Mintgrün gegen Müllgrau
Umbau auf Teshima von Schemata Architects
Die kleine Insel Teshima im Süden Japans war jahrzehntelang Schauplatz eines der größten Industrieabfallskandale des Landes. Ab Ende der 1970er Jahre wurden hier massenhaft Abfälle vom Festland abgeladen, darunter auch toxische Reststoffe, die teils offen verbrannt wurden. Kontaminiertes Wasser, Belastungen für Umwelt und Gesundheit sowie das Stigma einer „Müllinsel“ waren die Folge. Nach langjährigen juristischen und politischen Auseinandersetzungen einigte man sich im Jahr 2000 auf die Beseitigung der Abfälle und kontaminierten Böden. Erst 2019 war der Abtransport abgeschlossen.
Mit dem Verschwinden des Mülls war das Problem freilich nicht erledigt. Bis heute ringt die Insel um ein anderes Bild von sich selbst. Seit einigen Jahren setzt Teshima daher verstärkt auf Projekte, die Natur, Kunst und lokale Produktion in den Vordergrund rücken. In diese Entwicklung fügt sich auch die Teshima Factory ein, entworfen von Jo Nagasaka und seinem Büro Schemata Architects (Tokio). Der Umbau soll lokale Produkte sichtbarer machen und den Agrotourismus auf der Insel stärken.
Im Norden Teshimas steht das Projekt im kleinen Hauptort Ieura direkt am Hafen. Das Bestandsgebäude, eine ehemalige Eisenhütte, ist denkbar schlicht: eine Halle auf rechteckigem Grundriss mit flach geneigtem Satteldach, konstruiert als Stahlrahmenbau und mit einer Bruttogrundfläche von 360 Quadratmetern. Bereits im Bestand war die Halle in zwei annähernd gleich große Bereiche geteilt.
Heute beherbergt die eine Hälfte ein Café beziehungsweise Restaurant mit Küche und Nebenräumen, die andere eine Brauerei. Während letztere als eher introvertierter Produktionsraum funktioniert, wurde die Hülle des gastronomischen Teils durch Wellplatten aus Polycarbonat ersetzt. Das macht das Volumen durchlässiger und lässt Tageslicht tief ins Innere fallen. Erschlossen werden beide Bereiche über große Öffnungen in mintgrünen Rahmen – ein Farbton, der sich als gestalterisches Leitmotiv durch das gesamte Projekt zieht.
Im Inneren treffen hohe, offene Räume auf das sichtbar belassene, filigrane Stahltragwerk, das ebenfalls in Mintgrün gefasst wurde. Möbel, Einbauten und eingesetzte Raumkuben nehmen diese Farbigkeit auf. Eine Deckeninstallation aus Plastikmüll aus dem Meer verweist zusätzlich auf die ökologische Vorgeschichte des Ortes. Dass Architektur auf Teshima längst Teil einer größeren Erzählung geworden ist, zeigt auch der Kontext: Rund drei Kilometer östlich wurde bereits 2009 das Teshima Art Museum eröffnet. Auch dieses Projekt trug dazu bei, die Insel kulturell und atmosphärisch neu zu codieren. (gk)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- Schemata Architects / Jo Nagasaka
- Projektteam:
- Junnosuke Kamijima, Fuka Nakahara
- Fläche:
- 365 m² Bruttogrundfläche
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