Cluster auf dem Kasernengelände
Schule in Potsdam von AFF Architekten
Knapp zehn Kilometer nördlich von Potsdam wird aktuell unter der Leitung der kommunalen Entwicklungsgesellschaft ProPotsdam ein ehemaliges Kasernengelände aus den 1930er-Jahren zum neuen Stadtquartier umgebaut. Die 82 erhaltenen Kasernengebäude stehen unter Denkmalschutz und wurden in den Masterplan der Berliner Büros Machleidt, Sinai Landschaftsarchitekten und p.a. performative architektur aus dem Jahr 2018 integriert.
Um sie herum entstehen in den nächsten Jahren auf insgesamt 140 Hektar Fläche 4.900 Wohnungen für bis zu 10.000 Menschen und etwa 3.000 Arbeitsplätze, dazu eine öffentliche Infrastruktur mit Kitas, Schulen, Buslinien und einer neuen Tram-Verbindung zur Innenstadt. Die ersten Wohnungen sind bereits bezogen und Ende 2025 wurde die neue Grundschule fertig. Ihr Entwurf stammt von AFF Architekten (Berlin). Der Neubau verknüpft sich dabei direkt mit zwei Altbauten.
Die Grundschule ist vorerst dreizügig für circa 600 Kinder ausgelegt – mit der Option, später einen vierten Zug hinzuzufügen. Dazu kommt eine Zweifach-Sporthalle, eine Mensa, eine Kita für 166 Kinder, ein Hort sowie Spiel- und Freiflächen. Der Entwurf greift dabei auf charakteristische Eigenschaften der Kasernengebäude zurück, die 1935 bis 1939 nach Plänen von Robert Kisch entstanden: Kleinmaßstäblichkeit, Ziegelmauerwerk und Walmdach.
So haben AFF das geforderte Raumprogramm auf vier zweigeschossige Gebäude verteilt, die im rechten Winkel hinter den beiden Altbauten stehen. Zwischen den Gebäuden finden sich differenzierte Freibereiche und eingeschossige Verbindungspavillons. Eine Freitreppe führt zwischen den Altbauten hindurch zunächst in einen fast quadratischen, weitgehend überdachten Hof. Dieser soll als Ankunftsort und belebter Verteiler in die verschiedenen Bereiche der Schule dienen.
Die Neubauten sollten trotz ihrer Größe die Altbauten nicht dominieren, sondern eine „gleichberechtigte Partnerschaft“ eingehen, so AFF. Die Sporthalle betteten sie ins Untergeschoss ein, um kein allzu großes Volumen zu bekommen. Für Vereine und Quartiersinitiativen ist die Halle durch einen separaten Eingang nutzbar. Auch die Räume im Fachtrakt können nach den Schulzeiten separat belegt werden.
Die Struktur der Schulräume folgt der Idee einer Cluster-Schule. Klassenzimmer, Gruppen- und Horträume liegen immer um eine flexibel nutzbare Lernzone im Zentrum. Kreisrunde Innenfenster sorgen für Sichtverbindungen, große Glaswände für direkte Verbindungen zu den Außenräumen. Tragender Gedanke für die gesamte innenräumliche Organisation dieser ersten Compartmentschule Brandenburgs sei „die Überlagerung, Flexibilität und synergetische Verzahnung“ aller Funktionen gewesen. Dass einige Räume auch unabhänigg von der Schule durch die Nachbarschaft genutzt werden können, soll dabei zum Gemeinschaftsleben im neuen Quartier beitragen. (fh)
- Architektur:
- AFF Architekten
- Landschaftsplanung:
- Landschafts.Architektur Birgit Hammer
- Bauphysik/Akustik:
- BBS Ingenieurbüro
- Tragwerk:
- Wetzel & von Seht
- Brandschutz:
- IB Ullrich
- Nutzerschaft:
- Stadt Potsdam
- Bauherrschaft:
- ProPotsdam GmbH
- Fläche:
- 15.077 m² Bruttogrundfläche
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