Filmtipp: Groundwork
Xu Tiantian, b+ und Carla Juaçaba bei der Arbeit
Spätestens seit der Ausstellung „The Other Architect“ 2016 beschäftigt sich das Canadian Center for Architecture (CCA) mit Formen architektonischer Praxis, die nicht zwangsläufig etwas Gebautes hervorbringen. Damals hatte Leiterin Giovanna Borasi drei Dokumentationen in Auftrag gegeben. Mit den Filmen What It Takes to Make a Home (2019), When We Live Alone (2020) und Where We Grow Older (2023) zeigt Regisseur Daniel Schwartz, was Obdachlosigkeit, Einsamkeit und Altwerden mit der Arbeit von Architekt*innen zu tun haben.
Mit Groundwork hat das CCA nun eine weitere Trilogie produziert. Diesmal sind es die chinesische Architektin Xu Tiantian, Arno Brandlhuber und Olaf Grawert vom Berliner Büro b+ sowie die brasilianische Architektin Carla Juaçaba, denen die Kamera bei der Arbeit zuschaut. Im Auftrag der Kuratoren Francesco Garutti und Irene Chin wurden sie von Filmemacher Joshua Frank in der frühen Phase eines Projektes begleitet.
Into the Island verfolgt, wie Xu Tiantian auf der chinesischen Insel Meizhou kleine Interventionen plant und dabei zwischen Denkmalschutz, Massentourismus und Naturschutz zu vermitteln versucht. To Build Law zeigt, wie die Partner des Büros bplus.xyz (b+) aus Berlin die Initiative HouseEurope! ins Leben rufen, die den Erhalt des Gebäudebestands im europäischen Gesetz verankern möchte (Filmtipp hier). With an Acre begleitet Carla Juaçaba in den brasilianischen Bundesstaat Mina Gerais, wo sie mit der Kaffeeanbau-Kooperative Flor de Café bauliche Strukturen für die Gemeinschaft und die Wertschätzung des bedrohten Ökosystems entwickelt.
Nicht das gebaute Ergebnis, sondern Ideen für eine planerische Aufgabe stehen im Fokus. Auch wenn die filmischen Beobachtungen bisweilen ins Künstlerische driften, geben die Filme – im Unterschied zu vielen anderen Dokumentationen, die den Weg vom Entwurf zum gebauten Ergebnis vermitteln – einen Eindruck von den Mühen der Ebene, dem Rollenverständnis der Protagonist*innen und den Momenten der Ungewissheit in einem Prozess.
Wird die Suche nach Antworten auf den Klimawandel, nach anderen rechtlichen Rahmenbedingungen oder einer sozialen Strategie „Erfolg“ haben? Das lassen die Filme offen. Gleichwohl überbringen sie eine Botschaft, die aus den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und ökologischen Krisen der Welt heraushelfen könnte und die man nicht oft genug wiederholen kann: Gestalten heißt längst nicht mehr nur, eine bauliche Form zu planen. Es bedeutet, das eigene Handeln zu hinterfragen.
Text: Friederike Meyer
Into the Island
Regie: Joshua Frank
41 Min, CCA 2024
CCA
To Build Law
Regie: Joshua Frank
50 Min, CCA 2024
CCA
With an Acre
Regie: Joshua Frank
45 Min
Der Film wird im November erscheinen.
Noch bis Sonntag, 30. August 2026, sind die Filme und eine Ausstellung zur Groundwork-Trilogie im Schweizerischen Architekturmuseum SA M in Basel zu sehen. Ab 14. April 2027 wird Groundwork im Pavillon Sicli in Lausanne Station machen. Aktuell sucht ein Open Call nach Ideen für eine Installation im Rahmen der Ausstellung. Einsendeschluss ist der 15. Oktober 2026.



