Offen für Veränderungen
Wohnheim bei Böblingen von Atelier Kaiser Shen
Schlicht, modular und offen für Veränderungen – mit dem Projekt Wohnheim Im Hasenbühl in der südöstlich von Böblingen gelegenen Gemeinde Schönaich konnten Atelier Kaiser Shen (Stuttgart) ein Haus realisieren, das ein Modell für schnell und unkompliziert anpassbaren sozialen Wohnraum abgeben kann. Ursprünglich plante die Gemeinde, das Gebäude als Unterkunft für Geflüchtete zu errichten. Aufgrund sich verändernder Bedarfe wurde das Nutzungskonzept auf die Unterbringung von Menschen mit Wohnungsnot ausgeweitet. Die Architekt*innen entwarfen daher eine einfache Struktur, die sich mit geringem Aufwand vom temporären Wohnheim zu langfristig nutzbaren Sozialwohnungen wandeln lässt.
Der Neubau mit Tiefgarage befindet sich am Rand eines Mischgebiets unweit des Ortszentrums und bietet in Richtung Nordosten Ausblick ins Grüne. Konstruiert ist er in Holzhybrid-Bauweise. Auf einem massiven Sockel sitzt ein vorgefertigter zweigeschossiger Holzbau, der von einem Stahlgerüst umschlossen wird. Dieses dient der Erschließung und ist teilweise mit Balkonen und – vor allem an der westlichen Stirnseite – mit Gemeinschaftsflächen ausgestattet. Der eigentliche Baukörper bekam eine hinterlüftete Fassade aus vorvergrautem Lärchenholz. Er wurde auf ein Minimum reduziert, denn ähnlich wie beim Mikrohofhaus in Ludwigsburg arbeiteten die Architekt*innen nach dem Prinzip „weniger Wohnraum, mehr Außenfläche“.
Um die zwei angedachten Raumprogramme möglichst flexibel in einem Baukörper zu ermöglichen, setzten Atelier Kaiser Shen auch bei den Grundrissen auf ein strenges Raster. Nichttragende Trennwände können herausgenommen werden, um die Wohnungen zu vergrößern oder zusammenzulegen. Durch relativ kleine Eingriffe lassen sich so zwischen ein bis sechs Zimmer große Wohneinheiten herstellen. Dabei können, den Architekt*innen zufolge, sowohl die vorgeschriebene Wohnfläche pro geflüchteter Person als auch die Richtwerte für sozial geförderten Wohnraum eingehalten werden.
Die Innenräume sind durch sichtbar belassenes Fichtenholz geprägt. Da Atelier Kaiser Shen Holz in Industriequalität – also mit vielen Astlöchern – verwendeten, haben die Räume einen „unfertigen“ Charakter, der zu Aneignung und Weiterbauen einladen soll. Zur Gewährleistung des Schallschutzes wurden die Innenwände einseitig mit Dreischichtplatten aus Fichte beplankt. Rückbaubare Wände sind weiß gestrichen, sodass die innere Struktur des Hauses ablesbar ist.
Laubengänge und Gemeinschaftsbereiche bieten Raum für unterschiedliche Aktivitäten an der frischen Luft. Aussparungen bei den Ausfachungen ermöglichen Blickbeziehungen. Im Erdgeschoss befindet sich ein Gemeinschaftsraum mit Büro, der als Schnittstelle zur Nachbarschaft dienen soll. Große Teile des Sockels blieben zunächst offen und können ebenfalls flexibel genutzt werden. Perspektivisch könnten hier aber auch weitere Wohnungen entstehen, so die Architekt*innen. Balkone lassen sich ebenfalls unproblematisch ergänzen.
Das Projekt wurde nach Angabe des Architekturbüros im Rahmen des Holzbau Innovativ Programms durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und durch das Land Baden-Württemberg gefördert. Die finalen Baukosten möchte die Gemeinde jedoch vertraulich behandeln. (da)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- Atelier Kaiser Shen
- Tragwerk:
- str.ucture
- HLS:
- Energa-plan
- Elektro:
- IMS Ingenieurgesellschaft Mück & Schaber
- Brandschutz:
- Etgenium
- Bauphysik:
- Huber & Dieterle Ingenieurbüro
- Landschaftsarchitektur:
- Jedamzik + Partner
- Bauherrschaft:
- Gemeinde Schönaich
- Fläche:
- 2.142 m² Bruttogrundfläche
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wäre sehr spannend, was ein so tolles projekt von derart talentierten architekten am ende kostet.
liegt vermutlich daran, dass es derzeit en vogue ist, fremden und armen die schuld für alles zu geben.
lasst uns also weiter über verkritzelte wände und farbe sprechen.
Abschleifen wäre auch noch eine Option.
Ich finde das einen gelungenen Bau und eine gute Idee mit der Weiternutzung! Geht doch!
die innenwände sehen nicht nur durch umbauten / wände rausnehmen sondern "aneignung" (also bilder aufhängen, kritzeln, schnitzen , anmalen) in kurzer zeit übel aus.
da lobt man doch die GK-Platte, die malt man an und der nächste bewohner freut sich wenigstens über frisches weiss.
und grosse aussenflächen "statt innenraum" ist ja nett, aber in heilbronn??
und: was heisst "wenig aufwand" um von temporär auf dauernutzung zu pimpen?
aussen eine schicht drauf? warum dann nicht gleich so?