Zweierlei Brücken im Bambushain
Museum in Huizhou von LUO studio
Das Huizhou Vernacular Historic Bridges Micro Museum, in der ländlichen Peripherie der Großstadt Huizhou gelegen, widmet sich der traditionellen, vorindustriellen Steinbrückenbaukunst Südchinas. Der Bau wurde von LUO Studio (Peking) entworfen und befindet sich in einem Bambushain unmittelbar neben einer eben jener historischen Brücken, der sogenannten Shisanba-Brücke.
Das kleine Museum ist Teil einer von der Shanghai Fengyuzhu Culture Technology Company kuratierten touristischen Route, die sich auf die „Sechzehn Freuden des Lebens“ bezieht – einer Textsammlung aus dem 11. Jahrhundert, verfasst von Su Dongpo. Im Zentrum dieser stehen einfache, kontemplative und lebensnahe Freuden wie Naturerfahrung, Reisen, Musik, Freundschaft oder Rückzug. Entlang einer 218 Kilometer langen Strecke wurden verschiedene räumliche Interpretationen dieser Themen realisiert. LUO Studio wollen ihr Mikromuseum als eine atmosphärische Annäherung an Landschaft und Ort verstanden wissen.
Als konkrete gestalterische Referenzen dienten jedoch zwei historische Brücken-Typen: Die Baqiao-Brücke und die Gaoqiao-Brücke. Praktischerweise wird die Baqiao-Brücke ebenfalls mit Su Dongpo in Verbindung gebracht. Ihre Gestalt geht auf frühe Pontonstrukturen in Huizhou zurück, die dem chinesischen Universalgenie zugeschrieben werden. Ihre einfache, niedrige Konstruktion zeichnet sich durch tropfenförmige, stromaufwärts gerichtete Pfeiler aus, zwischen denen Steinplatten einspannt sind. Aufgrund der Form ihrer Pfeiler werden sie auch „Gänsebrust“-Brücken genannt. Die neben dem Museum befindliche Shisanba-Brücke ist ein typisches Beispiel.
Bei der Gaoqiao-Brücke – auch „Bank“-Brücke – handelt es sich um eine auf schlanken, aufgespreizten Steinpfeilern aufgelagerte Konstruktion zur Überwindung größerer Höhenunterschiede. Der Museumsbau kombiniert beide Typologien miteinander. Ein im Grundriss tropfenförmiger Baukörper aus Beton wird – ähnlich der Baqiao-Bauweise – von einem hölzernen Durchgang durchstoßen, der in einen Aussichtspunkt mündet. Die zweigeschossige Organisation bündelt Servicefunktionen im Erdgeschoss sowie Ausstellung und Café im Obergeschoss.
Ergänzt wird dieser Aufbau durch eine erhöhte Stegstruktur, die sich konstruktiv an den Gaoqiao-Brücken orientiert. Sie führt durch den Bambushain und eröffnet Blickbeziehungen zu Landschaft und der Brücke. Details wie bewusst gefügte Holzbohlen zitieren die charakteristischen Fugen der historischen Steinbeläge. Auch im Inneren bleibt der Entwurf in der lokalen Bautradition verankert: Fensteröffnungen in Kürbis-, Kreis- oder Dreiecksform verweisen auf regionale Bauweisen. (dsm)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- LUO studio
- Künstlerische Mitarbeit:
- Liu Qingyuan
- Team Architektur, Landschaftsarchitektur und Innenarchitektur:
- Luo Yujie, Wang Beilei, Hong Lun, Cao Yutao, Liang Jiahui
- Kunst am Bau:
- Liu Qingyuan, Song Qi, Wu Di
- Projektentwickler:
- Huizhou Huanliangshan Investment & Development Co., Ltd.
- Projektorganisation:
- Shanghai Fengyuzhu Culture Technology Co., Ltd.
- Fläche:
- 74 m²




