Zwischen Industriehalle und Kunst-Kathedrale
Museum in Brügge von Robbrecht en Daem architecten und Olivier Salens Architecten
Nach sieben Jahren Planungs- und Bauzeit eröffnet am heutigen Freitag die Kunsthalle BRUSK in Brügge. Mit dem von Robbrecht and Daem architecten (Ghent) und Olivier Salens Architecten (Brügge) entworfenen Bau erhält die Museumslandschaft der mittelalterlichen belgischen Stadt einen überraschenden Akzent.
Bislang sind die Museen im historischen Zentrum überwiegend in denkmalgeschützten Bauten untergebracht – etwa im Rathaus, in der Liebfrauenkirche, im Freiamt oder in einem ehemaligen Krankenhaus. Neubauten spielten hier nur eine untergeordnete Rolle. Eine Ausnahme bildet lediglich ein neuer Eingangspavillon von noAarchitecten, der 2019 zwischen Stadthaus und Kirche eingefügt wurde. Dies ändert sich nun mit der neuen Kunsthalle. Sie liegt direkt zwischen dem Groeningemuseum, das bis 2031 saniert werden soll, dem neuen Museumsforschungszentrum BRON und einem Museumspark, der bis 2031 fertiggestellt wird.
Aus dem Kontext und der Aufgabe heraus, entwickelten die Architekt*innen ein Haus auf zwei Ebenen mit insgesamt 9.500 Quadratmetern Geschossfläche. Das weitgehend verglaste Erdgeschoss fungiert im Wesentlichen als frei zugängliche öffentliche Passage mit drei Eingängen, entlang derer sich Veranstaltungs- und Seminarräume, Bildungsangebote, der obligatorische Museumsshop sowie ein Restaurant anordnen. Dieser Bereich lässt sich als Erweiterung des öffentlichen Raums in überdachter Form verstehen: So barrierefrei und transparent wie möglich – ein Raum, der ähnlich einer Straße oder einem Marktplatz belebt werden kann.
Im Zentrum des Gebäudes findet sich ein heller Raum mit zwei breiten Treppen zu den Ausstellungshallen im Obergeschoss. Deren Dimensionen sind bemerkenswert: Einer misst 40 mal 40 Meter, der andere 40 mal 20 Meter. Beide werden stützenfrei von mächtigen Walmdächern überspannt, die den Innenraum auf bis zu 13,75 Meter ansteigen lassen. Die Architekt*innen ließen sich dafür eher von Kirchenräumen und Industriehallen als von klassischen White Cubes inspirieren.
Besonders auffällig ist die Lichtführung: Große Nordoberlichter holen Tageslicht in die Hallen, eine bewusste Referenz an historische Künstlerateliers. Zusätzlich gibt es in den Dächern Öffnungen nach Süden, sodass das kühle Nordlicht gezielt durch warmes Südlicht ergänzt werden kann. Jalousien ermöglichen es, den Lichteinfall an sämtlichen Fenstern stufenweise zu regulieren oder vollständig auszublenden. Die Hallen lassen sich unterteilen und sind auch für Performances, Tanz und zeitgenössische Musikformate gedacht.
Auch technisch setzt das Gebäude neue Maßstäbe. Außen ist das markante Doppeldach mit grünlich schimmernden Glasschindeln verkleidet, in die PV-Elemente eingesetzt sind. Dadurch wird das Dach zu einem kleinen Kraftwerk. Erdwärmepumpen sorgen für Heizung und Kühlung. Trotz seiner Größe fügt sich der Neubau gut in die bestehende Dachlandschaft der historischen Stadt. Die grünliche Tönung des Dachs vermittelt zwischen Architektur, Stadtgrün und dem künftig angrenzenden Museumspark. (fh)
- Architektur:
- Robbrecht en Daem architecten und Olivier Salens Architecten
- Developer and Contractor:
- CIT Red und CIT Blaton
- Landschaftsarchitektur:
- Georges Descombes und Tractebel
- Tragwerk:
- Ney & Partners
- Haustechnik:
- De Klerck Engineering, Max Fordham
- Akustik:
- Bureau De Fonseca
- Nachhaltigkeit:
- SuReal Sustainability Experts
- Bauherrschaft:
- Stadt Brügge
- Fläche:
- 9.500 m² Geschossfläche
Vom 8. bis 10. Mai 2026 feiert das BRUSK seine Eröffnung mit einem umfassenden Programm bei freiem Eintritt: www.bruskbrugge.be









