Unabhängig bleiben
Architekturkooperative zur Datensouveränität gegründet
Viele Büros arbeiten heute mit Software und auf Plattformen, deren Regeln sie nicht beeinflussen können. Unklar bleibt dabei nicht selten, wem die Daten eines Projekts gehören, nach welchen Standards sie angelegt sind und wer sie wo speichern darf. An diesem Vakuum verdienen derzeit vor allem Plattformen mit limitierter Interoperabilität, also Softwareanbieter, die mit anderen Systemen kaum kompatibel sind. Was aber wird aus dem Urheberrecht und der Unabhängigkeit des Berufsstandes?
Die vorgestern in Wiesbaden gegründete Architekturkooperative ARKO möchte Planungsbüros aus dieser Abhängigkeit befreien. Sie ist der Versuch, die digitale Infrastruktur der Architektur genossenschaftlich zu organisieren und Datensouveränität herzustellen. Dabei geht es um eine digitale Infrastruktur in berufsständischer Hand, vergleichbar mit DATEV, die 1966 als genossenschaftlich organisierte IT-Infrastruktur gegründet wurde und heute über 40.000 Mitglieder aus Steuerberatungs-, Rechtsanwalts- und Wirtschaftsprüfungskanzleien zählt. Bei ARKO sollen über eine europäische Open-Source-Cloud-Infrastruktur Projektdaten strukturiert erfasst, ausgetauscht und langfristig nutzbar gemacht werden können.
„Die Kooperative verfolgt das Ziel, den Austausch von Daten sowie die Nutzung digitaler Werkzeuge unter Wahrung von Urheberrechten, offenen Schnittstellen und transparentem Rechtemanagement zu ermöglichen“, heißt es in der Presseerklärung der Architektenkammer Berlin. Sie gehört mit den Länderkammern aus Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Hessen zu den Gründungspartnern der Kooperative.
Im Rahmen der Gründungsversammlung in der Wiesbadener Casino-Gesellschaft beschlossen die Gründungsmitglieder die Satzung und erklärten ihren Beitritt zur Genossenschaft. 84 Gründungsmitglieder traten der ARKO bei, zusammen mit dreizehn investierenden Mitgliedern. In seiner konstituierenden Sitzung wählte der Aufsichtsrat Dr. Martin Kraushaar von der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen zum Vorsitzenden. Die Kammer hat die Federführung der ARKO-Arbeitsgruppe. Eva Holdenried von der Architektenkammer Rheinland-Pfalz und Carsten Nielsen von der Architektenkammer Mecklenburg-Vorpommern sind die stellvertretenden Vorsitzenden.
ARKO ist genossenschaftlich organisiert und will mithelfen, Standards für digitale Prozesse zu entwickeln, die Datenteilung im Berufsstand zu erleichtern und neue Handlungsspielräume eröffnen. Dabei ist sie als sichere, selbstverwaltete Plattform besonders auch für kleine und mittlere Planungsbüros gedacht. Viele der Services befinden sich derzeit im Aufbau. Inhalte und Angebote entstehen auf Basis gemeinsamer Entscheidungen und im gemeinsamen Tun der Genossinnen und Genossen, heißt es auf der Webseite der Kooperative. (fm)




