Freche Hühner, mutige Bauherr*innen
Landbaukultur-Preis 2026 vergeben
Der Landbaukultur-Preis bringt ein ums andere Mal ungewöhnliche Neu- und Umbautypologien aufs Tableau – zumindest für so manche Städter*innen, denen das Landleben noch hin und wieder bizarr erscheint. So erzählen die ausgezeichneten Gebäude nicht selten vom direkten Zusammenleben mit Tieren und Natur. Das beweist auch die diesjährige sechste Ausgabe: etwa mit einem Hühnerstall, einem Alpakastall, einem umgenutzten Kuhstall oder einer Haus-in-Haus-Wohnung in einer alten Wassermühlenscheune.
Dieses Best of Nutztierbauten reiht sich wunderbar in die prämierten Projekte der letzten Jahre ein – Rinderstall, Bienenhaus, Ziegenstall und so weiter. Allerdings sei die Qualität der eingereichten Objekte in der aktuellen Runde so hoch wie nie gewesen, sagt Architektin Susanne Wartzeck, die wie schon 2022/23 und 2020/21 den Juryvorsitz innehatte. Insgesamt 79 Bauherr*innen aus Deutschland und Österreich bewarben sich. Ausgeschrieben wird der Landbaukultur-Preis zweijährig von der Stiftung Landwirtschaftsverlag, seit 2020 im gesamten DACH-Raum. Dotiert ist die Auszeichnung mit 30.000 Euro. Als Schirmherrin trat dieses Jahr Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) auf. Die vier Preisträger (je 6.000 Euro) und zwei Anerkennungen (je 3.000 Euro) im Überblick:
- Preis: Umbau einer Wassermühlenscheune zur Wohnung im rheinland-pfälzischen Dudeldorf; Architektur: Ideenschmiede Streit-Marx; Bauherrschaft: Silke Germann
Die Jury schreibt: Der junge Architekt habe es gemeinsam mit der mutigen Eigentümerin geschafft, der dem Verfall preisgegebenen Scheune „die Magie des Ortes (ein kleines Tal mit Bach und Aue)“ einzuhauchen. Gelungen sei auch „der Verzicht auf die kultivierende Hand des Gärtners, die umgebende Landschaft bleibt rau, spröde und damit typisch Eifel“. - Preis: Umgestaltung einer Hofstelle im Dorfzentrum des bayrischen Wolfersdorf; Architektur: büro dantele Architekten Stadtplaner; Bauherrschaft: Jutta u. Horst Neuhauser
Die Jury schreibt: „Das Projekt schafft Wohnraum für drei Generationen in einem ehemaligen landwirtschaftlich genutzten Gebäudeensemble.“ Gleichzeitig bleibe der Bezug zur lokalen Bautradition erhalten.
- Preis: Sanierung eines Bauernhaus-Denkmals von 1601 im bayrischen Tiefenbach; Architektur: Maximilian Hartinger; Bauherrschaft: Christina u. Robert Roßgoderer
Die Jury schreibt: Bei diesem sicherlich aufwändigen Beispiel einer denkmalgerechten Sanierung bleiben die Spuren eines langen Häuserlebens auch nach der Maßnahme „wohltuend lesbar“. - Preis: Hühnerstall im Kärntner Millstadt am See; Architektur: Hohengasser Wirnsberger Architekten; Bauherrschaft: Thomas Winkler
Die Jury schreibt: „Das erfrischend vorgetragene Projekt lässt das große Engagement der ganzen Familie Winkler für Region und Baukultur spüren“
Anerkennungen:
- Umnutzung eines Kuhstalls zum Wohnhaus im nordrhein-westfälischen Welver; Architektur: Jenna Prahl; Bauherrschaft: Ellen u. Benedikt Reckert
- Alpakastall im rheinland-pfälzischen Hofweiler; Architektur: Rainer Roth Architekt; Bauherrschaft: Heike u. Stefan Schiltz
Es habe die Jury beeindruckt, „wie kreativ und zugleich zurückhaltend respektvoll die Eigentümer und Architekten mit der historischen Bausubstanz umgegangen sind“, so Wartzeck. Bemerkenswert ist auch die Prise Humor, mit der die Bauherrschaften und Architekt*innen in manchen Fotos darstellen, dass diese Gebäude besonderen Nutzer*innen dienen – seien sie nun menschlich oder tierisch. (mh)




