursteinmauern definieren die Ausmaße des eingeschossigen, quadratischen Baus mit 55 Meter Seitenmaß. Die anderen beiden Fassaden öffnen sich nur insofern mehr, als dass sie eine Arkade bilden. Wobei die kräftigen Pfeiler lediglich eine leichte Pergola tragen und einen bepflanzten Pufferraum für die dahinterliegenden Räume schaffen. Also auch hier alles in sich gekehrt.
Den Eingang in das Kulturzentrum schafft zwar eine große, breite Öffnung in der Sandsteinmauer, doch auch diese lässt durch ihre Holzlatten-Tore nur wenig nach außen dringen. Hat man den Eingang durchquert, steht man in einem begrünten Vorhof, der Elemente des römischen Typus domus aufgreift – als eine Mischung aus Atrium (dem Hauptraum im domus) und Peristyl (dem von Stützengängen umgebenen Gartenhof).
Über die im Gegensatz zum massiven Stein sehr schlanken Stahlstützengänge – freilich haben sich Tectoniques auch von Kreuzgängen inspirieren lassen – gelangt man in sämtliche Bereiche der dreiteiligen Anlage. In der mittigen Achse befindet sich noch ein Sportplatz. Die als Holzrahmenbau konstruierten Flügel links und rechts beherbergen das übrige Programm: südöstlich ein Kinderzentrum plus Veranstaltungssaal, nordwestlich Musik und Tanz.
Die drei Haupträume setzen sich formal ab: Der Veranstaltungssaal bekam reichlich Platz unter einem Tonnendach, die zwei Tanzstudios werden durch pyramidenartige Aufsätze mit Oberlicht versorgt. Dabei lassen die Architekt*innen die unterschiedlichen Dachformen sacht über die hohen Außenmauern ragen. Deren Naturstein stammt übrigens aus einem nahegelegenen Steinbruch, um auch diesen lokalen Bezug ins Spiel zu bringen. (mh)
- Fertigstellung:
- 2026
- Architektur:
- Tectoniques
- Landshcaftsarchitektur:
- LJN
- Statik, TGA:
- Tectoniques Ingénieurs
- Akustik:
- Gamba
- Bauherrschaft:
- Gemeindeverband Vaison-Ventoux
- Fläche:
- 1.500 m² Fläche
- Baukosten:
- 4.800.000 €




