Psychologie mit Betonkassetten
Fakultätsgebäude in Warschau von Projekt Praga
Die psychologische Fakultät der Universität Warschau hat ihren Standort aus dem Norden des Stadtzentrums auf den naturwissenschaftlichen Campus im südlichen Viertel Ochota verlagert. Dort bezog sie kürzlich einen Neubau von Projekt Praga, der auf einen 2017 durchgeführten Wettbewerb zurückgeht. Das Warschauer Büro übernahm dabei vielfältige Planungsaufgaben von Entwurf, Detailplanung und Bauaufsicht über Freiraum und Begrünung bis hin zu maßgefertigten Möbeln und visueller Identität.
Von der Universität gewünscht war ein Gebäude, das nicht nur der Lehre dient, sondern auch als Treffpunkt für Campus und Stadtviertel fungiert. Daher lag ein besonderer Fokus auf den öffentlichen Räumen, sowohl um das Haus herum als auch in seinem Inneren. Auf einem 10.400 Quadratmeter großen Grundstück entstand ein kompakter rechteckiger Baukörper, der auf 26.600 Quadratmetern Bruttogrundfläche Arbeits- und Forschungsbereiche für rund 2.000 Studierende und Mitarbeiter*innen beherbergt. Diese befinden sich hauptsächlich in den Obergeschossen, die auf einem raumgreifenden Sockel sitzen, der auch anderen Campusnutzer*innen und der Nachbarschaft offensteht.
Markenzeichen des in Skelettbauweise errichteten Volumens ist eine Kassettendecke aus Sichtbeton, die sich als verbindendes architektonisches Motiv durch das gesamte Erdgeschoss erstreckt und in den Außenbereichen zum aufgeständerten Vordach wird. Darunter und darüber gibt es viel Grün: Bäume und Freiflächen rund um das Gebäude, Pflanzen innerhalb des Hauses sowie ein Dachgarten. Grünflächen seien ein „integraler Bestandteil“ des Projekts, schreiben die Architekt*innen, die ihren Entwurf vor diesem Hintergrund als „Öko-Brutalismus“ labeln.
Hinter der strengen Rasterfassade steckt ein vielfältiges Raumprogramm mit unterschiedlichen Maßstäben und Atmosphären. Das Spektrum reicht vom offenen Luftraum über Hörsäle verschiedener Größen bis zu Nischen für Arbeit und Entspannung. Mittelpunkt ist ein von einem großen Glasdach überspanntes Atrium, in das einzelne Arbeitsräume kapselartig hineinragen. Statt Fluren gibt es offene Galerien. Dachgarten und -terrasse bieten Rückzugsorte mit Aussicht.
Im Erdgeschoss zählen neben den Außenräumen eine Kantine, ein Café und ein verglastes Auditorium zu den für eine allgemeine Öffentlichkeit bestimmten Räumen. Sie können unabhängig vom Fakultätsbetrieb genutzt werden. Damit soll erreicht werden, dass das Gebäude auch lange nach Unterrichtsende belebt bleibt. Eine Etage weiter oben konzipierten die Architekt*innen ein „zweites Erdgeschoss“, das der Fakultätsgemeinschaft vorbehalten ist. Beide Bereiche sind durch skulpturale Wendeltreppen miteinander verbunden und folgen unterschiedlichen Raumkonzepten. Während die untere öffentliche Fläche zur Stadt hin durchlässig ist, wendet sich die interne obere nach innen und soll dem wissenschaftlichen Austausch dienen. (da)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- Projekt Praga
- Projektteam:
- Marcin Garbacki, Karolina Tunajek, Jacek Wochowski, Patrycja Arasim, Agata Bonisławska, Bartek Dudziński, Magdalena Maciąg, Malwina Mąka, Damian Kasperowicz, Katarzyna Krokos, Joanna Ryżko, Kinga Rzeplińska, Zuzanna Sprogis, Zofia Stachura, Jan Szkarłat, Michał Sztolcman, Marek Wojda
- Kooperationspartner:
- Piotr Bujnowski Architect
- Tragwerk:
- LGL
- Landschaftsgestaltung:
- Zielone Studio
- Bauherrschaft:
- Universität Warschau
- Fläche:
- 26.600 m² Bruttogrundfläche




Glückwunsch an die Architekten.