Mehr Platz für den 1-Euro-Ansturm
Mensa von BPM Architectes in Talence
Seit Mai 2026 kostet ein Essen in den französischen Universitätsmensen nur noch einen Euro. Was für Studierende eine enorme finanzielle Entlastung bedeutet, bringt den Mensabetrieb vielerorts an seine Grenzen: Zahlreiche CROUS-Mensen (Centre Régional des Œuvres Universitaires et Scolaires) sind räumlich und personell schlichtweg nicht dafür ausgelegt. Lange Warteschlangen und keine freien Sitzplätze gehören inzwischen zum Alltag.
Zumindest in Talence dürfte die Situation nun etwas entspannter sein. Seit Januar 2026 ist dort ein neues Universitätsrestaurant in Betrieb, das den logistischen Anforderungen gerecht werden soll. Der von BPM Architectes (Bordeaux) entworfene Holz-Beton-Hybrid ersetzt eine Mensa aus den 1960er Jahren und liegt inmitten des Universitätscampus von Talence, einem der größten Europas, südwestlich von Bordeaux.
Die Architekt*innen sprechen von einem multifunktionalen Zentrum. Neben dem Speisesaal, der auch als Ort zum Lernen, Arbeiten oder Plaudern gedacht ist, wird das Angebot durch einen direkt vom öffentlichen Raum zugänglichen CROUS Market (für Snacks oder Kaffee) und einen Waschsalon im Erdgeschoss sowie einen eigenständigen Seminar- und Veranstaltungsbereich im Obergeschoss ergänzt. Damit reagiere das Projekt auf veränderte Nutzungsgewohnheiten und die Erwartungen der Studierenden, so BPM.
Zur Stadt hin öffnet sich das Resto U' L'Amazone über einen großzügigen Vorplatz, der direkt an die Straßenbahn angebunden ist. Der ebenfalls von BPM gestaltete Freiraum führt die Besucher*innen vom öffentlichen Raum in das Gebäude und setzt sich dort als begrünter Vorhof fort. Holzstege und Terrassen erweitern die Flächen nach außen.
Konstruktiv handelt es sich um einen Hybrid: Über einem Betonsockel wurde das Gebäude in Holzbauweise errichtet. Für Fassaden, Dachtragwerk und Außenelemente kam regionales Seekiefernholz zum Einsatz. Prägend ist das regelmäßige Holzraster, das die gesamte Gebäudehülle gliedert. Zum Nachhaltigkeitskonzept gehören unter anderem eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung, Photovoltaik auf dem Dach sowie Regenwassernutzung.
Die Innenräume sind offen und hell gestaltet. Eine Galerie ermöglicht Ausblicke auf den Vorhof und Zugang zu überdachten Terrassen im Obergeschoss. Eingangshalle, Wartebereich, Essensausgabe und Speisebereiche befinden sich im Erdgeschoss. Mit Gemeinschaftstischen, ruhigeren Sitzbereichen, Stehtischen und Nischen bietet der Speisesaal unterschiedliche Aufenthaltsqualitäten. Mehrere Ausgabekioske ermöglichen ein vielfältiges gastronomisches Angebot und sorgen gleichzeitig für eine flüssigere Besucherführung. Die Zentralküche sei auf eine deutlich höhere Produktionskapazität ausgelegt als der Vorgängerbau.
Das Ambiente kommt gut an: In Bewertungen loben viele Studierende die Mensa als modernen Food-Court. Den Ansturm infolge des 1-Euro-Angebots kann jedoch auch der Neubau nicht vollständig auffangen – zu den Stoßzeiten reichen die Warteschlangen laut Bewertungen weiterhin bis auf den Vorplatz. (dsm)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- BPM Architectes
- Landschaftsarchitektur:
- BPM Architectes
- Ingenieurbüro:
- OTCE
- Küchenplanung:
- Cuisinorme
- Ingenieurbüro für Umwelttechnik:
- HTM
- Ingenieurbüro für Akustik:
- Gantha
- Projektsteuerung:
- Math Ingenierie
- Bauherrschaft:
- Crous Bordeaux Aquitaine
- Fläche:
- 3.820 m²
- Baukosten:
- 10.140.000 €






