Musik statt Knast
Umbau in Berlin von Renner Architekten
Produktive Freiräume statt enger Zellen: In Berlin-Moabit haben Renner Architekten (Berlin) die einstige Nördliche Militär-Arrestanstalt in einen Kulturkomplex mit Proberäumen und Ateliers verwandelt. Im ersten Bauabschnitt wurden das frühere Verwaltungsgebäude und der benachbarte Zellentrakt transformiert. Eine gute Nachricht in einer Zeit, in der viele bestehende Kunst- und Kulturhäuser aufgrund von Kürzungen existenziell bedroht sind.
Das nun unter Bauherrschaft des Landes Berlin fertiggestellte Projekt steht in der Lehrter Straße direkt gegenüber dem Quartier Mittenmang, das nach einem Masterplan von Sauerbruch Hutton entwickelt wurde. Die Arrestanstalt, ein zwischen 1898 und 1902 errichtetes Backstein-Ensemble, steht heute unter Denkmalschutz. Mit seinen hohen Umfassungsmauern besitzt es einen introvertierten Charakter. Zunächst noch der militärischen Strafjustiz vorbehalten, wurde die Anlage später auch für zivile Justizzwecke genutzt. Das Amtsgericht Tiergarten zog 2012 aus, bis 2013 befand sich hier noch eine Vollzugsanstalt für Frauen.
Die Eingriffe der Architekt*innen in den Bestand stellen sich äußerst zurückhaltend dar. Beispielsweise konnten sie mithilfe mineralischer Innendämmputze die beiden Häuser energetisch ertüchtigen, ohne die Fassaden zu beeinträchtigen. Die 32 Ateliers für bildende Kunst ließen sich ohne größere Veränderungen in die bestehende Grundrissstruktur des Verwaltungsbaus integrieren. Auch die bestehenden Holzbalkendecken sind erhalten geblieben. Neu hinzugekommen ist hingegen ein Aufzug.
Aufwendiger war die Transformation des Zellentrakts in 49 Musikproberäume. Je zwei der ehemaligen Hafträume wurden hierbei zusammengelegt und mittels Innenschalen sowie Schallschutzfenstern und -türen akustisch entkoppelt. Die bestehenden Stahlsteindecken des Hauses erhielten zur Ertüchtigung sieben Zentimeter Aufbeton. Dank einer mechanischen Lüftungsanlage sind die Räume auch in geschlossenem Zustand bespielbar – kein unwichtiges Detail mit Blick auf den Lärmschutz im Quartier. Drei Zellen wurden hingegen in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten, lediglich restauriert, und bilden nun einen Dokumentationsbereich zur Geschichte des Hauses. Auch in diesem Teil des Komplexes gibt es jetzt einen Aufzug.
Rund 6.900 Quadratmeter Bruttogrundfläche umfassen die beiden Gebäude des ersten Bauabschnitts. Dazu gehören auch entsiegelte Außenflächen, die geskes.hack Landschaftsarchitekten gestalteten. Ab 2027 erfolgt dann der Umbau des einstigen Gerichtsgebäudes zu einem Probezentrum für Tanz, Theater und Musik. Neben weiteren kleineren Arbeitsräumen sollen dann auch sieben große Studios entstehen. (sb)
- Fertigstelllung:
- 2026
- Architektur:
- Renner Architekten
- Freianlagen:
- geskes.hack Landschaftsarchitekten
- Weitere Planungsbeteiligte:
- Ingenieurbüro Rüdiger Jockwer (Tragwerksplanung), Ingo Andernach – Energiedesign (Bauphysik), Ingenieurbüro Avissplan (Bau- und Raumakustik), Hagen Ingenieurgesellschaft für Brandschutz (Brandschutz), Plarewa (Haustechnik)
- Bauherr:
- Land Berlin
- Bauherrenvertretung:
- BIM Berliner Immobilienmanagement
- Fläche:
- 6.937 m² Bruttogrundfläche
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