
Auf Karte anzeigen: Google Maps
Vergessene jüdische Architekten. Marie Frommer und Rudolf Hamburger
Vortragsreihe in Berlin
Die Architektin Marie Frommer wurde 1890 in Warschau geboren und begann 1911 an der TH Charlottenburg das Studium der Architektur als eine von drei Frauen unter 353 Studienanfängern. Nach einem Aufbaustudium promovierte sie und war 1919 die erste Architektin mit Doktorgrad in Deutschland überhaupt. Als selbstständige Architektin in Berlin plante sie Läden, Waren- und Geschäftshäuser, Banken, Bürogebäude und ein Hotel. Der Vortrag zeichnet Frommers Leben und Werk vor und nach ihrer Emigration 1936 nach Großbritannien und 1939 in die USA nach. In New York arbeitete sie mit eigenem Büro und zählte schon 1948 zu den zehn bekanntesten weiblichen Architektinnen des Landes.
Im Leben von Rudolf Hamburger (1903–1980) spiegeln sich die politischen und gesellschaftlichen Verwerfungen des 20. Jahrhunderts. Er studierte unter anderem bei Hans Poelzig in Berlin und ging nach der Weltwirtschaftskrise 1930 nach Shanghai, wo er drei große Bauten realisierte – ein Schwesternheim, eine Schule und ein Gefängnis. Seine Frau Ursula begann in dieser Zeit für den sowjetischen Geheimdienst zu arbeiten. Das brachte Rudolf nach Polen und in die Schweiz, von wo er 1939 allein nach China zurückkehrte. Damit begann eine Odyssee durch chinesische, persische und sowjetische Gefängnisse, bevor er 1955 aus dem GULAG in die DDR zurückkehren konnte. Dort verewigte ihn Brigitte Reimann im Roman »Franziska Linkerhand« in der Figur des Landauers, der beim Aufbau von Hoyerswerda an der sozialistischen Realität verzweifelt.
Vortragende: Dr. Brigitte Jacob, Architektin und Bauhistorikerin; Dr. Eduard Kögel, freier wissenschaftlicher Berater, Forscher, Projektleiter und Kurator. Text: Jutta Bornholdt-Cassetti
Vortrag „Vergessene jüdische Architekten. Marie Frommer“, ab 19 Uhr
Vortrag „Vergessene jüdische Architekten. Rudolf Hamburger“, ab 19 Uhr
–
Ort: Repräsentantensaal der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Oranienburger Straße 29, 10117 Berlin
Eintritt: 8–10€
Auf Karte anzeigen: Google Maps




















