EU plant Smart Readiness Indicator
Wie weit ist die Baubranche?
Die Europäische Union plant die Einführung eines Intelligenzfähigkeitsindikators (Smart Readiness Indicator, SRI) für Gebäude. Viele Architekt*innen und Planer*innen reagieren skeptisch, werden jedoch nicht darum herumkommen, sich mit dem Thema zu beschäftigen.
Ein einziger Wert soll zukünftig Auskunft darüber geben, wie gut ein Gebäude digitale Technologien und elektronische Systeme nutzt, um die Energieeffizienz im Betrieb zu optimieren, den Nutzungskomfort zu erhöhen und die Interaktion mit dem Stromnetz zu verbessern. Seit diese Idee 2018 in der Europäischen Gebäudeeffizienzrichtlinie (EPBD) verankert und in der Novelle 2024 konkretisiert wurde, sind die Planungen weit gediehen.
Die EU-Kommission hat ein komplexes Bewertungssystem vorgeschlagen, das in nationalen Testphasen – darunter auch in Deutschland – evaluiert wurde. Geplant ist, den SRI zunächst für Nichtwohngebäude einzuführen, deren Energiebedarf für Raumheizung, Kühlung und Lüftung zusammen mehr als 290 Kilowatt beträgt. Bis Juni 2027 will die EU-Kommission endgültig entscheiden. Dann sind die Mitgliedsstaaten am Zug, gemäß den Vorgaben umzusetzen.
„Sollte der deutsche Gesetzgeber einen verpflichtenden SRI-Ausweis oder das Erreichen eines bestimmten Ziel-Scores (oder Unter-Scores zum Beispiel für Schlüssel-Funktionalitäten) festlegen, muss die TGA-Planung darauf ausgelegt werden“, erläutert Thomas Koutalidis vom Kompetenzzentrum Energieeffizienz durch Digitalisierung (KEDi): „Das bedeutet, dass Neubauten oder Umbauten so konzipiert sein müssen, dass die technische Ausstattung die geforderten SRI-Kriterien zur Energieeffizienz, Netzdienlichkeit und Nutzerfreundlichkeit erfüllt.“
In der Branche selbst ist der SRI momentan allenfalls ein Randthema. „Im Planungsalltag vieler Architekturbüros spielte der SRI bislang nur eine untergeordnete Rolle“, meint Ruth Schagemann, Geschäftsführerin des Verbindungsbüros der Bundesarchitektenkammer in Brüssel. Andere Themen wie die Lebenszyklusbilanzierung hätten stattdessen im Mittelpunkt der Diskussionen um die EPBD gestanden.
„Der Smart Readiness Indicator war bislang in meinem beruflichen Umfeld kein Thema – weder im Büro noch am Lehrstuhl noch in Veranstaltungen“, sagt auch Elisabeth Endres, Mitglied der Geschäftsleitung im Ingenieurbüro Hausladen und Leiterin des Instituts für Bauklimatik und Energie der Architektur an der TU Braunschweig. Aus ihrer Sicht spricht nichts per se dagegen, einen solchen Wert zu erheben, um zu ergänzen: „Die entscheidende Frage ist jedoch: Was machen wir damit? Es wäre eine Katastrophe, wenn aus bestimmten Grenzwerten bauliche Anforderungen abgeleitet würden.“
Auch Schagemann ist skeptisch: „Der SRI darf technische Komplexität nicht zum Qualitätsmaßstab für das gesamte Gebäude machen. Zugleich dürfen robuste und passive architektonische Lösungen nicht benachteiligt werden.“
Kunibert Lennerts, Leiter der deutschen SRI-Testphase am Karlsruher Institut für Technologie, hält die Befürchtung, gestalterische Aspekte könnten in den Hintergrund treten, für unbegründet. In der konkreten Umsetzung werde die Bauherrschaft ein bestimmtes Anforderungsniveau vorgeben, also einen SRI-Gesamtwert. „Dann hat der Architekt mit dem SRI eine eindeutige Checkliste, wie er diesen Standard erreichen kann“, sagt Lennerts. „Dabei ist er jedoch nicht komplett eingepfercht.“ Es gebe immer unterschiedliche Wege und damit Gestaltungsmöglichkeiten zur Erreichung eines Zielwertes.
Unabhängig davon, wie die Ausgestaltung des SRI zunächst durch die EU und dann durch Deutschland im Detail aussehen wird, ist klar: Das Thema Intelligenzfähigkeit wird auf jeden Fall mehr Raum in der Planung von Gebäuden einnehmen.




