Filmtipp: Heilende Hallen
Doku-Reihe auf ARTE
Dass im regulären TV-Programm über Architektur berichtet wird, kommt recht selten vor. Zumindest der BR mit seiner Kulturredakteurin Sabine Reeh setzt jedoch im vorbildlichen Rhythmus Impulse in Richtung Baukultur. Am Osterwochenende erscheint Die heilende Kraft der Räume, eine vierteilige Reihe über die Ansätze sogenannter Healing Architecture. Sonntagmorgen, 5. April 2026, strahlt Arte die erste Folge im Fernsehen aus. Parallel werden alle Folgen in der Mediathek veröffentlicht.
Ausgangspunkt der Serie bildet die Annahme, dass Krankenhausbauten nicht bloß Hüllen medizinischer Versorgung sind, sondern durch ihre Gestaltung selbst Einfluss auf den Genesungsprozess nehmen. Damit greift sie den Kern der Healing Architecture auf (siehe BauNetz WOCHE #404). Reeh kreiert einen leicht zugänglichen, filmischen Parcours durch eine Reihe zeitgenössischer Beispiele. Zu sehen bekommen wir kleinteilige Gebäude, die mit viel Tageslicht, natürlichen Materialien und organischer Formensprache ein Zuhause-Gefühl schaffen wollen. Den konventionellen Krankenhausbau porträtiert die Serie bewusst als Antagonisten – anonym, überdimensioniert, steril.
Vier Kapitel strukturieren die Dokumentation. Nach einem seichten Einstieg wird es in der zweiten Episode, die sich den Maggie’s Centres widmet, konkret. 1995 hatte die Krebspatientin Maggie Keswick Jencks eine Wohltätigkeitsorganisation ins Leben gerufen, die staatliche Krankenhausareale um Zentren für Menschen mit Krebsdiagnose ergänzen wollte. Inzwischen sind etliche dieser Einrichtungen entstanden. Alle folgen einem ähnlichen Raumprinzip mit Gemeinschaftsküchen, Rückzugsräumen und Erlebnisgärten. Und alle stammen aus der Feder namhafter Büros wie Snøhetta, Heatherwick Studio, Frank Gehry und OMA.
Die dritte Folge geht in den Wald, unter anderem nach Eisenberg, wo Gäste eines kommunalen Bettenhauses mit Hotelstandard vom Blick in die Natur schwärmen. Damit zielt die Serie auf einen Grundgedanken der Healing Architecture: Nähe zur Natur ist positiv für die Genesung einer erkrankten Person. Oder mit den Worten des Architekten Matteo Thun, der mit seinem Team an der Fertigstellung des Eisenberger Rundbaus arbeitete: „Healing Architecture bedeutet nichts anderes als die Natur nach innen zu bringen. Und die Natur von innen nach außen zu bringen.“
In solchen kurzen Zwischenkommentaren bekommen immer wieder Architekt*innen das Wort. Meist konzentriert sich die Serie allerdings bewusst auf die sympathisch-unbedarfte Gefühlswelt von Patient*innen und Personal, die ihre Meinung zu den Bauten teilen. Aus fachlicher Planungsperspektive mag die Reihe vielleicht an der Oberfläche kratzen – aber immerhin dauert eine Folge auch nur 25 Minuten. Umso schöner ist der Blick ins Innenleben der sehenswerten Architekturen, gespickt mit Eindrücken aus dem Klinikalltag.
Vor allem punktet die Serie in visueller Hinsicht. Paul-Georg Busse und Burak Kücük schaffen es, mit ihren präzise geführten Kamerafahrten die besondere Beschaffenheit der Orte greifbar und deren Kontext verständlich zu machen. Ein typologischer Deep-Dive in die Bauaufgabe Healing Architecture ist hier nicht zu erwarten. Vielmehr eignet sich die Serie als leichtbekömmliche Feel-Good-Feier räumlicher Gestaltung — perfekt für die Ostertage. Wer im Nachgang noch mehr zu den jeweiligen Projekten erfahren möchte, darf sich durch die untenstehende Themenbrücke klicken. Mehr zu Healing Architecture verrät die BauNetz WOCHE #522: „Der Raum heilt mit“.
Text: Tim Gebhardt
Die heilende Kraft der Räume
Sabine Reeh
Deutschland, 2025
vier Folgen à 27 Minuten
BR
Im ARTE-Fernsehprogramm:
Folge 1: Sonntag, 5. April 2026, 9.35 Uhr
Folge 2: Sonntag, 12. April 2026, 9.05 Uhr
Folge 3: Sonntag, 19. April 2026, 8.50 Uhr
Folge 4: Sonntag, 26. April 2026, 9.50 Uhr
Im Livestream auf arte.tv
Vor einem Jahr zeigte ARTE eine vierteilige Doku-Reihe über den Bilbao-Effekt.
Mehr zu Elementen im Gesundheitsbau gibt es hier und hier bei BauNetz Wissen





