Museum für die Taufstätte Jesu
Wettbewerb in Jordanien entschieden
Al-Maghtas – arabisch für „Taufstätte“ – ist eine archäologische Fundstätte in Jordanien. Hier soll Jesus von Johannes dem Täufer getauft worden sein. Die offiziell auch als „Bethanien jenseits des Jordan“ bezeichnete Stätte liegt am Ostufer des Jordan, etwa neun Kilometer nördlich vom Toten Meer. Sie gehört seit 2015 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Nun soll der historisch bedeutsame Ort ein Museum erhalten.
Nachdem im Oktober letzten Jahres sieben Finalisten verkündet worden waren, steht seit Kurzem der Sieger des eingeladenen internationalen Wettbewerbs fest: Das Museum of Jesus’ Baptism soll nach einem Entwurf von Níall McLaughlin Architects NMLA (London) errichtet werden. Teil des interdisziplinären Teams sind außerdem das jordanische Architekturbüro Engicon (Amman), Kim Wilkie Landscape (Landschaftsarchitektur, London/Hampshire), Nissen Richards Studio (Ausstellungsdesign, London), Studio ZNA (Lichtplanung, London) und Arup (Tageslicht- und Verschattungskonzept, u. a. London).
Der Neubau, der Teil eines größer angelegten Masterplans mit dem Titel Baptism Development Zone (BDZ) ist, soll als eine Art Tor des zum Fluss führenden Pilgerwegs dienen und den Besucher*innen historische Hintergründe vermitteln, bevor sie die Taufstätte selbst erreichen. Die Eröffnung ist für 2030 geplant – zum zweitausendjährigen Jubiläum der Taufe Christi. Das Museum solle „christlich geprägt sein, aber allen Menschen offenstehen“, so die Verantwortlichen.
Jährlich werden 400.000 bis 450.000 Besucher*innen erwartet. Für das Projekt ist ein Budget von rund 30 Millionen US-Dollar (circa 25,3 Millionen Euro) vorgesehen, die Finanzierung sei gesichert, heißt es in der Pressemitteilung. Das Projekt werde von König Abdullah II. bin Al-Hussein des Haschemitischen Königreichs Jordanien unterstützt, großzügige Spenden kämen außerdem von Angehörigen der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, auch als Kirche der Mormonen bekannt.
Alle Entwürfe der Finalisten sind auf der Website von Malcolm Reading Consultants (London), dem betreuenden Wettbewerbsbüro, einsehbar. Die Platzierung im Überblick:
- Gewinner: Níall McLaughlin Architects (London) mit Engicon (Amman), Kim Wilkie Landscape (Landschaftsarchitekur, London/Hampshire), Nissen Richards Studio (Ausstellungsdesign, London), Studio ZNA (Lichtplanung, London) und Arup (Tageslichtkonzept, u. a. London)
- Finalist: heneghan peng architects (Dublin) mit Agence Ter (Landschaftsarchitekur, Karlsruhe) and Lara Zureikat (Landschaftsarchitekur, Amman), Cookies (Ausstellungsdesign, Rotterdam/Paris), Arup (Ingenieursplanung, u. a. London) und Kardorff (Lichtplanung, u. a. Berlin)
- Finalist: Tatiana Bilbao Estudio (Mexiko-Stadt) mit Bureau Bas Smets (Landschaftsarchitektur, Brüssel), Sener (Ingenieursplanung, Berlin) und CUBE.BZ (Lichtplanung, Girona)
- Finalist: Toshiko Mori Architect (New York) mit West 8 (Landschaftsarchitektur, Rotterdam), Atelier Tsuyoshi Tane Architects (Ausstellungsdesign, Paris), Arup (Ingenieursplanung, u. a. London) und Kilt Planning (Lichtplanung, Kawasaki)
- Finalist: Trahan Architects (New Orleans/New York) mit Doxiadis+ (Landschaftsarchitektur, Athen), Ralph Appelbaum Associates (Ausstellungsdesign, u. a. New York), Buro Happold (Ingenieursplanung, u. a. Berlin) und Tillotson Design Associates (Lichplanung, New York).
- Finalist: Studio Anne Holtrop (Bahrain) mit Atelier Miething (Landschaftsarchitektur, Paris), Mazen Daqaq (Landschaftsarchitektur, Amman), Imagination (Ausstellungsdesign, u. a. Peking), Atkins Realis (Ingenieursplanung, Montréal) und Rogier van der Heide (Lichtplanung, Vaduz)
- Finalist: AAU Anastas (Bethlehem) mit Florent Clier (Landschaftsarchitektur, Paris), dUCKS (Ausstellungsdesign, u. a. Paris), Webb Yates (Ingenieursplanung, London) und Studio Gelatic (Lichtplanung, Paris)
Hitze, spärliche Vegetation und der saisonale Wadi Kharrar prägen die Umgebung, während das grüne Ufer des Flusses einen Kontrast zu dieser kargen Landschaft bildet. Níall McLaughlin Architects schlagen ein als Pilgerreise angelegtes Konzept vor – eine Ost-West-Wegführung, bei der die Besuchenden von einem trockenen Wüstengarten in die Erde hinabsteigen, dann auf eine mit Wasser gefüllte Spalte stoßen, die den Jordan symbolisiert, und schließlich wieder ins Licht in einen „Paradiesgarten“ treten.
Den Baukörper betten die Architekt*innen zum großen Teil in die Umgebung ein. Zwischen dem Eingang im Osten und dem Ausgang im Westen erhebt sich eine stufenförmige Landschaft bis zum Dach. Von hier aus sollen Besuchende das Tal des Jordan und den Pilgerweg zur Taufstätte überblicken können. Mit ihrem Entwurf greifen NMLA Elemente traditioneller jordanischer Architektur auf, außerdem planen sie den Bau mit „lokal gewonnenen Steinen und Stampflehmtechniken“.
Die Jury lobte das „Gespür für vielschichtige und immersive Erzählkunst, die sich darauf konzentriert, die Kraft der Taufe zu vermitteln, spirituelle Erneuerung und neues Leben zu schenken“. Das Museum werde bei den Besucher*innen Staunen und Demut hervorrufen und reagiere sensibel auf den Standort, urteilte das Preisgericht unter Vorsitz von Tharwat Almasalha (Vorsitzender der Foundation for the Development of the Lands Adjacent to the Baptism Site). (dsm)




