Brücke mit Anhang
Passarelle in Albi von Ney & Partners
Für ihr Stadtbild aus rotem Backstein wurde das südfranzösische Albi 2010 in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen. Es bilde ein „kohärentes und homogenes Ensemble aus Monumenten und Vierteln, das über die Jahrhunderte weitgehend unverändert geblieben ist“, heißt es in der Begründung. Umso komplexer gestaltete sich vor diesem Hintergrund die jüngste Bauaufgabe von Ney & Partners (Brüssel u. a.), ein zentrales Viadukt in einen Fuß- und Radweg zu transformieren.
Drei Brücken über den Tarn verbinden das Stadtzentrum Albis. Die erste ist die einspurige Pont-Vieux: Um 1040 errichtet, handelt es sich bei ihr um eine der ältesten noch für den Autoverkehr verwendeten Brücken Frankreichs. Die 1944 fertiggestellte Pont-Neuf befindet sich nur wenige hundert Meter weiter östlich und nimmt seit jeher jeglichen Straßenverkehr auf. Eine dritte Brücke liegt ganz im Westen der Stadt: ein schmales Viadukt, das 1866 in Verlängerung der Bahnachse eröffnet wurde.
2011 führte die Gemeindeverwaltung unter der damaligen Bürgermeisterin Stéphanie Guiraud-Chaumeil eine Machbarkeitsstudie für eine neue Fuß- und Radwegbrücke westlich des Stadtzentrums durch. Zum einen erwartete man durch den 2010 erfolgten Eintrag in die Welterbeliste einen Tourismusboom. Zum anderen war das Ziel, die hochfrequentierte Pont-Neuf als zentrale Verkehrsachse zu entlasten. Die Studie hatte eine im Vorfeld bereits angedachte Positionierung in Höhe der Bahnstrecke belegt und zusätzlich sichergestellt, dass das Viadukt einem seitlichen Anbau statisch standhalten würde.
Den darauffolgenden Wettbewerb konnten Ney & Partners 2013 für sich entscheiden. Ihr Entwurf sieht die Ergänzung eines leichten, scheinbar schwebenden Stegs an der stadtabgewandten Seite des Viadukts vor. Dieser wird mittels Stahlkonsolen von den sechs Grundpfeilern abgehängt und umspült die Zwischenräume der Gewölbe, um wellenartige Buchten mit Blick auf die Altstadt auszubilden. Eine solche an den Bestand angedockte Lösung war mit den Anforderungen der UNESCO vereinbar, da sie den Blick auf die historische Altstadt wahrt.
Den Korpus der Ergänzung bildet ein sich seitlich verjüngender Stahlhohlkasten, der über Schotten an der Unterseite ausgesteift wird. Ein Edelstahlgeländer und die pastellblaue Unterseite verleihen der rund 200 Meter langen Ergänzung ein einheitliches Erscheinungsbild. Ney & Partners sprechen von einer „schwebenden Anmutung, die mit der Massivität und Rationalität des Viadukts kontrastiert“. Insgesamt dauerte die Realisierung neun Jahre, dabei fielen Baukosten in Höhe von rund 5,5 Millionen Euro an. (tg)
- Fertigstellung:
- 2025
- Gestaltung und Tragwerksplanung:
- Ney & Partners
- Städtebau:
- Urban Planning MS-A
- Bauherrschaft:
- Gemeinde Albi und Umgebung, Frankreich
- Fläche:
- 1.000 m² Grundfläche
- Baukosten:
- 5.500.000 €








