Neues Präsidium der Architektenkammer NRW
Vier Fragen an Katja Domschky
Neues Präsidium der Architektenkammer NRW
Vier Fragen an Katja Domschky
Am 21. März 2026 hat die Vertreter*innenversammlung der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen ein neues Präsidium gewählt. Neue Präsidentin ist die Architektin und Kommunikationsberaterin Katja Domschky. Sie löst Ernst Uhing ab, der sein Amt nach über zwölf Jahren niederlegte. Zusammen mit den drei ebenfalls neu gewählten Vizepräsidentinnen Gesche Arns-Büsker (Aachen), Dagmar Grote (Ahaus) und Friederike Proff (Düsseldorf) steht Domschky nun an der Spitze der mit rund 33.000 Mitgliedern größten Länderkammer in Deutschland.
Frau Domschky, mit Ihrer Agentur ACUBE unterstützen Sie als Kommunikationsexpertin die Architekturbranche bei Positionierung und Präsentation. Welche Beobachtungen machen Sie dabei, und wie werden diese in Ihr neues Amt einfließen?
Katja Domschky: Als Beraterin habe ich in den vergangenen Jahren einen tiefen Einblick in die Herausforderungen von Planungsbüros in ganz Deutschland bekommen. In meiner Bewerbungsrede für das Amt der Präsidentin habe ich gesagt: „Nur wer seine Ziele klar kommuniziert, kann andere von seinen Argumenten überzeugen und ein Umdenken bewirken.“ Das ist wichtig für das Verkaufen einer Architekturleistung. Aber viel wichtiger ist es, für unseren Berufsstand, unsere berufspolitischen Ziele zu vermitteln. Das sind grundsätzliche Themen wie ein zukunftsfähiges Berufsbild, aber auch sehr konkrete Notwendigkeiten für die Berufsausübung, etwa ein faires Wettbewerbswesen oder die gerechte Honorierung. Besonders liegt mir aber am Herzen, zu vermitteln, dass Architektur kein reines Konsumgut ist, sondern unseren Lebensraum für Generationen gestaltet. Mit anderen Worten: Baukultur und Nachhaltigkeit sind keine Trends. Hier tragen wir Verantwortung.
Das Thema Nachhaltigkeit liegt Ihnen besonders am Herzen. Obwohl der Begriff „Bauwende“ in der öffentlichen Diskussion an Bedeutung gewinnt, kommt die praktische Umsetzung nur schleppend voran. Welche strukturellen Hürden sehen Sie diesbezüglich? Was muss passieren, um sie zu überwinden?
Ich behaupte immer, auch Gesetze sind nicht in Beton gegossen. Aber manchmal glaube ich, dass ich doch unrecht habe (lachend). Es gibt zu viele Interessenlagen, die eine schnelle Veränderung verhindern. Entsprechend groß sind die Beharrungskräfte. Wir müssen hier aber ebenso hartnäckig sein, um das nachhaltige, klimagerechte Planen und Bauen in der Branche zur Selbstverständlichkeit und in der Gesellschaft zum akzeptierten Standard zu machen. Dazu gehört, jeden Abriss eines Bestandsbaus zu hinterfragen und mit den Auftraggebenden nach Alternativen zu suchen. Es ist ein tolles Signal, dass wir am „Tag der Architektur“ Ende Juni 2026 in NRW mehr Bestandsentwicklungen als Neubauten präsentieren werden – von der umgenutzten Scheune bis zum revitalisierten Bürohochhaus.
Katja Domschky: Als Beraterin habe ich in den vergangenen Jahren einen tiefen Einblick in die Herausforderungen von Planungsbüros in ganz Deutschland bekommen. In meiner Bewerbungsrede für das Amt der Präsidentin habe ich gesagt: „Nur wer seine Ziele klar kommuniziert, kann andere von seinen Argumenten überzeugen und ein Umdenken bewirken.“ Das ist wichtig für das Verkaufen einer Architekturleistung. Aber viel wichtiger ist es, für unseren Berufsstand, unsere berufspolitischen Ziele zu vermitteln. Das sind grundsätzliche Themen wie ein zukunftsfähiges Berufsbild, aber auch sehr konkrete Notwendigkeiten für die Berufsausübung, etwa ein faires Wettbewerbswesen oder die gerechte Honorierung. Besonders liegt mir aber am Herzen, zu vermitteln, dass Architektur kein reines Konsumgut ist, sondern unseren Lebensraum für Generationen gestaltet. Mit anderen Worten: Baukultur und Nachhaltigkeit sind keine Trends. Hier tragen wir Verantwortung.
Das Thema Nachhaltigkeit liegt Ihnen besonders am Herzen. Obwohl der Begriff „Bauwende“ in der öffentlichen Diskussion an Bedeutung gewinnt, kommt die praktische Umsetzung nur schleppend voran. Welche strukturellen Hürden sehen Sie diesbezüglich? Was muss passieren, um sie zu überwinden?
Ich behaupte immer, auch Gesetze sind nicht in Beton gegossen. Aber manchmal glaube ich, dass ich doch unrecht habe (lachend). Es gibt zu viele Interessenlagen, die eine schnelle Veränderung verhindern. Entsprechend groß sind die Beharrungskräfte. Wir müssen hier aber ebenso hartnäckig sein, um das nachhaltige, klimagerechte Planen und Bauen in der Branche zur Selbstverständlichkeit und in der Gesellschaft zum akzeptierten Standard zu machen. Dazu gehört, jeden Abriss eines Bestandsbaus zu hinterfragen und mit den Auftraggebenden nach Alternativen zu suchen. Es ist ein tolles Signal, dass wir am „Tag der Architektur“ Ende Juni 2026 in NRW mehr Bestandsentwicklungen als Neubauten präsentieren werden – von der umgenutzten Scheune bis zum revitalisierten Bürohochhaus.
Nur wer seine Ziele klar kommuniziert, kann andere von seinen Argumenten überzeugen und ein Umdenken bewirken.Katja Domschky
Wir gehen das ganze Paket der gesetzlichen und normativen Rahmenbedingungen mit Nachdruck an. Dazu gehört das Konzept einer „Oldtimer-Regelung“ für die Entwicklung des Gebäudebestands; dazu gehört aber auch das Gesamtkonzept „Gebäudetyp-E“, mit dem einfacher – und damit ressourcenschonender – geplant und gebaut werden kann.
Entscheidend wird zudem die Umsetzung der europäischen Zielvorgaben in der EPBD auf nationaler Ebene sein. Wenn der Kennwert „Möglichst wenig CO2-Emission“ zum zentralen Maßstab wird und zwar über den gesamten Lebenszyklus des Bauwerks hinweg, wird sich das Nachdenken über die Qualität von Gebäuden ändern – und die Bauwende Fahrt aufnehmen.
Entscheidend wird zudem die Umsetzung der europäischen Zielvorgaben in der EPBD auf nationaler Ebene sein. Wenn der Kennwert „Möglichst wenig CO2-Emission“ zum zentralen Maßstab wird und zwar über den gesamten Lebenszyklus des Bauwerks hinweg, wird sich das Nachdenken über die Qualität von Gebäuden ändern – und die Bauwende Fahrt aufnehmen.
Inwiefern werden Sie die langjährige Arbeit Ihres Vorgängers Ernst Uhing fortführen? Welche neuen Prioritäten werden Sie setzen?
Angetreten bin ich für eine Transformation der Kammer und für einen partnerschaftlichen Führungsstil. Als Präsidentin möchte ich Prozesse initiieren, und die Vielfalt der vorhandenen Expertise nutzen. Denn eins ist klar: Wir haben allein in der Vertreterversammlung der AKNW – unserem Parlament – so viele kluge Köpfe. Wir sind ein riesiges Gremium mit einem zu wenig genutzten Schwarmwissen. Meine Aufgabe als Präsidentin sehe ich darin, unser Potenzial richtig zu nutzen und nach außen zu tragen. Damit wir Architektinnen und Architekten aus NRW als starke berufspolitische Stimme wahrgenommen werden.
Angetreten bin ich für eine Transformation der Kammer und für einen partnerschaftlichen Führungsstil. Als Präsidentin möchte ich Prozesse initiieren, und die Vielfalt der vorhandenen Expertise nutzen. Denn eins ist klar: Wir haben allein in der Vertreterversammlung der AKNW – unserem Parlament – so viele kluge Köpfe. Wir sind ein riesiges Gremium mit einem zu wenig genutzten Schwarmwissen. Meine Aufgabe als Präsidentin sehe ich darin, unser Potenzial richtig zu nutzen und nach außen zu tragen. Damit wir Architektinnen und Architekten aus NRW als starke berufspolitische Stimme wahrgenommen werden.
Angetreten bin ich für eine Transformation der Kammer und für einen partnerschaftlichen Führungsstil.Katja Domschky
Mit Gesche Arns-Büsker, Dagmar Grote und Friederike Proff stehen Ihnen drei neu gewählte Vizepräsidentinnen zur Seite. Damit hat die Kammer zum ersten Mal seit ihrer Gründung 1970 ein komplett weibliches Leitungsteam. Ist das Zufall?
Ich denke nicht (lachend). Sicherlich ist ein rein weibliches Präsidium auch das Ergebnis der langjährigen Präsenz meines Verbands, der Architektinnen Initiative NW in Nordrhein-Westfalen. Es ist aber auch Ausdruck einer allgemeinen Entwicklung unserer Zeit, schließlich reicht heute ein Blick in die Zeitung, um zu erkennen, dass Chancengleichheit ein gesellschaftliches Ziel ist. Wir haben in unserer Kammer nun eine neue Konstellation und stürzen uns jetzt in die Arbeit. Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit meinen Kolleginnen.
Die Fragen stellte Diana Artus.
Ich denke nicht (lachend). Sicherlich ist ein rein weibliches Präsidium auch das Ergebnis der langjährigen Präsenz meines Verbands, der Architektinnen Initiative NW in Nordrhein-Westfalen. Es ist aber auch Ausdruck einer allgemeinen Entwicklung unserer Zeit, schließlich reicht heute ein Blick in die Zeitung, um zu erkennen, dass Chancengleichheit ein gesellschaftliches Ziel ist. Wir haben in unserer Kammer nun eine neue Konstellation und stürzen uns jetzt in die Arbeit. Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit meinen Kolleginnen.
Die Fragen stellte Diana Artus.
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