Klettern im Brauhaus
Umbau von Brückner & Brückner in Tirschenreuth
Schlicht und elegant reiht sich der weiße Kubus im oberpfälzischen Tirschenreuth in die historische Altstadt ein. In seinem Inneren verbirgt sich ein neues Kletterzentrum des Deutschen Alpenvereins. Kaum noch zu erkennen ist allerdings, dass es sich bei dem Gebäude um einen ehemaligen Brauereiturm handelt, der durch die Sanierung eine neue Funktion erhielt. Die Umnutzung wurde von Brückner & Brückner Architekten gestaltet und im vergangenen Jahr fertiggestellt. Das Büro ist vor Ort und in Würzburg ansässig.
Das Kletterzentrum ist am Rande des Platzes am See zu finden. Seit 2012 erstreckt sich dieser auf dem früheren Brauereigelände. Als zeitgenössischer Dorfplatz gestaltet von gesk.hack Landschaftsarchitekten, verfügt er über einen direkten Zugang zum Stadtteich. Das Kletterzentrum ergänzt neben Fitnesszentrum, Hotel und See-Bistro das Sport- und Kulturprogramm des Ortes.
Die Grundstruktur sowie die bestehende Hülle des Gebäudes wurde so gut wie möglich erhalten. Ebenfalls unverändert blieb die Gliederung der Fassade. Gestalterische Akzente wie Lisenen und Gesimse sind auch auf der fensterlosen Nordseite des Baus zu sehen. Die in Creme- und Weißtönen verputzte Fassade verleiht dem Kletterzentrum einen Hauch von gründerzeitlichem Wohnungsbau. Rückwärtig wird es hingegen modern, besteht doch die Ostfassade aus einer Outdoor-Kletterwand. Oben angekommen werden Kletter*innen mit einem direkten Blick auf den See belohnt.
Um einen großen, offenen Innenraum zu schaffen, wurde das Volumen im Inneren gänzlich entkernt. Durch den Eingang an der Straßenfront gelangen Besucher*innen direkt in ein etwa vierzehn Meter hohes Kletterparadies. Sechzig Routen erstrecken sich auf einer Wandfläche von 590 Quadratmetern. Um die Kletterfläche so groß wie möglich zu gestalten, dienen nur zwei der insgesamt sieben Fenster als Lichtquelle. Die übrigen fünf wurden zwar konstruktiv in die Fassade eingesetzt, im Innenraum haben sie allerdings durch die vorgesetzte Kletterwand derzeit keine Funktion. Ein Oberlicht versorgt den Raum dennoch mit ausreichend Tageslicht.
Neben dem Kletterzentrum entstand nach Abriss ein neues, nur halb so hohes Gebäude, das optisch an den Bestand angepasst ist. Darin finden sich ein Bistro, Umkleiden mit Sanitäranlagen, ein Lagerraum und ein Seminarraum des Alpenvereins. Im Obergeschoss folgt ein separater Boulderbereich, der einen Einblick in den Hauptraum gewährt. Auch der See ist von hier aus sichtbar.
Text: Paula Feichter
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- Brückner & Brückner Architekten
- Bauherrschaft:
- Stadt Tirschenreuth
- Nutzer*innen:
- Deutscher Alpenverein Sektion Karlsbad e.V. Tirschenreuth
- Fläche:
- 480
- Tragwerk:
- Lehner + Baumgärtner Ingenieurgesellschaft
- Heizung, Lüftung, Sanitär:
- Grünwald & Ach Planungsgesellschaft für Energie- und Gebäudetechnik
- Elektro:
- Ingenieurbüro für Elektrotechnik Zeitler
- Bauphysik:
- Wolfgang Sorge Ingenieurbüro für Bauphysik
- Auszeichnungen:
- Architektouren der Bayerischen Architektenkammer




