Balkon von Genf
Sanierung und Umbau einer Bergstation von Devaux & Devaux
Vor fast 100 Jahren, 1932 wurden die ersten Gäste mit der Seilbahn auf den Genfer Hausberg Mont Salève auf knapp 1.100 Meter Höhe transportiert. Die Anlage gilt als Meisterwerk der Architektur- und Ingenieurbaukunst und wurde seinerzeit vom Schweizer Architekten Maurice Braillard gemeinsam mit dem Ingenieur André Rebuffel entworfen. Mit dem Aufkommen des Individualverkehrs verlor die Seilbahn jedoch an Bedeutung, wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zunehmend vernachlässigt und Mitte der 1970er Jahre stillgelegt. 1984 nahm man den Betrieb nach Modernisierungsarbeiten wieder auf – allerdings, ohne die architektonische Qualität des ursprünglichen Entwurfs wiederherzustellen.
Als französisch-schweizerisches Kooperationsprojekt sollte die Bergstation 2018 saniert und um weitere touristische Nutzungen ergänzt werden. Den dazugehörigen Wettbewerb konnte das Pariser Büro Devaux & Devaux Architectes gewinnen. Zentraler Eingriff war, den unzugänglichen Panoramasaal im ersten Obergeschoss zu aktivieren. Er dient nun als Restaurant. Eine 72 Meter lange Verglasung eröffnet weite Ausblicke auf Genf und den Genfersee. An der Ostseite erweiterten die Architekt*innen den Bestand im Untergeschoss um eine großzügige Ausstellungsfläche mit sich anschließendem Souvenirladen und Café. An der Westseite verbindet ein neuer Treppenturm die verschiedenen Ebenen. Dessen Fassade bespielt eine 20 Meter hohe Kletterwand.
Besucher*innen, die weder an Ausstellung noch am Restaurant interessiert sind, gelangen über eine Treppe von der Ankunftshalle direkt ins Freie. Die riesigen Dachterrassen sowohl auf dem Bestandsbau als auch auf der Erweiterung ermöglichen den Blick auf die Schweizer Stadt. So wird die Bergstation, obwohl sie formal in Frankreich liegt, als „Balkon von Genf“ bezeichnet.
Technisch und konstruktiv lag der Fokus auf der Freilegung des Bestands. Die in den 1980er Jahren angebrachte Fassadenverkleidung ließen Devaux & Devaux entfernen, den darunterliegenden Sichtbeton restaurieren und die Tragstruktur punktuell ertüchtigen. Originale Elemente wie Schachbrettfliesen und die charakteristische Farbgebung im Inneren sind ebenfalls wieder sichtbar. Um den Bau an das öffentliche Abwassersystem anzuschließen, musste dieses drei Kilometer verlängert werden. Die Baukosten liegen bei rund 12,7 Millionen Euro.
Text: Ella Einicke
- Fertigstellung:
- 2023
- Architektur:
- Devaux & Devaux Architectes
- Landschaftsarchitektur:
- Pascal Olivier
- Ausstellungsdesign / Innengestaltung:
- Designers Unit
- Tragwerksplanung:
- Batiserf
- Haustechnik:
- Louis Choulet
- Bauherrschaft:
- Local Cross-Border Cooperation Group
- Fläche:
- 1.935 m² Geschossfläche
- Baukosten:
- 12.700.000 € Kosten ohne Steuern
- Auszeichnungen:
- Équerre d´argent 2024




