Hanfbeton für Ightham Mote
Besucherzentrum in Kent von Reed Watts Architects
In der Grafschaft Kent, südöstlich von London, liegt das Anwesen Ightham Mote, das sich im Eigentum der britischen Denkmalpflegeorganisation National Trust befindet. Mit seinem von einem Wassergraben umgebenen Herrenhaus aus dem 14. Jahrhundert ist es ein beliebtes touristisches Ausflugsziel. Auf dem Gelände heißt nun ein neues, klimagerecht konzipiertes Empfangsgebäude die Besucher*innen willkommen. Es wurde nach einem Entwurf von Reed Watts Architects (London) realisiert, die dabei eng mit den Landschaftsarchitekt*innen von Colvin & Moggridge (Filkins) zusammenarbeiteten.
Das Projekt wurde im Rahmen des vom National Trust veranlassten Ightham Mote Infrastructure Project realisiert, das auch neue Parkplätze sowie Verbesserungen von Landschaftsgestaltung und Entwässerungssystemen umfasste. In dem am südlichen Ende eines ummauerten Gartens platzierten Besucherzentrum können sich die Gäste informieren, bevor sie das weitläufige Anwesen mit dem historischen Herrenhaus betreten.
Der Neubau ersetzt ein provisorisches Empfangsgebäude. Was seine Gestaltung betrifft, stand Nachhaltigkeit ebenso im Fokus wie eine zeitgenössische, aber zugleich dezente Erscheinung. Mit Hanfbetonsteinen, einer teilweisen Fassadenverkleidung aus lokal bezogener Edelkastanie und einer freiliegenden Holzkonstruktion im Inneren versuchten die Architekt*innen, den CO₂-Fußabdruck der Bausubstanz zu minimieren. Das Dach ist extensiv begrünt, der Einsatz von Kunststoffen wurde so weit als möglich vermieden.
Hanfbeton wird laut Reed Watts Architects im Vereinigten Königreich im Unterschied zu Frankreich noch eher selten eingesetzt. Verwendet wurden vorgefertigte, 40 Zentimeter starke Gussblöcke mit isolierendem Kalkmörtel, die sich ähnlich wie Betonblöcke verlegen lassen. Sie werden nicht nur extrem kohlenstoffarm produziert, sondern helfen auch bei der passiven Regulierung von Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Akustik im Gebäude. Außen ist ein Kalkputz aufgebracht, innen eine dünne Schicht Kalkfarbe, um die Steine sichtbar zu belassen, aber ihr Erscheinungsbild zu vereinheitlichen.
Der großzügige, flexibel bespielbare Innenraum mit Höhen von 3,40 und 4,90 Metern bringt neben einer Rezeption auch den zuvor im historischen Kutschenhaus befindlichen Museumsshop unter. Beide Bereiche verfügen über einen eigenen Eingang, sind aber im Inneren miteinander verbunden. Von einer überdachten Terrasse an der westlichen Querseite wird dank der leicht erhöhten Position des Gebäudes das ganze Anwesen überblickt, auf der östlichen Querseite liegt eine verglaste Veranda. Lediglich ein großes rundes Fenster durchbricht die Fassade an der Gartenseite. Tageslicht kommt über einen mittigen Dachaufsatz hinein, zwölf der Fenster können motorisiert geöffnet werden. Die Eingangsfassade liegt an dem vom Parkplatz aufs Gelände führenden Weg, der auf der anderen Seite von einem Café flankiert wird. (da)
- Fertigstellung:
- 2024
- Architektur:
- Reed Watts Architects
- Landschaftsarchitektur:
- Colvin & Moggridge
- Tragstruktur:
- Price & Myers
- Hanfbeton:
- The Hemp Block Company
- Bauherrschaft:
- The National Trust
- Fläche:
- 317 m² Bruttogrundfläche
- Baukosten:
- 1.840.000 €





Kann uns das Baunetz auch was zur Häufigkeit des Einsatzes in Deutschland sagen? Im Vergleich zu Frankreich oder England?
(Ich fürchte...)
dann hat man irgendwas verkehrt gemacht.
ansonsten ein gelungenes projekt.