Wenig Geste, viel Stadt
Platzgestaltung in Ferrara von Inout architettura
Auf den ersten Blick wirkt dieses Projekt unspektakulärer als vieles, was wir hier sonst zeigen. Doch gerade solche Eingriffe entscheiden oft stärker über die Qualität einer Stadt als der nächste ikonische Solitär. Im historischen Zentrum von Ferrara hat das ortsansässige Büro Inout architettura die Piazza Cortevecchia von einem asphaltierten Parkplatz in einen durchlässigen Stadtraum verwandelt.
Der rund 2.600 Quadratmeter große Platz liegt nur wenige Straßenecken von Ferraras Hauptsehenswürdigkeiten entfernt. Nachdem in unmittelbarer Nähe ein Parkhaus eröffnet wurde, konnte die Fläche neu gedacht werden. Heute fungiert sie gewissermaßen als Schwelle zur Altstadt: Fußgänger*innen queren den Platz auf dem Weg ins Zentrum, während Geschäfte, Bars und Restaurants dessen Ränder aktivieren.
Die Hauptakteure der Neugestaltung sind dabei Bäume, genauer Platanen. Mit ihren dichten Kronen spenden sie Schatten, sind hitzeverträglich und versprechen vergleichsweise schnell räumliche Wirkung. Gepflanzt wurden sie allerdings nicht ebenerdig, sondern in rund einen Meter hohe, stumpfkegelförmige Aufschüttungen. Die Lösung ist weniger gestalterische Geste als pragmatische Antwort auf den Bestand im Untergrund. Versorgungsleitungen, alte Fundamente und archäologische Überreste ließen tiefere Eingriffe nicht zu. Also wurden die Bäume – die als sogenannte Herzwurzler sowohl in die Breite als auch Tiefe wurzeln – kurzerhand ein wenig nach oben verlagert, schrieben die Architekt*innen. Diese Entscheidung verleiht dem Projekt seine eigentümliche räumliche Logik.
Auch der Platzbelag folgt der Logik der Baumpflanzungen. Die Fläche wurde mit Porphyrquadern gepflastert, deren Verlegung die kreisförmige Geometrie der Pflanzinseln aufnimmt und in konzentrischen Mustern über den Platz zieht. Stufen, Rampen oder sonstige Unterbrechungen gibt es nicht. Dass für den Belag Porphyr gewählt wurde, ist dabei nicht nur eine ästhetische Entscheidung. Der Naturstein fügt sich plausibel in den historischen Stadtraum ein und unterstützt zugleich das Regenwassermanagement. Unter den Bauminseln befindet sich eine Speicherschicht, die Wasser nach dem Schwammstadt-Prinzip sammelt und den Bäumen zeitversetzt wieder zur Verfügung stellt.
Auf den Fotos wirkt der umgestaltete Platz noch etwas karg und fast zu sauber, um bereits als Stadtraum zu funktionieren. Google Street View zeigt jedoch, worauf der Entwurf offenbar zielt. Runde Sitzbänke beleben die Fläche, Außengastronomie greift in den Platz hinein, die Platanen haben mittlerweile eine Krone. Hinzu kommt, dass der Platz künftig auch Märkte und Veranstaltungen aufnehmen soll. Für die Umgestaltung investierte die Stadt rund 800.000 Euro. (gk)
- Fertigstellung:
- 2024
- Architektur:
- INOUT architettura
- Projektteam:
- Mario Benedetto Assisi, Valentina Milani, Giulio Marchetti, Giovanni Gibertini
- Wasserbauingenieur:
- David Voltan
- Agrarwissenschaftler:
- Giovanni Morelli
- Bauherrschaft:
- Stadt Ferrara
- Fläche:
- 2.600 m²
- Baukosten:
- 800.000 €
Mehr zu Hochbeeten und bepflanzten Baumscheiben bei BauNetz Wissen





was für eine üble sache!
man sagt immer man pflanzt keine bäume auf plätzen damit man diese auch nutzen kann.
hier pflanzt man bäume und macht pickel auf den platz damit man ihn NICHT nutzen kann.
dafür hätte man dann wenigstens mehr bäume machen können....
es beisst sich in den schwanz, schade